In dieser Funktion hatte die Einrichtung auch mit den ESBL-Klebsiella-Keimen zu tun, mit denen sich von April bis Oktober 2011 mindestens neun Frühchen auf der Frühgeborenen-Intensivstation des Klinikums infizierten, drei von ihnen starben an den Folgen. Den Nachweis des Keims hat in diesen Fällen das Zentrum für Laboratoriumsmedizin erbracht. Die Klärung der Frage, ob es zu einem Ausbruch des Keims gekommen ist und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden müssen, liege jedoch nicht in der Verantwortung des Labors, betonte Klouche. Dort würden die Proben untersucht und an die Station, aus der sie kommen, zurückgeschickt.
In bestimmten Fällen unterliege das Labor selbst einer gesetzlichen Meldepflicht an das Gesundheitsamt. In anderen Fällen liege die Meldepflicht bei der Station. Die Befunde seien dann mit einem entsprechenden Hinweis versehen und würden automatisch als Kopie an die Hygienefachkräfte geschickt. Ob dann Maßnahmen eingeleitet würden, könne das Labor aber nicht überprüfen, sagte Klouche auf Nachfrage und verwies auf die gut 1000 erfassungspflichtigen Befunde pro Jahr - und die strikte Aufgabentrennung zwischen Klinik und Labor.
Eine interessante neue Facette fügte Klouche aber der Frage hinzu, ob und wann es sich um einen Ausbruch des ESBL-Keims gehandelt hat. In den Details der Befunde nämlich finden sich Hinweise darauf, dass es nicht immer derselbe Bakterienstamm gewesen sein muss. Denn die Mediziner im Labor untersuchen nicht nur, welcher Art der Keim ist. Sie untersuchen auch, auf welche Antibiotika er resistent ist. Das dient auch der weiteren Therapie, denn so können die Mediziner im Krankenhaus auch sehen, welche Medikamente gegen den Keim noch wirksam sind. Das Labor teilt den Keim dazu in drei Kategorien ein.
Bei Frühchen, die sich im Zeitraum von August bis September auf der Station im Klinikum Mitte mit ESBL-Klebsiellen infiziert haben wurden im Labor nun unterschiedliche Resistenzen festgestellt. Und diese Unterschiedlichkeit in der Resistenz bei einem bestimmten Antibiotikum deutet zumindest darauf hin, dass der Keim nicht demselben Stamm entsprechen könnte.
"Man muss in diesen Fällen die DNA der Stämme untersuchen, um die Aussage treffen zu können, dass es zum Ausbruch eines Keims mit demselben Stamm gekommen ist", sagte Klouche - und lässt damit die Auffassung des ehemaligen Leiters der Station und der Professor-Hess-Kinderklinik zumindest wieder diskutabel erscheinen. Huppertz hatte in einer Mail geschrieben, er halte es noch für zu früh von einem Ausbruch zu sprechen - einen Tag bevor eine Kollegin das Gesundheitsamt informierte. (mit Material von dpa)


Regenwahrscheinlichkeit: