Kippt Bremen, könnte die gesamte Marke 'Sixdays' in Deutschland ins Trudeln geraten. Denn aktuell laufen mit Bremen und Berlin nur noch zwei Veranstaltungen dieser Art im Bundesgebiet. Bis vor wenigen Jahren gab es noch eine regelrechte Saison für Sechstagerennen. 'Wir müssen uns um die Szene kümmern und mehr Rennen anbieten', sagt der frühere Bremer Stadthallenchef Heinz Seesing, der jetzt beim Berliner Sechstagerennen aktiv ist. Für die Radfahrer zum Beispiel lohne es sich einfach nicht, nur zwei Sechstagerennen zu fahren. Seesing, der Bremen 1994 verlassen hat, glaubt an die Zukunft dieses Sports und macht sich deshalb dafür stark, die Hallen-Radrennen wieder an mehreren Orten zu etablieren. Die Städte dürften sich aber nicht untereinander Konkurrenz machen, in diesem Punkt sollte es keinen Wettbewerb geben, sondern die Pläne müssten im Terminkalender aufeinander abgestimmt werden.
Reiner Schnorfeil, der mit seiner Delmenhorster Sport-Marketingfirma und gemeinsam mit Heinz Seesing das Berliner Sechstagerennen ausrichtet, bestätigt sein Angebot für Bremen, das der Wirtschaftsbehörde anscheinend bereits vorliegt. 'Wir haben ernsthaftes Interesse.'
In Bremen hatte der Sprecher der Wirtschaftsbehörde, Holger Bruns, tags zuvor bestätigt: Bei dem Interessenbekundungsverfahren, das jetzt gestartet werden solle, gehe es darum, die 'starke Marke Sechstagerennen' langfristig für Bremen zu sichern. Hoffnung des Ressorts ist es, durch das Interessenbekundungsverfahren neue Ideen und Konzepte auf den Tisch zu bekommen.
Veranstalter Frank Minder ist auch gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen gewesen. Christian Stoll, Hallensprecher beim Bremer Sechstagerennen und seit rund 20 Jahren an der Veranstaltung auf der Bürgerweide beteiligt, ist überzeugt: Wenn Minder die Traditionsveranstaltung nicht mehr ausrichtet, dann tritt das komplette Team ab. Für diesen Fall würde seiner Aussage nach auch der sportliche Leiter Patrick Sercu nicht mehr zur Verfügung stehen. Stoll ist aber überzeugt: 'Solange das Bremer Sechstagerennen von Leuten gemacht wird, die davon etwas verstehen, wird es auch funktionieren.'
Christian Stoll selbst hat bereits im Januar angekündigt, dass er selbst versucht, Ende 2011 in Hannover gemeinsam mit Partnern ein neues Sechstagerennen auf die Beine zu stellen und zu etablieren. Aktuell will er zum Stand der Planungen in der niedersächsischen Landeshauptstadt nichts sagen. Er stellt klar, dass er für Bremen definitiv kein eigenes Angebot abgeben wird. Stoll schätzt, dass beim vergangenen Sechstagerennen in Bremen rund 125000 Besucherinnen und Besucher waren. Sein Urteil deshalb: 'Es gibt keine Krise.' Das Sechstagerennen habe mit seinem Volksfest-Charakter und den vielen Nebenhallen eine gewachsene Sonderstellung in Deutschland. 'Das gibt es nirgends sonst.'
Die Analyse der diesjährigen Veranstaltung ist abgeschlossen, die Vorbereitungen für 2011 laufen. Laut Stoll ist zum Beispiel offensichtlich, dass das Sechstagerennen das Interesse bei den 15- bis 25-Jährigen wecken muss. 'Das gelingt uns noch nicht.' Die Organisatoren denken deshalb darüber nach, in einer der Hallen ein Unterhaltungsprogramm speziell auf diese Altersklasse zuzuschneiden. Außerdem wird überlegt, das Sechstagerennen eventuell nicht nur mit einem Startschuss zu eröffnen, sondern mit einem regulären Konzert im Oval. Wer immer dort auftrete, könne dann im Anschluss auch das Rennen starten, so Stoll.
Ganz einfach ist es aber in den vergangenen Jahren offenbar auch mit dem Bremer Sechstagerennen nicht gewesen. Frank Minder hatte zum Beispiel das Rauchverbot zum Anlass genommen, vom 'Tod auf Raten' zu sprechen und die Politik massiv angegriffen. Außerdem waren ihm mit AWD und Milram die Hauptsponsoren abgesprungen. Der Organisator fühlte sich von der Stadt im Stich gelassen. Bremen profitiere von der Veranstaltung, die weit über 100000 Besucher anlocke, so seine Argumentation im vergangenen Jahr, das finanzielle Risiko müsse er aber tragen.
Die Krise der Sechstagerennen scheint beflügelnd zu wirken. Die Veranstaltungen in Stuttgart, München und Dortmund sind zunächst vom Terminkalender verschwunden. Eine Sprecherin der Dortmunder Westfalenhalle bestätigt aber, dass nach den Absagen in den Jahren 2009 und 2010 die Verhandlungen über eine Neuauflage laufen. 'Wir haben die Bahn und wir würden sie selbstverständlich gerne nutzen.'
Pläne tauchen auf zur Etablierung von Sechstagerennen auch in anderen Großstädten. Christian Stoll will wie gesagt in Hannover aktiv werden. Reiner Schnorfeil plant Sixdays in Leipzig. Und wenigstens zwei weitere Großstädte werden offenbar mit geplanten Sechstagerennen in Verbindung gebracht. Schnorfeil hofft auf diesen Zuwachs: 'Das kann nur helfen. Wir müssen den Standort Deutschland für die Marke Sechstagerennen retten.'





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