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Lili und Manfred Hagert nehmen bereits seit fünf Jahren regelmäßig Haustiere anderer bei sich auf. Die Tiere, die in ihrer Schwachhauser Wohnung die Ferien verbringen, können sich wie in einem Fünf-Sterne-Hotel fühlen: "Wir sind sehr tierlieb", sagt Lili Hagert.
Ihr eigenes Kaninchen Felix hoppelt den ganzen Tag durch die Wohnung. Wenn das Ehepaar für die Ferien ein weiteres Kaninchen aufnimmt, darf es sich allerdings nur in der Küche bewegen, die in dieser Zeit extra mit alten Teppichen ausgelegt wird, "denn längst nicht alle Kaninchen sind stubenrein."
Zwei Rosenkopfpapageien haben ihre Ferien ebenfalls einmal bei Familie Hagert verbracht. Die Tiere allerdings nur im Käfig zu halten, war für die Rentner unvorstellbar. So wurde die Käfigtür geöffnet und das Wohnzimmer zum Freifluggehege erklärt - was allerdings nicht ganz unproblematisch war, wie sich Lili Hagert erinnert: "Die Vögel haben angefangen, unsere Möbel anzuknabbern. Wir mussten alle Möbel mit Bettlaken abdecken. Bei uns sah es in dieser Zeit aus wie in einem Gruselfilm."
Die Bremerin schätzt an der Tiertausch-Aktion besonders die Abwechslung, die dadurch ins Haus kommt. Besonders gute Erinnerungen hat sie an eine fünfköpfige Mäuse-Truppe, die in einem großen Terrarium kam. "In dieser Zeit brauchten wir keinen Fernseher. Es war viel interessanter, die Mäuse beim Bauen von Gängen und Herumtoben zu beobachten", schmunzelt die Tierfreundin. Nur eine kleine Maus sei in einem Extra-Käfig gekommen, da sie sich mit den anderen nicht vertrug. Doch diese Lösung fanden die Hagerts nicht optimal: Die Tierfreunde spendierten der Maus kurzerhand ein eigenes Terrarium.
Hunde und Katzen nimmt das Ehepaar nicht in Pflege, das verbietet ihnen die Hausordnung. Aber Lili und Manfred Hagert haben dennoch eine Möglichkeit gefunden, sich um Hunde zu kümmern: Dreimal pro Woche gehen sie mit Hunden im Tierheim an der Hemmstraße "Gassi".
Ferienplätze für Hunde bietet dagegen Sabine Lükens aus Blumenthal an. "Beim Tierheim haben sich die Mitarbeiter gefreut, dass zu uns auch große Hunde kommen können", erinnert sie sich. Die Lükens haben zwei eigene Hunde: Einen Jack Russell-Terrier übernahmen sie von Nachbarn - und ein Schäferhund-Mix kam ursprünglich nur für eine Woche. "Wir sollten ihn für das Tierheim ein wenig aufpäppeln, doch dann konnten wir uns nicht mehr trennen." Derzeit bekommen die Hunde der Familie Verstärkung durch zwei Labradore und einen Berner Sennenhund.
Rangkämpfe gibt es nicht, sagt die Hundefreundin: Die Gäste wissen, dass sie nicht im eigenen Zuhause sind - und benehmen sich dementsprechend. Wenn die Hunde nicht im 800-Quadratmeter großen Garten toben, geht die ganze Familie mit ihnen spazieren: "Wir sind ein Sechs-Personenhaushalt, da passt das schon", so Sabine Lükens. Sie nimmt aber nicht jeden Hund auf. Vor dem Ferienaufenthalt steht immer ein gegenseitiges Kennenlernen. Unverzichtbar ist, dass sich die Hunde mit Artgenossen und Kindern vertragen.
Durch die Aktion "Nimmst Du mein Tier, nehm' ich Dein Tier" konnten bereits zwölf Tiere für die Ferien vermittelt werden. Am Ende des Sommers werden es nach Schätzungen des Tierschutzvereins rund 50 Urlaubspatenschaften sein.
Doch nicht alle Tiere haben so viel Glück: Der kleine Terriermix "Smilla" wurde kurz vor den Ferien in der Innenstadt angebunden. Der Hund hat jetzt über das Tierheim eine neue Familie gefunden. "Wir hatten in diesen Ferien auch schon eine Katze, die in der Box am Wegesrand stand, und zwei Kaninchen, die in der Stadt ausgesetzt wurden", sagt Gaby Schwab, Sprecherin des Bremer Tierschutzvereins.
Derzeit ist das Tierheim mit 420 Katzen, 57 Hunden und 120 Kleintieren übervoll. Die Tierschützer hoffen, dass keine weiteren Fundtiere dazu kommen.
Das Tierheim-Büro ist montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr und sonnabends von 10 bis 13 Uhr erreichbar unter der Nummer 351133.