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Laut Herbert Schwarzwälders "Das Große Bremen-Lexikon" lebten 1933 in Bremen 1438 Juden und bei Kriegsende 1945 dann fast keiner mehr. Eine Gedenktafel am Hauptbahnhof erinnert an jene 570 Mitbürgerinnen und Mitbürger, die im November 1941 nach Minsk deportiert wurden. Alle kamen um, darunter 63 Kinder und 41 Jugendliche. Noch im Februar 1945 ging aus Bremen ein letzter Transport ins KZ Theresienstadt ab. Unter den Zwölfen, die von dort heimkehrten, war Carl Katz. Mit ihm als dem Vorsitzenden wagte die Gemeinde im August 1945 den Neuanfang.
In der Gartenstraße 6 - heute Kolpingstraße - hatte man seit 1876 eine eigene Synagoge besessen; 1896 trat mit dem aus Ungarn gebürtigen Leopold Rosenak der erste Bremer Rabbiner sein Amt an. Nach ihm hieß seit 1926 das benachbarte "Rosenak-Haus". Ursprünglich war in den 1920er-Jahren der Neubau einer Synagoge mit Gemeindezentrum geplant gewesen. Der Entwurf des Münchner Architekten Fritz Landauer dafür lag bereits vor. Um den Baugrund zu arrondieren, waren die Häuser Schnoor 5 bis 9 und Hinter der Balge 7 bis 10 käuflich erworben worden. Sie wurden der Gemeinde nach Kriegsende zurückerstattet, von ihr dann aber doch veräußert.
Denn die neue Synagoge entstand nun an der Schwachhauser Heerstraße 117, auf einem rund 4500 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Dijonstraße und Metzer Straße. Auf die Grundsteinlegung im Januar und das Richtfest im September 1960 folgte am 30. August 1961 die Einweihung. Die Baukosten von 1,3 Millionen DM stellte der Bremer Senat aus dem Fonds für Wiedergutmachung zur Verfügung.
Die jüdischen Gottesdienste hatten nach 1945 zunächst behelfsmäßig in einer Gründerzeitvilla am Osterdeich und dann im jüdischen Altersheim an der Gröpelinger Heerstraße stattgefunden. Für die neue Synagoge samt Gemeindezentrum in Schwachhausen zeichnete der Architekt Karl Gerle (1903-1962) aus Recklinghausen verantwortlich. Nach Betsälen und Synagogen in Recklinghausen, Aachen, Minden, Hagen und Paderborn war dies sein letztes und sein größtes Projekt. Neben dem zweigeschossigen Trakt mit den Gemeinderäumen, den Büros und dem rituellen Tauchbad ragte nun die Synagoge selbst als kubischer Block auf. Ihre Kuppel ließ schon von außen das sakrale Bauwerk erkennen. Der Gebetsraum in Inneren bot Platz für 120 Personen: unten für 70 Männer, auf der Empore für 50 Frauen.
Vor 50 Jahren hätte das Platzangebot noch fast für die vollzählig versammelte Gemeinde gereicht. Jedoch der Altersdurchschnitt der Mitglieder stieg immer weiter. Die Zukunft sah düster aus. Wann würde hier nur noch ein Grüppchen übrig sein? Dann aber öffnete sich der Eiserne Vorhang - und vor allem auch durch den Zuzug aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion vergrößerte sich in Bremen die Zahl der jüdischen Gemeindemitglieder auf inzwischen weit über tausend.
