Betriebe sollen Mädchen fürs Handwerk begeistern

 - 02.03.2010

Senatorinnen werben für Girls' Day

Von Sarah Rauch
Bremen. Der seit 2001 jährlich stattfindende Mädchen-Zukunftstag „Girls‘ Day“ feiert in diesem Jahr seinen zehnten Geburtstag. Am 22. April werden Mädchen und junge Frauen der fünften bis zwölften Klassen dazu aufgerufen, Einblicke in die Berufe zu gewinnen, die nach wie vor von Männern dominiert werden.
Beim Girls' Day sollen Mädchen in typische Männerberufe hereinschnuppern.
Beim Girls' Day sollen Mädchen in typische Männerberufe hereinschnuppern.

Um Bremer Betriebe auf den Girls' Day aufmerksam zu machen, besuchten die Senatorin für Bildung, Renate Jürgens-Pieper (SPD) sowie die Senatorin für Arbeit und Frauen, Ingelore Rosenkötter (SPD) gemeinsam mit der Bremer Landesbeauftragten für Frauen, Ulrike Hauffe, am Mittwoch die HandWERK gGmbH. Gemeinsam baten sie die Betriebe um viele Plätze für den diesjährigen Girls' Day.

Der Tag soll jungen Mädchen und Frauen bei ihrer späteren Berufswahl helfen. Er bietet die Möglichkeit, in ein noch immer für viele unbekanntes Berufsbild schnuppern zu können. „Ziel ist es, die Vielfalt der Handwerksberufe zu zeigen und das Interesse junger Mädchen an diesen zu wecken“, so Hans-Joachim Stehr, Vize-Präses der Handwerkskammer Bremen. Dieses sind vor allem die so genannten „MINT“ Berufe, also diejenigen in denen es sich um Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik dreht.

Was als ein „Tag bei dem Mädchen ihrem Vater bei der Arbeit über die Schulter gucken“ startete, erfreue sich immer größerer Beliebtheit. Im letzten Jahr haben Bremen und Bremerhaven insgesamt 6000 Plätze zur Verfügung gestellt. Ingelore Rosenkötter rief die Betriebe dazu auf, ein interessantes, umfangreiches Programm zu erstellen. Es müsse darum gehen, junge Frauen für diese Branche zu gewinnen, um einen Fachkräftemängel ausgleichen und gleichzeitig eine Berufsperspektive eröffnen zu können. „Die Chancen hierbei liegen bei den Frauen selber“, sagte Rosenkötter. Die meisten Mädchen erlernen nach der Schule noch immer einen typischen Frauenberuf, wie Einzelhandelskauffrau oder Arzthelferin.

Auszubildende berichten

Neben den Senatorinnen berichteten drei Auszubildende der HANDwerk gGmbh über ihre Erfahrungen. Die HANDwerk gGmbh versteht sich als das Kompetenzzentrum der Handwerkskammer Bremen und ist eine Anlaufstelle für Handwerker, Auszubildende, Handwerksbetriebe und Kooperationspartner.

Bianca, Auszubildende als Tischlerin, erzählte, dass sie anfangs von ihren damaligen Mitschülern belächelt wurde. Jetzt werde sie von ihren Freundinnen immer häufiger gefragt, ob sie bei technischen Problemen helfen könne. Auch die Anlagenmechanikerin Jeanette sowie Tischlerin Jule berichteten ähnliches. Auf die Frage, ob sich in ihren Betrieben durch ihre Anwesenheit etwas geändert habe, sagten sie einstimmig, dass es anfängliche Probleme wie beispielsweise keine separaten Toiletten oder eine körperliche Unterlegenheit gegenüber männlicher Kollegen gab. Sie hätten aber gelernt mit ihrer vermeintlichen Schwäche umzugehen und durch verbesserte Techniken oder wie Jule es formulierte „mit dem richtigen Schwung“ anzupacken.

Ulrike Hauffe hat den Girls` Day von Beginn an miterlebt und bekräftigt, dass Betriebe junge Frauen haben wollen, da sie oftmals über gute Deutschkenntnisse verfügen und, im Vergleich zu Jungen, bessere Umgangsformen besitzen.

Chancen nutzen

Die Chancen für Mädchen in diesen Berufsfeldern sind laut Hauffe um ein vielfaches höher. „Frauen die den Beruf der Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau, Friseurin oder Arzthelferin erlernen, haben keine beruflichen Aufstiegschancen oder bessere Verdienstmöglichkeiten, es sei denn die Arzthelferin heiratet ihren Arzt“, so Hauffe. Die Karrierechancen in den mathematisch-technischen Berufen seien um ein Vielfaches höher.

Für Fragen und Anmeldungen von Betrieben steht bis zum 30. April eine Girls‘-Day-Hotline zur Verfügung, beim Landesinstitut für Schule unter der Telefonnummer 361 – 10817 oder per Mail an girlsday@lis.bremen.de.

 






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