Neue Statistik zur Zahlungsunfähigkeit

 - 02.12.2011

Beluga-Insolvenz zieht Bremen nach unten

Von Angela Neumann
Bremen. In diesem Jahr haben weniger deutsche Unternehmen Insolvenz angemeldet als im vergangenen Jahr. Das meldet das Wirtschaftsauskunftunternehmen Creditreform. Seit der Wirtschaftskrise 2009 kommen deutsche Firmen besser über die Runden. Auch Privatpersonen melden sich seltener zahlungsunfähig. In Bremen ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen jedoch gestiegen.
Die ehemalige Beluga-Zentrale auf dem Teerhof.
Die ehemalige Beluga-Zentrale auf dem Teerhof.

250 Unternehmen haben 2011 in Bremen Insolvenz angemeldet. Damit sind es zehn mehr als im Jahr zuvor, fast so viele wie in der Wirtschaftskrise 2009. Das berichtet das Wirtschaftsauskunftunternehmen Creditreform. Der Trend sei zwar negativ, er sei aber vor allem auf ein Unternehmen zurückzuführen: die Reederei Beluga. "Jedes Schiff war bei Beluga als einzelne GmbH eingetragen", erklärt Verena Dahlke, Geschäftsführerin von Creditreform Bremen. Dadurch seien die absoluten Zahlen nach oben gegangen. Ohne Beluga seien die Insolvenzen aber auch in Bremen rückläufig.

Deutschlandweit rechnet Creditreform für das gesamte Jahr mit 30200 Firmeninsolvenzen - rund 2000 weniger als im vorigen Jahr. Wirtschaftsforscher des Unternehmens lagen so mit ihrer 2010 aufgestellten Prognose genau richtig. "Wir sind von 29000 bis 31000 Unternehmensinsolvenzen ausgegangen", sagt Hardy Gude, Volkswirtschaftler bei Creditreform.

Der Rückgang der Zahlen ist auf die günstige Konjunktur und den stabilen Arbeitsmarkt zurückzuführen. 2011 waren mehr Arbeitsplätze verfügbar, und auch das Bruttoinlandsprodukt ist gewachsen. "Deutschland ist eine Oase der Glückseligkeit, auf die viele Nachbarländer neidisch sind", sagt Gude. Während der Wirtschaftskrise habe die deutsche Politik einen Absturz verhindern können. Wenn Banken strauchelnden Unternehmen nicht mehr helfen konnten, sei der Staat eingesprungen. Außerdem habe sich Deutschland auf seine Stärke als Exportnation verlassen können. Kurzzeitig seien zwar die Bestellungen aus dem Ausland zurückgegangen, doch langfristig überzeuge einfach die Qualität deutscher Produkte.

Momentan profitieren Unternehmen noch von der stabilen Wirtschaftslage. In naher Zukunft könnte sich die Situation verschlechtern, durch ein geringeres Wirtschaftswachstum und Engpässe bei der Kreditvergabe. Für 2012 rechnet Creditreform daher mit einem leichten Anstieg der Insolvenzzahlen auf bis zu 32000. "Das ist aber nicht dramatisch. Der Anstieg ist relativ moderat", sagt Gude.

Auch für Bremen macht sich Verena Dahlke wenig Sorgen. Viele der Unternehmen hier seien besser gewappnet als vor der Krise 2009. Sie hätten mehr Rücklagen gebildet, "und der hanseatische Kaufmann ist ohnehin vorsichtiger als andere", sagt Dahlke.

Während die Firmeninsolvenzen in Bremen zugenommen haben, ist die Zahl der Privatinsolvenzen gefallen. 2040 Bremerinnen und Bremer beantragten im Jahr 2010 eine Befreiung von ihren Restschulden. In diesem Jahr waren es nur 1970. "Viele der ehemaligen Schuldner sind durch neue Jobs wieder in der Lage, ihre Schulden abzubauen", sagt Dahlke.

Auch weniger Privatinsolvenzen

Die Zahlen für Deutschland zeigen einen ähnlichen Trend. Sie sind spürbar gesunken. In den vergangenen zwölf Monaten mussten sich 103000 Frauen und Männer zahlungsunfähig melden, 7000 weniger als im Vorjahr. Der positive Verlauf hat einen Haken: 2010 hatte die Zahl der Privatinsolvenzen ihren höchsten Stand seit Einführung der Insolvenzordnung 1999 erreicht. Der Rückgang der Überschuldungen stellt nur eine geringe Verbesserung dar.

Deutschlandweit und in Bremen steigen die Insolvenzmeldungen bei Bürgern über 50 Jahren. "Das betrifft vor allem Männer", erklärt Dahlke. Als Haushaltsvorstände mit vollem Einkommen haben sie in der Regel mehr Verbindlichkeiten als andere Familienmitglieder, müssen Hypotheken und Darlehen abbezahlen. Hinzu kommen häufig Krankheiten und daher bedingte Arbeitsausfälle, die den Schuldenberg ansteigen lassen.

Neben Insolvenzen ermittelt Creditreform jährlich die Anzahl der Firmenneugründungen. In Bremen wurden in diesem Jahr 610 Unternehmen gegründet, 250 weniger als im Vorjahr. Der Abwärtstrend könne aber durchaus als positiv aufgefasst werden. "Viele Existenzgründer verschieben ihre Selbstständigkeit wegen guter Jobperspektiven", sagt Dahlke. In Krisenzeiten komme es eher zu Firmengründungen, weil Alternativen fehlten. Dennoch entstanden 2011 dank neuer Firmen rund 500000 Arbeitsplätze in Deutschland.






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