Konjunkturreport der Handelskammer

 - 11.02.2012

Bremer Wirtschaft trotzt der Eurokrise

Von Sebastian Manz
Bremen. Die Stimmung in der Bremer Wirtschaft ist weiterhin gut. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle Konjunkturreport der Handelskammer. Der Geschäftsklimaindex stieg gegenüber Herbst 2011 wieder an und liegt jetzt sogar deutlich über seinem langjährigen Durchschnittswert. Im laufenden Jahr erwarten die Unternehmer ein moderates Wachstum der bremischen Wirtschaftsleistung.
Mittelstand
Konjunkturexperten verzeichnen eine Stimmungsverbesserung in der exportorientierten Industrie. Foto: Maurizio Gambarini

Bremens Unternehmer gehen optimistisch ins neue Jahr. Das ist die zentrale Erkenntnis des aktuellen Konjunkturreports der Handelskammer. "Wir waren durchaus positiv überrascht, dass der Index wieder angestiegen ist", sagt Matthias Fonger, Hauptgeschäftsführer der Kammer. Euro-Schuldenkrise und die zuletzt abflauende Weltkonjunktur hätten durchaus eine negativere Stimmung erwarten lassen. "Mein Eindruck ist, dass die Wirtschaft gelernt hat, mit der Eurokrise umzugehen", sagt Fonger. Es herrsche Vertrauen in die Stärke der deutschen Ökonomie, vor allem in den Außenhandel.

211 Unternehmen aus Verarbeitendem Gewerbe, Handel und Dienstleistungen hatte die Kammer zum Jahresbeginn um ihre Einschätzung der Lage gebeten. Besonders in der Dienstleistungsbranche ist die Stimmung prächtig. "Hier schlägt zum einen die robuste Industriekonjunktur durch", erklärt Fonger. Industriebetriebe fragten Dienstleistungen wieder verstärkt nach. Aber auch die gestiegene Konsumlaune der Endverbraucher trage ihren Teil zum Erfolg der Branche bei. Die Kammer geht davon aus, dass im Dienstleistungsbereich auch in diesem Jahr neue Arbeitsplätze entstehen.

In der Hafen- und Logistikbranche fällt das Stimmungsbild uneinheitlicher aus. Während Speditionen und Hafenumschlag-Unternehmen zufrieden mit der aktuellen Lage sind, stellt sich die Situation in der Seeschifffahrt schwieriger dar. "Die Branche leidet derzeit unter einem enormen Preiskampf", erläutert Fonger.

Von der Krise an den Finanzmärkten profitiert die Grundstücks- und Wohnungswirtschaft. In Zeiten unsicherer Finanzprodukte setzen immer mehr Anleger auf Immobilien als sichere Anlageform.

Für das laufende Jahr rechnet das Gros der Bremer Unternehmer mit weiterem Wachstum. Entwicklungsschübe wie 2011 erwartet jedoch kaum jemand. "Es zeichnet sich ein moderater Zuwachs der bremischen Wirtschaftsleistung ab", sagt Fonger. Die weitere Entwicklung auf den europäischen Finanzmärkten und die Frage der Energie- und Rohstoffversorgung seien entscheidende Faktoren dafür, wie sich die Konjunktur entwickeln werde.

"Die bremische Wirtschaft ist in hohem Maße von der Weltwirtschaft abhängig", betont auch der Bremer Ökonom Hans Heinrich Bass. Gegenwärtig verlören die weltweite Industrieproduktion und der Welthandel an Dynamik. Neben der Schuldenkrise beobachteten Investoren auch die Entwicklung in wichtigen Schwellenländern zunehmend skeptisch. Etwa, ob es der chinesischen Wirtschaftspolitik gelingt, die Inflation zu bekämpfen, ohne gleichzeitig das Wachstum zu stark zu dämpfen.

Trotz dieser Unsicherheitsfaktoren beurteilt auch Bass das laufende Jahr zuversichtlich. "Da die bremische Wirtschaft ein starkes Standbein im außereuropäischen Geschäft hat, gibt es für bremische Unternehmen keinen Grund zu übertriebenem Pessimismus aufgrund der weltwirtschaftlichen Entwicklung", sagt der Professor. Die Schwellenländer blieben eine wichtige Wirtschaftslokomotive mit starkem Wachstum. Hinzu komme, dass der Euro gegenüber anderen wichtigen Währungen schwächele und damit unter anderem deutsche Exporte günstiger würden.

"Für Deutschland insgesamt gilt: Die meisten Institute und auch die Bundesbank erwarten zwar eine leichte Delle der wirtschaftlichen Entwicklung im ersten Halbjahr 2012, aber auch eine leichte Erholung im zweiten Halbjahr", sagt Bass.

Durch die Agenda 2010 sei eine gewisse Entkoppelung der Arbeitsmarktentwicklung von Abwärtsbewegungen bei der Wirtschaftsleistung gelungen. Das werde nun gegenwärtig erfreulicherweise auch zu einer Stabilisierung der privaten Nachfrage führen. "Einzelhandel, Gastgewerbe und Hotels sind daher auch in Bremen in dieser Hinsicht zu Recht eher optimistisch", betont der Ökonom. Auch die eher moderaten Teuerungsraten unterstützten diese Entwicklung.

All das dürfe aber nicht über die bestehenden Risiken hinwegtäuschen - gerade auch in der Hansestadt. "Wenn die öffentlichen Ausgaben in Bremen immer weiter zurückgefahren werden, wird ein ganz wichtiger Impulsgeber ausfallen", sagt Bass. Eine Tatsache, über die unter anderem die örtliche Baubranche klagt.

Doch nicht nur an die Adresse der Politik sondern auch in Richtung der Unternehmer schickt Bass mahnende Worte: "Wer in der privaten Wirtschaft die derzeit recht günstigen Konjunkturaussichten nicht für langfristige Investitionen in Personalentwicklung und für Innovationen nutzt, wird seine Startposition für den nächsten Abschwung nachhaltig schwächen."






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