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Im November vergangenen Jahres hatte Germania nach monatelangen Verhandlungen mit dem Bremer Flughafen endgültig zugesagt, künftig drei Airbus-Flugzeuge in Bremen zu stationieren und 75 neue Arbeitsplätze schaffen zu wollen. Zuvor hatte Germania den lukrativen Airbus-Werksverkehr zwischen Hamburg und Toulouse gewonnen. Zusätzlich sollten ab Sommer Urlaubsflieger mit dem markanten hellgrünen Logo am Leitwerk vom Neuenlander Feld abheben - insgesamt 25 Mal pro Woche zu 15 Zielen, darunter nach Málaga, Split, Korfu oder Burgas.
So steht es auch in den bereits herausgegebenen Flugplänen. Daran werde auch festgehalten, heißt es offiziell. Mindestens aber der "kurzfristige Ausbau des Engagements am Standort Bremen ist vorerst auf Eis gelegt", bestätigte ein Germania-Sprecher gestern dieser Zeitung. In Bremen wird weitaus Schlimmeres befürchtet.
Denn wichtiger Bestandteil der Verhandlungen war offenbar die Zusicherung des Flughafens, über ein neues Portal vor allem touristische Angebote zu schnüren und damit zusätzliche Passagiere anzulocken. Die Gründung einer Vertriebsfirma namens "flybremen", eines Gemeinschaftswerks des Flughafens mit dem Hapag-Lloyd-Reisebüro aus Emden, war aber Anfang Dezember unmittelbar vor einer Senatsbesprechung gestoppt worden. Es gebe noch Diskussions- und Beratungsbedarf, hieß es nach einer Sitzung der Landesregierung. Ganz offensichtlich fühlen sich erste Kunden des Flughafens verprellt und ziehen ihre Konsequenzen.
Darauf verweist Flughafenchef Jürgen Bula in einem mahnenden Brief, den er jüngst an den gesamten Aufsichtsrat der städtischen Flughafen GmbH geschickt hat. "In den vergangenen Tagen und Wochen hat der Druck auf unseren Flughafen im touristischen Segment erheblich und in einer drastisch verschärften Dimension zugenommen", schreibt Bula. Während Germania noch wackelt, sei der Ausstieg von
Ischia Tourist bereits beschlossen, deren Flüge mit OLT Express nach Neapel wurden abgesagt. Auch andere Airline- und Touristikkunden hätten sich "hochkritisch" geäußert. Hauptargument: der fehlende neue Vertriebskanal.
Sehr schwieriges Jahr
Noch vergleichsweise gut hatte der Bremer Airport das vergangene Jahr überstanden. Die Zahl der Passagiere ging gegenüber dem Rekord-Vorjahr 2010 nur leicht um vier Prozent von gut 2,6 auf etwa 2,5 Millionen zurück. Zudem konnten mit Germania und der Turkish Airlines neue Kunden und Flugziele präsentiert werden. Die neuen Hiobsbotschaften tauchen nun zu Beginn eines Jahres auf, das für die europäische Luftfahrt und auch für den Bremer Flughafen sehr schwierig werden dürfte. Denn Experten sagen vor allem Europas Fluggesellschaften harte Zeiten voraus. Nach Schätzungen müssen sie sich auf Verluste in Höhe von knapp einer halben Milliarde Euro einstellen - gegenüber einem Plus von 700 Millionen Euro 2011. Zur Begründung wird unter anderem auf die schwache Konjunktur, die europäische Staatsschuldenkrise und steigende Treibstoffpreise verwiesen. In Deutschland kommen die CO2-Emissionsabgabe und die Luftverkehrssteuer als weitere Kostenfaktoren hinzu.
In seinem Brief verweist Bula deshalb darauf, dass gerade "alle wesentlichen Fluggesellschaften und Reiseveranstalter erneut weitere Kostensenkungsprogramme und Kapazitätsanpassungen scharf geschaltet haben". So stehe jetzt auch fest, dass Lufthansa auch von Bremen aus mit ihrer Low-Cost-Tochter Germanwings operieren werde, zunächst auf der Strecke nach Stuttgart. Air Berlin, Ryanair und andere Airlines würden zahlreiche Flugzeuge vorübergehend stilllegen - mangels Nachfrage und Wirtschaftlichkeit. Bulas Schlussfolgerung: "Für den Flughafen Bremen bedeutet dies, unbedingt die Präsenz im Vertrieb und Absatz absichern zu müssen."
Die Konkurrenz-Flughäfen in Hannover, Hamburg oder auch Osnabrück-Münster hätten längst eigene Vertriebsgesellschaften, mit denen sie auch in Bremen sehr aktiv seien. Dieser "eklatante Wettbewerbsnachteil" müsse egalisiert werden, um verlorene Marktanteile zurückerobern und mehr Touristen nach Bremen holen zu können, lautet Bulas Appell an den Aufsichtsrat unter Vorsitz von Wirtschaftssenator Martin Günthner. Dem Vernehmen nach gibt es noch nicht einmal sachliche Einwände gegen "flybremen", sondern vor allem im Finanzressort rein formale Bedenken gegen die Gründung einer weiteren Gesellschaft mit städtischer Beteiligung.


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