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Investiert wird in Ausbildung und Rekrutierung. Aber auch der bereits vorhandene Personalstamm erfährt intensivere Hege. Als Volker Mahlstedt vor zwei Jahren den Arbeitgeber wechselte, profitierten davon gleich drei Parteien. Der 36-Jährige selbst tauschte seinen alten, ungeliebten Job gegen eine Beschäftigung, mit der er seither hochzufrieden ist.
Sein neuer Arbeitgeber, der Gabelstapler-Spezialist Willenbrock Fördertechnik, gewann mit dem erfahrenen Kfz-Mechaniker eine wertvolle Fachkraft hinzu. Der dritte Profiteur ist ein Bekannter Mahlstedts. Er arbeitete bereits bei Willenbrock und vermittelte den Mechaniker an das Unternehmen. Dafür belohnte ihn die Firma mit einer Prämie von 1500 Euro. Allerdings erst, nachdem sich der neue Mitarbeiter ein halbes Jahr lang bewährt hatte.
'Der Fachkräftemangel ist schon heute eine entscheidende Herausforderung', sagt Lutz Peper, geschäftsführender Gesellschafter von Willenbrock und Vizepräses der Handelskammer Bremen. Die Prämie sei nur ein Baustein von vielen, um die Suche nach qualifizierten Mitarbeitern voranzutreiben. 'Wir betrachten die Fachkräftesuche nach Wettbewerbsmaßstäben, wir müssen besser sein als die anderen', erklärt Peper.
Image und Bekanntheitsgrad eines Unternehmens würden in Zukunft von immer höherer Bedeutung sein. Daran arbeitet das Dienstleistungsunternehmen in vielen Bereichen. 'Wir investieren in unsere Internetpräsenz', sagt Peper. Der Arbeitskräftemarkt im Netz gewinne immer mehr an Bedeutung. Auch die Fahrzeugflotte der Firma wird demnächst ihren Teil zur Mitarbeiterrekrutierung beitragen. Großflächige Klebebanner, die auf den Wagen angebracht werden, bewerben dann die freien Stellen des Unternehmens.
Für Kfz-Mechaniker Volker Mahlstedt war der gute Ruf der Firma Willenbrock seinerzeit das ausschlaggebende Argument für seinen Wechsel. Die Firma setze Vertrauen in ihre Mitarbeiter, das wisse er sehr zu schätzen. 'Wir müssen den Menschen etwas anbieten können', sagt Lutz Peper. Neben entsprechenden Karrieremöglichkeiten gehörten dazu bei Willenbrock auch fundierte Aus- und Weiterbildung und Gesundheitsmanagement. So subventioniert Willenbrock seiner Belegschaft - bei ausreichendem Interesse - Fitnessstudiobesuche oder Raucherentwöhnungskurse. Nützlicher Nebeneffekt: Fitte Mitarbeiter stehen dem Unternehmen meist länger zur Verfügung.
Das Ingenieurplanungs- und -Beratungsunternehmen Grontmij mit Sitz in Schwachhausen setzt beim Werben um neue Mitarbeiter unter anderem auf familienfreundliche Arbeitsbedingungen. Die Firma bietet ihren Mitarbeitern ein extrem flexibles Arbeitszeitmodell, das gerade bei jungen Eltern sehr gefragt ist. 'Die Bewerber freuen sich über diese Leistung, und wir punkten damit gegenüber unseren Mitbewerbern', sagt Geschäftsführerin Ina Brandes.
Beim IT-Dienstleister Datagroup, der in Bremen 120 Mitarbeiter beschäftigt, herrscht derzeit noch kein Mangel an Personal. 'Wir setzen stark auf Ausbildung, haben derzeit zwölf Azubis und zwei Werksstudenten, das klappt bisher ganz gut', sagt Geschäftsführer Olaf Timm. Der Kampf um die guten Azubis habe jedoch spürbar an Heftigkeit zugenommen. Datagroup rücke deshalb näher an die Bildungsträger heran und betreibe verstärkt Werbung in eigener Sache. 'Schön wäre es natürlich, wenn es einfach wieder mehr Kinder gäbe', sagt Timm.
Einer Studie des Familienunternehmerverbandes ASU zufolge, bot im Oktober über die Hälfte der mittelständischen Familienbetriebe in Deutschland offene Stellen an. Fast drei Viertel dieser Arbeitsplätze hätten jedoch nicht adäquat besetzt werden können. Der Fachkräftemangel ist keine Zukunftsvision mehr, sondern längst Realität. Diese Erkenntnis musste auch Volker Redder, Geschäftsführer des Bremer IT-Unternehmens i2dm machen. 'Wir haben zwei Großprojekte im Einklang mit unseren Kunden verschieben müssen, da unsere Entwickler-Teams komplett ausgelastet sind und neue, entsprechend hoch qualifizierte Leute einfach schwer oder gar nicht zu bekommen sind', sagt Redder.
Bei der Suche nach geeignetem Personal baut er mittlerweile auf die Hilfe eines Headhunters. Der koste zwar eine Menge Geld, andere erfolgversprechende Möglichkeiten gebe es jedoch derzeit nicht. Deutsche Informatiker seien quasi unauffindbar. Das Team von i2dm werde deshalb immer internationaler. Nächste Woche stünden
Bewerbungsgespräche mit einem chinesischen Kandidaten an. Eine Erleichterung der Zugangsbedingungen ausländischer Fachleute auf den deutschen Arbeitsmarkt hält Redder für überfällig. Ein kleiner Trost bleibt dem Unternehmer: Seine Geschäftspartner übten viel Nachsicht, was die ein oder andere Verzögerung angehe. 'Die haben ja alle selbst Personalsorgen.'


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