'Und dann hat er uns sogar noch Sekt gebracht', erzählt Susanne Schrage lachend, die jetzt keine Angst mehr um ihre Arbeit in der Spielwarenabteilung haben muss.
Drei Stunden danach ist bei Karstadt auf den ersten Blick ist alles beim Alten. Die meisten Kunden sind, selbst in der Abteilung für junge Mode, über 40. Doch das wird sich, so die Hoffnung, bald ändern. Seit gestern steht die Rettung der Warenhauskette fest. Vor allem für die Angestellten ist die Nachricht eine Erleichterung. 15 Monate lang haben sie gebangt. Jetzt können sie endlich aufatmen.
Das Ringen um Karstadt hat ein endgültiges Ende gefunden. Mit der Einigung zwischen Investor Nicolas Berggruen und den Gläubigern des Vermieters Highstreet ist der Fortbestand gesichert, gestern hat das Essener Amtsgericht den Karstadt-Insolvenzplan angenommen. Karstadt wird es weiter geben. Jetzt muss sich was ändern. 'Die bis 25Jährigen spricht Karstadt nicht an', sagt Gabriele Theesfeld, Mitarbeiterin im Kassenteam. 'Obwohl wir Mode für junge Leute haben.' Das kommt nur bei den Kunden nicht an.
'Wir sind Karstädter'
Falsches Marketing ist einer der Punkte, die, so die Hoffnung der Angestellten im Bremer Haus, bald abgestellt werden. Jetzt herrscht aber erstmal Erleichterung. 'Die Stimmung ist gelöst. Da hat man Steine von 1000 Herzen fallen hören', beschreibt Betriebsratsvorsitzende Sabine Dziadek den Moment, in dem sie und ihre Kollegen von der Karstadt-Rettung erfuhren.
Nach 15 Monaten, die das Unternehmen in der Insolvenz verbrachte, ist die Erleichterung verständlich. 'Das war ein Nervenkrieg' sagt Dziadek über diese Zeit, die von einem Auf und Ab der Hoffnungen geprägt war. Viele Angestellte hätten erzählt, dass sie keine Kleinkredit oder neuen Mietvertrag bekommen hätten. Der Grund: Ihre Anstellung bei Karstadt, dem Warenhaus mit der düsteren Zukunft.
Jetzt wird das Unternehmen, so die Ankündigung Berggruens, umgekrempelt. Eine Modernisierung steht ins Haus, um Karstadt zukunfts- und konkurrenzfähig zu machen. 'Wir hoffen auf überarbeitete Sortimente, besseres Marketing und Qualifizierungsmaßnahmen für die Mitarbeiter', umreißt Sabine Dziadek die Bereiche, die ihrer Meinung nach wichtig sind. 'Denn für das Warenhaus muss sich was ändern, sonst sind wir in zwei Jahren vielleicht schon wieder da, wo wir jetzt waren.' Das 'aufregende Leben', das Investor Berggruen gestern bei einer Pressekonferenz in der Berliner Filiale für Karstadt ankündigte, wird in der Bremer Obernstraße also schon freudig erwartet, obwohl sich für die Angestellten grundsätzlich erstmal nichts ändern wird. Ein Fortführungstarifvertrag sichert die Arbeitsplätze bis 2012. 'Was danach kommt, steht noch in den Sternen', sagt Gabriele Theesfeld.
Vorsichtig optimistisch seien sie in den letzten Tagen schon gewesen, dass Karstadt eine Zukunft hat. 'Aber ehrlich gesagt habe ich nicht damit gerechnet, dass es jetzt schon dazu kommt', so Sabine Dziadek. Vielmehr sei man im Haus davon ausgegangen, dass die Zitterpartie noch bis zur kommenden Woche andauert. Und wenn doch der schlimmste Fall, die Zerschlagung Karstadts, eingetreten wäre? 'Wir wären bestimmt nicht sang- und klanglos untergegangen', gibt sich die Betriebsratsvorsitzende kämpferisch. Dann wären wieder Aktionen gelaufen, um die Aufmerksamkeit auf Karstadt zu lenken und vielleicht doch noch das Ruder herumzureißen, so wie es zu Beginn des Insolvenzverfahrens schon gemacht worden war. 'Da haben wir Unterschriften gesammelt und die Schaufenster abgeklebt, um zu zeigen, wie es nach einer Pleite aussehen würde', so Dziadek.
'Die Mitarbeiter sind dem Unternehmen unheimlich treu', sagt Gabriele Theesfeld. 'Allein mit uns dreien hier am Tisch sitzen 80 Jahre Karstadt. Im Durchschnitt bleiben die Mitarbeiter 11,7 Jahre bei uns.' Man sei nicht einfach im Einzelhandel tätig - 'wir sind Karstädter.'
Die enge Bindung an die Marke Karstadt gilt auch für viele Kunden, gerade in Bremen, wo eines der ältesten und größten Häuser Deutschlands steht. 'Ich finde gut, dass Karstadt bleibt. Das Haus ist eine wichtige Alternative beim Einkaufen', sagt die Bremerin Doris Fischer. Und auch Stephanie Wienberg hängt am Haus: 'Es wäre schade gewesen, wenn das wegfällt.'
Änderungen müssen jetzt sein, das wissen auch die Angestellten. Doch erstmal haben sie einen guten Grund, mit Sekt anzustoßen.


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