| Testen Sie Ihr Schweine-Wissen » |
Der Bremer Landes- und Stadtvernband des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) hat bereits mehrere telefonische Anfragen von Anwohnern erhalten, die wissen wollten, wer das laute Fiepen verursacht. "Auch wenn es ungewöhnlich erscheint, ist die Antwort eindeutig: Waldohreulen sind die Verursacher der nächtlichen Ruhestörung. Genauer gesagt, die jungen Ästlinge der Eulen, die nun ab dem späten Nachmittag um Futter betteln", erklärt Sönke Hofmann, Geschäftsführer des NABU-Landesverbands Bremen, und beschreibt die Geräusche der Jungvögel so: "Piiiiiüüüh!, dann wieder, Piiiiiüüüh! Pause. Piiiiiüüüh!, so geht es die ganze Nacht." Was tagsüber im Geräuschpegel des Straßenverkehrs untergeht, belästigt die Anwohner nachts umso mehr.
Nach Einbruch der Nacht fangen die Jungen der Waldohr-Eulen an, verstreut in den Bäumen nach Futter zu betteln. Vogelbeobachter sollten den Tieren allerdings nicht zu nahe kommen. "Euleneltern verteidigen ihre Brut mit gezielten Griffen der rasierklingenscharfen Krallen in die Augen. Und sie fliegen lautlos heran", warnt Hofmann.
Die Waldohr-Eulenbrut habe in diesem Jahr erst spät im April begonnen, erklärt er. Nach vier Wochen Brutzeit schlüpfen im Mai vier bis sechs Junge, die zunächst im Nest, einem alten Krähennest, von den Eltern versorgt werden.
Nun seien die Küken bereits Ästlinge, flauschige Federbälle, die den Tag unauffällig im Geäst verschlafen und dann Hunger haben. "Zwar fangen die Jungeulen bald auch mit den ersten Flugübungen und Jagdversuchen an, aber bis Mitte August kann die nächtliche Ruhestörung noch weitergehen", so der gelernte Förster Hofmann. Säter suchen sie sich ein eigenes Revier in einigen Dutzend Kilometern Entfernung.
"Wir haben jedes Jahr entnervte Anrufe und Nachfragen, was das Gefiepe denn sei", sagt Hofmann schmunzeld. "Wenn die lieben Kleinen die ganze Nacht vor dem offenen Schlafzimmerfenster betteln, stört das natürlich gewaltig", räumt er ein. Dennoch bittet der Bremer Naturschützer um Verständnis, denn die Jungen hätten schließlich nur Hunger. Das Vertreiben der Tiere sei übrigens nicht zulässig.