„Für mich ist das eine berufliche Perspektive. Ich bin mein eigener Chef“, sagt Annika Bartels, die sich aufgrund des Aktionsprogramms Kindertagespflege zur Selbstständigkeit entschlossen hat. Bremen nimmt als Modellstandort am Aktionsprogramm des Bundesfamilienministeriums teil; die Mittel in Höhe von 60<ET>000 Euro kommen aus dem europäischen Sozialfonds. Bremen legt 40<ET>000 Euro obendrauf. Die Investitionskosten für die Einrichtung sogenannter externer Betreuungsräume werden bezuschusst. So will das Sozialressort von Ingelore Rosenkötter (SPD) dem Ziel näherkommen, bis 2013 die vom Bund vorgesehene Betreuungsquote unter Dreijähriger zu erfüllen. Zudem erhalten Frauen wieder Arbeit.
800 Kinder werden derzeit in Tagespflege betreut. 350 zusätzliche Plätze sollen in den kommenden zwei Jahren entstehen. 450 Tagespflegekräfte, fast ausschließlich Frauen, gibt es laut Rosenkötter in Bremen.
Als Anfang 2009 die neue Steuerregelung in Kraft trat, die Tagesmütter als Selbstständige einstuft und die Versteuerung ihrer Einnahmen verlangt, gaben einige Tagesmütter ihre Arbeit auf. Auch Annika Bartels. Doch nach einer Veranstaltung, die über Besteuerung, Zuschüsse für Selbstständigkeiten und andere Aspekte der Tagespflege informierte, entschied sich die gelernte Erzieherin zur Selbstständigkeit in externen Räumen. Und damit auch „für mehr Professionalität“, wie Monika Krumbholz, Geschäftsführerin der gemeinnützigen PiB gGmbH (Pflegekinder in Bremen) betont. Mit der neuen Regelung sei Tagesmutter ein richtiger Beruf geworden.
180 Stunden dauert der Kurs vom PIB, der sich vor allem an pflegerisch und erzieherisch vorgebildete Menschen wendet, die sich neu orientieren wollen, arbeitssuchend gemeldet sind und einen Anspruch auf einen Bildungsgutschein haben. Am Donnerstag, 5. November, wird um 9 Uhr über den nächsten Kurs im Berufsinformationszentrum, Doventorsteinweg 44, informiert.
Gitta Walter hat die Fortbildung kürzlich begonnen und weiß jetzt schon: „Wenn alles klappt, will ich mich im Januar mit einer Kollegin selbstständig machen.“ Geeignete Räume in der Neustadt hat sie bereits im Auge. „Anfragen gibt es genug“, erzählt sie. Der Betreuungsbedarf für Kinder unter drei Jahren sei groß.
Platz für zehn Kinder hat Annika Bartels in ihren neuen Räumen an der Bremerhavener Straße (Walle) im Mehrgenerationenhaus ihrer Familie. Fünf Kinder kann sie allein gleichzeitig betreuen. Sollten es mehr werden, könnte sie eine zweite Tagesmutter mit hineinnehmen. Eltern können sich auch Plätze teilen, was in den klassischen Kindertagesstätten bislang laut Ingelore Rosenkötter nicht möglich ist.
Derzeit gibt es sieben solcher Großtagespflegestellen in externen Räumen. „Sie sind eine echte Neuheit“, sagt Monika Krumbholz. „Ein kleiner wirtschaftlicher Betrieb“, freut sich Hans-Uwe Stern, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit, über die Gründungen. Die klassischen Tagesmütter, die bei sich zu Hause oder im Haus der betreuten Kinder tätig sind, gibt es weiterhin. Krumbholz: „Sie sollen nicht abgewertet werden.“ Arbeitsmarktpolitisch sind die Pflegestellen für Stern gleich zweifach sinnvoll. „Sie geben den Tagesmüttern eine berufliche Perspektive und ermöglichen Frauen mit Kindern den Wiedereinstieg in ihre Jobs, weil sie ihren Nachwuchs gut betreuen lassen können.“
Weitere Informationen zur Kindertagespflege und zu den Einrichtungen gibt es bei PIB, Bahnhofstraße 21, Telefon 0421/958820-28 (oder -0) sowie im Internet unter www.pib-bremen.de.


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