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In dem kleinen Wohnwagen ist es angenehm warm. Spielzeug, Süßigkeiten und Buntstifte liegen für die Kinder schon bereit, alles lässt auf ein gutes Ende hoffen. "Bis jetzt hat jedes Kind seine Eltern wiedergefunden", bestätigt Heike Tassis. Die 67-Jährige hat neben ihrem Beruf und auch jetzt als Rentnerin immer ehrenamtlich gearbeitet. "Meist habe ich etwas mit Jugendlichen oder Arbeitslosen gemacht. Vor zwei Jahren dachte ich mir, etwas mit Kindern wäre auch nicht schlecht."
Sie sprach Brigitte Bahlert vom DRK an, und nach einem Vorbereitungsgespräch auf der Osterwiese 2010 begann sie mit sechs weiteren Frauen ihre neue Tätigkeit. Weil zwei "Ersatzomas" absprangen, teilen sich heute vier Frauen den Tag- und Abenddienst, der von 13 bis 17 Uhr beziehungsweise von 17 bis 22 Uhr dauert.
Hilfreich wäre ein Schild am Hals
Oft tritt die Polizei an die Frauen heran, wenn die Beamten auf ihrer Streife ein weinendes Kind entdecken. Auch die Schausteller kennen die Telefonnummer des Kinderfundbüros. "Gerade erst rief eine Frau aus einer Bratwurstbude an, die nicht von ihrem Stand weg konnte", erzählt Heike Tassis. "Da müssen wir dann selber zum Einsatzort." Manchmal gibt es jedoch schon Probleme vor der Kinderbetreuung. Tassis: "Wir müssen alles genau dokumentieren. Einige Kinder wissen aber gar nicht genau, wo sie wohnen. Da würde ich mir oft ein kleines Schild um den Hals der Kinder wünschen."
Wenn die Formalitäten geklärt sind, können die Kleinen auf die fürsorgliche Hilfe der "Ersatzoma" bauen. Tassis: Manche Kinder wollen nur in Ruhe gelassen werden. Andere suchen sich etwas von unserem bunten Teller oder der Spieltruhe aus." Eigentlich könne das DRK hier einen kleinen Kindergarten eröffnen, scherzt die 67-Jährige.
An ein Erlebnis erinnert sich Heike Tassis noch ganz genau. Ein Mädchen im Alter von acht Jahren kam mit Tränen in den Augen zu ihr. "Als wir uns jedoch anschauten, waren alle Hürden gebrochen, und wir haben uns bestens unterhalten." Die Kleine habe von ihrem Heimatort erzählt und von einem Museum, in das sie öfters gehe. "Ich hatte das erst gar nicht bemerkt, aber bevor sie ging, schenkte sie mir ein gemaltes Herz, auf dem ,Für Frau Tassis' stand."
In diesen Freimarktwochen hat das Fundbüro bislang sieben Kinder versorgt. 1976 waren es 92, berichtet Tassis. "Da hatten die Kinder noch keine Handys und konnten ihre Eltern nicht mal eben anrufen."
Vor allem bei ausländischen Kindern und Eltern sei die Verständigung manchmal schwer. Und doch habe es noch nie größere Probleme gegeben.
Ein Punkt jedoch liegt den "Ersatzomas" am Herzen: Sie wünschen sich einen anderen Standort. "Wir wollen näher am Geschehen sein. Hier, hinter den Sanitätswagen, sieht man uns gar nicht richtig." Die Polizei ist da etwas anderer Ansicht und befürchtet, dass die älteren Frauen angepöbelt werden könnten. Dennoch ist das Kinderfundbüro mit Schildern ausgestattet. "Über den Namen müssen viele Familien lachen, wenn sie an unserem Wohnwagen vorbeigehen."
Nach einem langen Tag auf dem Freimarkt ruft Heike Tassis immer bei der Zentrale an und fragt, ob sich wirklich alles aufgeklärt hat. "Diese ehrenamtliche Tätigkeit möchte ich noch möglichst lange ausüben. Es ist einfach schön, wenn Kinder nach unserer Rundum-Fürsorge gar nicht mehr nach Hause wollen."


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Alle Fotostrecken vom Bremer Freimarkt 2011 finden Sie in unserer Übersicht.
