Hintergrund der Forderung des Senators ist das übergeordnete wirtschaftspolitische Ziel, Bremen zu einer "wachsenden Stadt" zu machen. "Wachsen kann Bremen nur über mehr Arbeitsplätze", sagte er. Der Standort habe viel zu bieten. Es gelte jetzt, deutlich zu machen, welche Chancen es hier für gute Jobs gebe. Dazu müssten aber alle in der Stadt beitragen: durch mehr Selbstbewusstsein, durch mehr Initiativen, für Bremen zu werben. "Das Projekt Wachsende Stadt wird nur dann erfolgreich sein, wenn wir jeden Menschen, jedes Unternehmen, das sich für Bremen interessiert, mit einer Begeisterung und einer Herzlichkeit willkommen heißen, dass es ihm schwerfällt, hier wieder wegzugehen."
Das will der Senator mit mehr institutionenübergreifenden Ansätzen erreichen. Günthner will etwa eine Initiative für Fachkräfte gründen. Politik, Agentur für Arbeit, Handelskammer und Unternehmen sollen dabei gemeinsam die verfügbaren Instrumente für Aus- und Weiterbildung prüfen sowie die einzelnen Notwendigkeiten in den jeweiligen Branchen analysieren und daraus Lösungsansätze entwickeln.
Handelskammer begrüßt Vorstoß
Der Vorschlag stößt bei der Handelskammer Bremen auf offene Ohren. "Wir sind ausdrücklich für ein Bündnis für Fachkräfte", sagt der Hauptgeschäftsführer der Kammer, Matthias Fonger. "Das ist ein wichtiger Baustein, um Bremen als Lebens-, Arbeits- und Studienstandort attraktiver zu machen." Fonger ist erfreut darüber, dass der Bremer Senat in Gestalt des Wirtschaftssenators die Notwendigkeit erkannt hat, das Thema Aus- und Weiterbildung sowie ein besseres Marketing um qualifizierte Arbeitskräfte übergreifend anzugehen.
Genauso wichtig findet Fonger aber auch die Forderung Günthners, die Stärken Bremens offensiver nach außen zu vertreten. "Da muss eindeutig ein besseres Standortmarketing betrieben werden", fordert er. "Wir dürfen uns nicht weiter nur auf Tourismuswerbung konzentrieren." Das sei eine gemeinsame Aufgabe aller Institutionen in Bremen.
Günthner schwebt allerdings weniger eine teure Marketingkampagne vor, sondern mehr das Prinzip Mundpropaganda. "Wenn wir es schaffen, diese Willkommenskultur zu etablieren", sagt er, "dann gewinnen wir auch Freunde. Die wiederum ihren Freunden erzählen, welch toller Standort Bremen ist." Auch Annette Düring, Regionalvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Bremen Elbe-Weser, fordert mehr Standort-Selbstbewusstsein. "In Bremen wird zu viel schwarzgemalt", sagt sie. "Das schreckt ab und vertreibt am Ende auch noch die, die bereits hier sind. Wir müssen mehr Positives verbreiten." Bremen müsse stärker betonen, dass es was zu bieten habe.
Düring fordert die wesentlichen Institutionen Bremens auf, der Aufforderung Günthners zu folgen. Schließlich sei ein attraktiver Standort das beste Mittel, um attraktive Arbeitsplätze zu schaffen. "Dabei werden wir Gewerkschaften tatkräftig mithelfen", sagt sie. "Denn schon heute entscheiden sich junge Fachkräfte immer mehr für Jobs in Städten, in denen sie ein gutes Lebensumfeld und beste Arbeitsbedingungen vorfinden. Geld allein überzeugt nur noch die wenigsten."
Handelskammer-Syndikus Fonger fordert allerdings auch, dass diese neue Willkommenskultur keine Phrase bleiben darf. "Sie muss im Alltag auch gelebt werden", sagt er. "Das heißt, die Bedingungen müssen dann auch stimmen, wenn jemand hier arbeiten oder ein Unternehmen ansiedeln will." Und mit Fakten meint Fonger Genehmigungsverfahren, Anmeldevorgänge und die tägliche Bürokratie. "Wenn man sich die Zustände im Stadtamt und in der Baubehörde betrachtet, dann ist auf dem Weg zur besseren Willkommenskultur noch jede Menge zu tun", sagt Fonger.
Cornelius Neumann-Redlin, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände im Lande Bremen, wünscht sich zudem mehr Engagement für ausländische Arbeitnehmer "Da schlummern große Potenziale", sagt er. "Vor allem im Jahr des 50. Jubiläums des Anwerbeabkommens."



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