Figuren des Bremer Volksfests

 - 18.10.2011

Als Klein-Roland den Freimarkt eröffnet hat

Von Simone Gorecki
Bremen. Der Freimarkt ist fast 1000 Jahre alt, da hat es viel Raum für eigene Charaktere gegeben. So ist der Rummel im vergangenen Jahrhundert von zwei Namen begleitet worden, die heute von der Bildfläche verschwunden sind: Klein-Roland und den Sengstakes. Dahinter verbirgt sich ein Paar, das noch bis in die 90er Jahre fest mit dem Freimarkt verbunden gewesen ist.
<p>Die WESER-KURIER-Figur "Klein-Roland" verteilt Fähnchen auf dem Freimarkt.<em> (</em><em>erschienen im WESER-KURIER 26.10.1951)</em></p>

Die WESER-KURIER-Figur "Klein-Roland" verteilt Fähnchen auf dem Freimarkt. (erschienen im WESER-KURIER 26.10.1951)

Ein älterer Herr mit Anzug und Hut hält ein Brötchen mit Bratwurst und Senf, neben ihm steht seine nicht weniger elegant gekleidete Frau und hebt ein großes Bierglas zum Mund: Der Bremer Karikaturist Volker Ernsting hat sein Bild eines typischen Bremer Paars jahrelang für den Freimarkt zu Papier gebracht. In jedem Jahr konnten sich Freimarkt-Fans ein neues Poster der Sengstakes kaufen. Die Zeichnungen stießen auf große Begeisterung und so wurden zum 950. Jubiläum Paare aufgerufen, die als „echte“ Sengstakes rund um den Freimarkt auftreten sollten. Ausgewählt wurden schließlich Hannelore und Karl-Heinz, die zufällig ebenfalls den Namen Sengstake trugen. Außerdem hatten sie eine gewisse Ähnlichkeit mit den Vorbildern auf Papier.

Bis ins Jahr 1992 waren sie nicht nur in Bremen aktiv, sondern reisten auch als Repräsentanten zum Oldenburger Kramermarkt oder zum Stoppelmarkt nach Vechta. Sie waren auch dabei, als Münchner Kindl, Graf Anton Günther aus Oldenburg und Jan und Lisbeth aus Vechta zu einem großen Symbolfiguren-Treffen in Bielefeld zusammenkamen.

Das Ehepaar Sengstake beim Freimarktsumzug 2010.

Das Ehepaar Sengstake beim Freimarktsumzug 2010.

1992 war dann Schluss mit dem Spaß. Die Schausteller lösten den Vertrag mit dem Ehepaar, deren finanzielle Forderungen mit der Zeit zu hoch geworden seien, so die Erklärung des damaligen Geschäftsführers des Landesverbands der Schausteller- und Marktkaufleute, Heinz Behrens. Doch wahrscheinlich war die Luft einfach raus aus der „Plakat-Pointe“, vermuteten die Sengstakes damals. Mit dem Freimarkt vorbei war es für das Ehepaar trotzdem nicht. 2010, zum 975. Jahrestag des Freimarkts, fuhren sie beim Umzug im Wagen des Geschichtenhauses mit. Stilecht mit Kapotthut, pinkfarbener Federboa und rot-weißem Hutband.

Klein-Roland erklärt die Stadt und tut Gutes

Ebenfalls als Zeichnung war zunächst Klein-Roland den WESER-KURIER-Lesern bekannt. In den 1950er Jahren hieß es in der Zeitung „Klein-Roland zeigt uns Bremen“. Kleine Bilder zeigten den Jungen, der mit seinem Freund Seppl in der Stadt unterwegs war und ihm beispielsweise erklärte, was die Figuren auf dem Rathaus darstellen. „Da schau her! Was hat’n der Feuerwehrmann für aan Ding über’m Kopf?“, fragt Seppl in der Ausgabe vom 24. Oktober 1951. Klein-Roland verrät: „Das ist kein Feuerwehrmann, Seppl, sondern der Bremer Wettermacher, und weil nun Freimarkt ist, da hat er seinen Regenschirm aufgespannt.“ Das war natürlich Blödsinn, wie ein kleiner Erklärtext unter der Karikatur aufklärte: „Klein-Roland hat dem Seppl wieder einmal einen Bären aufgebunden. Der „Wettermacher“ , wie der Krieger auf dem Rathaus im Volksmund heißt, steht das ganze Jahr über mit aufgespanntem Schirm da, der in Wirklichkeit natürlich ein ehener Schild ist."

Doch es hat Klein-Roland auch aus Fleisch und Blut gegeben. Er eröffnete damals den Freimarkt, gratulierte den ältesten Bremern mit einem Präsentkorb zum Geburtstag oder überbrachte glücklichen Gewinnern von Ratespielen ihr Preisgeld. Es waren andere Zeiten, wie in einem Artikel aus dem Jahr 1951 deutlich wird. Berichtet wurde über ein Gewinnspiel, in dem die Leser die Wahlbeteiligung schätzen mussten. „6101 Bremerinnen und Bremer hatten ihr Glück versucht und erstaunlicherweise – es handelte sich ja um eine politische Frage – war das weibliche Geschlecht den Männern in puncto Beteiligung und Erfolg glatt überlegen.“ Auch in Person des kleinen Roland waren die Mädchen übrigens den Jungen überlegen. Denn zumeist steckte unter der Perücke eine Rolandia.






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