Tödlicher Keimausbruch im Klinikum Bremen-Mitte

 - 16.02.2012

Huppertz war nicht mehr Hygienebeauftragter

Von Sabine Doll
Bremen. Der entlassene Chefarzt der Frühgeborenen-Intensivstation im Klinikum Bremen-Mitte, Hans-Iko Huppertz, übte zur Zeit des tödlichen Keimausbruchs nach neuesten Erkenntnissen nicht die Funktion als verantwortlicher hygienebeauftragter Arzt aus.
Hans-Iko Huppertz wurde als Chefarzt der Frühgeborenen-Intensivstation am Klinikum Mitte und der Professor-Hess-Kinderklinik fristlos entlassen.
Hans-Iko Huppertz wurde als Chefarzt der Frühgeborenen-Intensivstation am Klinikum Mitte und der Professor-Hess-Kinderklinik fristlos entlassen.

Die CDU konfrontierte bei der Sitzung des Untersuchungsausschusses am Donnerstag die Ärztliche Geschäftsführerin des Klinikums, Brigitte Kuss, damit, dass der entsprechende Vertrag mit Huppertz bereits am 31. März 2011 ausgelaufen sei. Im November vergangenen Jahres war bekannt geworden, dass seit April mindestens 25 Kinder mit einem multiresistenten Darmkeim in Kontakt gekommen waren, neun erkrankten, drei Frühgeborene starben an der Folgen der Infektion.

Der Klinikbetreiber Gesundheit Nord (Geno) hatte Huppertz am 15. November fristlos entlassen, Geno-Geschäftsführer Diethelm Hansen begründete die Kündigung damit, dass Huppertz seiner Verantwortung unzureichend nachgekommen sei. Er habe den Verdacht auf einen Ausbruch zu spät ausgesprochen.

Mit der Folge, dass er deutlich zu spät das Gesundheitsamt informiert und damit auch zu spät weitere Maßnahmen eingeleitet habe, die den Ausbruch zumindest hätten eindämmen können. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Huppertz, der auch die Professor-Hess-Kinderklinik leitete, wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung und Körperverletzung.

"Nun muss geklärt werden, was es bedeutet, wenn dieser Vertrag mit Professor Huppertz als hygienebeauftragter Arzt nicht verlängert wurde", sagte Ausschussmitglied Wilhelm Hinners von der CDU. Konkret gehe es um die Frage der Verantwortung. Diese hänge unter anderem davon ab, welche Aufgaben der entlassene Chefarzt zur Zeit des Keimausbruchs hatte. "Und wenn es so ist, dass Huppertz nach dem 31.3.2011 zur Aufgabe als hygienebeuaftragter Arzt keinen Auftrag mehr hatte, dann ist die große Frage, wer ihn hatte und wer dafür verantwortlich war, dass dies nicht mehr Huppertz' Aufgabe war." Nach Einschätzung des CDU-Politikers rücke die Verantwortung in einem solchen Fall eine Stufe höher". "Das ist dann die Geschäftsleitung", so Hinners.

In der heutigen Sitzung des Untersuchungsausschusses wurden die drei Geschäftsführer des Klinikum Mitte als Zeugen gehört. Neben Brigitte Kuss sind dies Daniela Wendorff, zuständig für die pflegerische Geschäftsleitung, und Robert Pfeiffer, Kaufmännischer Geschäftsführer. Wie auch die in der vergangenen Woche geladenen Geno-Mitarbeiter wurden sie von ihrem Rechtsbeistand begleitet.  Auf Fragen des Ausschusses zu den Bereichen Hygienemanagement, Dokumentation, Personalsituation sowie Meldewege verweigerten die Geschäftsführer die Aussage.






Dossier zum Hygiene-Skandal

Wie Anfang November bekannt geworden ist, sind im Klinikum Bremen-Mitte mehrere Frühchen am sogenannten ESBL-Keim gestorben. In unserem Online-Dossier sammeln wir die Berichterstattung rund um den Hygiene-Skandal.

Chronlolgie: Resistente Keime im Klinikum

30. April 2011: Der multiresistente Keim wird erstmals auf der Intensivstation für frühgeborene Babys entdeckt.

8. August 2011: Ein Frühchen stirbt an der Infektion. Im August und im September wird der Erreger bei weiteren Babys nachgewiesen.

7. September 2011: Die Klinikleitung informiert das Bremer Gesundheitsamt.

16./27. Oktober 2011: Zwei weitere Kinder sterben.

1. November 2011: Gesundheitssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) wird informiert, das Robert-Koch-Institut (RKI) eingeschaltet.

7. November 2011: Die Klinik startet mit der Desinfektion der betroffenen Intensivstation. 15 Babys werden verlegt.

15. November 2011: Der Chefarzt der Kinderklinik wird entlassen.

18. November 2011: Die Bürgerschaft in Bremen setzt einstimmig einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss ein.

1. Dezember 2011: Die RKI-Experten legen ihren Bericht vor. Sie können nicht mehr feststellen, was die tödliche Infektionswelle auf der Frühchenstation ausgelöst hat.

20. Dezember 2011: Auf der Frühchenstation wurde schlampig dokumentiert, Meldepflichten wurden missachtet. Zu diesem Schluss kommt ein Untersuchungsbericht von Staatsrat Matthias Stauch.

9. Januar 2012: Die Klinik eröffnet die Frühchenstation wieder.

23. Februar 2012: Wieder werden Darmkeime bei Frühchen nachgewiesen.

24. Februar 2012: Für die Station gilt ein Aufnahmestopp, Experten des RKI untersuchen die Vorfälle.

28. Februar 2012: Senatorin Jürgens-Pieper lässt prüfen, ob ein anderes Krankenhaus in Bremen für die Intensivbehandlung von Frühchen hergerichtet werden kann.

29. Februar: Zwei Frühchen sterben an Blutvergiftung.

29. Februar: Gesundheitssenatorin Jürgens-Pieper stellt Geno-Chef Diethelm Hansen von seinen Aufgaben frei

01. März: Der Untersuchungsausschuss kündigt an, seine Arbeit fortzusetzen

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