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Mit großen Hoffnungen war Astrium, die Raumfahrttochter des europäischen EADS-Konzerns, in die neue Ausschreibung für die Galileo-Satelliten gegangen. Das Angebot, so berichten Branchenkenner, soll absolut wettbewerbsfähig gewesen sein. Doch es endete wie schon vor zwei Jahren bei der ersten Galileo-Ausschreibung und später bei den neuen Meteosat-Wettersatelliten: Bereits zum dritten Mal in Folge hatte der deutlich kleinere Bremer Konkurrent OHB bei einem lukrativen Großprojekt am Ende die Nase vorn. EU-Industriekommissar Antonio Tajani, der am Donnerstag in London die Entscheidung bekannt gab, lobte zwar salomonisch Europas „höchst wettbewerbsfähige Raumfahrtindustrie“. Astrium wird das kaum trösten.
Dabei hatte der Raumfahrtgigant, mit 18.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von fünf Milliarden Euro ungefähr zehn Mal größer als OHB, nach den beiden schmerzlichen Niederlagen hart umgesteuert. Mit dem von der Konzernspitze verordneten Effizienzprogramm namens „Agile“ sollte Astrium technologisch besser und vor allem preisgünstiger werden. Die beiden Rivalen hätten am Ende nahezu gleichauf gelegen, hieß es am Donnerstag.
Technisch hatten alle Experten die Bremer Raumfahrtschmiede ohnehin im Vorteil gesehen. Denn das teure Entwicklungsprogramm und die Investitionen in die Fertigungskapazitäten, ausgelöst durch die erste EU-Bestellung von 14 Galileo-Satelliten vor ziemlich genau zwei Jahren, sind abgeschlossen, alle vorläufigen Tests beendet, die Serienproduktion ist gerade angelaufen. All das hätte Astrium erst auf den Weg bringen müssen.
Entscheidung über den Preis
Unklar war aber bis zum Schluss, ob bei vergleichbaren Offerten nicht ein anderes Argument den Ausschlag geben würde: die bewusste Auswahl eines zweiten Anbieters. Bei der EU war immer betont worden, dass bei Galileo grundsätzlich zwei Anbieter („dual source“-Prinzip) zum Zuge kommen sollten, um eine Monopolstellung auf der Lieferantenseite zu vermeiden. Gleichzeitig hatte gerade Tajani angesichts des Kostenanstiegs beim Galileo-Programm von ursprünglich 3,5 auf mittlerweile 5,3 Milliarden Euro betont, dass am Ende aber der Preis entscheiden werde.
Offenbar hatte OHB das Angebot der Astrium-Satellitensparte aus Friedrichshafen erneut unterbieten können und auch noch so kalkuliert, dass das auf 500 Millionen Euro begrenzte EU-Budget reicht, um nicht nur sechs, sondern gleich acht weitere Satelliten zu bauen. Auch die Irritationen, die der ehemalige OHB-Geschäftsführer Berry Smutny Anfang 2011 mit angeblich abfälligen Bemerkungen über das Galileo-Projekt ausgelöst hatte, sind längst vergessen. Die Eignerfamilie Fuchs hatte sich seinerzeit schnell von Smutny getrennt. „Mit dem, was wir bisher geleistet haben, war man bei der EU offenbar sehr zufrieden“, sagte Vorstandschef Fuchs.
Nach den 14 Satelliten aus der ersten Tranche, die ab Ende dieses Jahres alle sechs Wochen das Bremer Werk verlassen werden und bis Ende 2014 ins All fliegen sollen, werden also weitere acht Satelliten in Bremen montiert. Die 100 Arbeitsplätze, die für das Galileo-Projekt geschaffen worden waren, sind mindestens ein weiteres Jahr gesichert. „Das ist für uns ein schöner und wichtiger Erfolg“, sagte OHB-Vorstandschef Marco Fuchs nach der gestrigen Vertragsunterzeichnung in London.
In wenigen Jahre ist das Bremer Familienunternehmen damit in die oberste Liga der Raumfahrtanbieter aufgestiegen. Das Auftragsbuch ist mit der neuen Galileo-Bestellung auf rund 1,3 Milliarden Euro angewachsen, die Meteosat-Satelliten sind dabei noch nicht einmal eingerechnet. Für 2011 hatte OHB einen Umsatz von 600 Millionen Euro angepeilt, bei einem operativen Ergebnis von etwa 40 Millionen. Vor zwei Jahren hatte das Unternehmen noch 200 Millionen Euro erwirtschaftet.
Astrium muss sich somit begnügen, lediglich die ersten vier Galileo-Satelliten gebaut zu haben. Als Trost nach der gestrigen Niederlage bleibt nur eine indirekte Beteiligung an dem neuen Auftrag über die britische Unternehmenstochter Surrey Satellite Technology (SST), die die Navigationsnutzlast liefert. EADS-Astrium profitiert zudem von dem 30-Millionen-Auftrag der EU für drei Starts der Rakete Ariane<ET>5. Sie soll so umgebaut werden, dass sie vier Galileo-Satelliten gleichzeitig transportieren kann. Die ersten zehn Exemplare heben dagegen mit der russischen Sojus-Rakete ab. Ende 2014 soll Galileo einsatzbereit sein und dem US-System GPS Konkurrenz machen.


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