Bremer Häfen

 - 27.10.2009

400 Jobs im Hafen sind in Gefahr

Von Annemarie Struß-von Poellnitz
Bremen. Trotz erster Anzeichen für eine Erholung ist die Situation bei den Umschlagsbetrieben noch sehr angespannt. Die in Boomjahren geschaffenen Kapazitäten können nicht ausgelastet werden. Auch die Flexibilisierung durch den Einsatz von Arbeitskräften des Gesamthafenbetriebsvereins (GHB) gerät an Grenzen. So hat die BLG aktuell einen Beschäftigungsüberhang von 50 Stellen, bei Eurogate sind es rechnerisch sogar 350 Beschäftigte zu viel.
Der BLG-Autoterminal Bremerhaven.
Der BLG-Autoterminal Bremerhaven.

Das bestätigt auch Eurogate-Chef Emanuel Schiffer. Es geht um 300 gewerbliche Stellen und 50 in der Verwaltung. „Ob es uns gelingt, das ohne betriebsbedingte Kündigungen aufzufangen, kann ich derzeit wirklich nicht sagen“, erklärt Schiffer, der gerade von einer Reise nach Asien und Dubai zurückgekommen ist. „Wir haben dreizehn Reedereien besucht, die zu den größten der Welt gehören. Die Sichtweise ist jeweils unterschiedlich, aber keiner von ihnen sagt: 2010 wird ein gutes Jahr.“ Selbst bei optimistischen Prognosen werde es mehrere Jahre dauern, bis der Umsatzeinbruch von 20 Prozent im Containerumschlag wieder aufgeholt werden könne.

Am Montag haben bei Eurogate offizielle Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft ver.di begonnen. Es gehe darum, „alles zu prüfen, was betriebsintern möglich ist, um betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden“, sagt Schiffer. Eurogate-Arbeitsdirektor Andreas Bergemann geht davon aus, dass man schnell zu einer einvernehmlichen Lösung kommen wird, vielleicht schon diese Woche: „ver.di und dem Betriebsrat ist die Dramatik der Lage bewusst, und unser Interesse ist es, die Arbeitskräfte zu halten, die wir nach der Krise wieder brauchen.“ Harald Bethge, Fachbereichsleiter Häfen bei ver.di, sieht „gute Chancen, ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen.“ Es gehe darum, die Kurzarbeit für den maximal möglichen Zeitraum zu sichern sowie auch die Schichtpläne zu verändern, was auch die Einbuße von Zulagen bedeute. „Alle müssen etwas hergeben“, sagt Bethge. Allerdings dürfe auch in der Krise „den Arbeitnehmern nicht alles zugemutet werden“.

Für alle Hafenbetriebe wird es voraussichtlich im November Verhandlungen um einen sogenannten Krisenbewältigungstarifvertrag geben, sagt Detthold Aden, Präsident des Zentralverbandes der Deutschen Seehafenbetriebe (ZDS). Verhandelt werden soll über Öffnungsklauseln für die gegenwärtigen Tarifverträge.

Derweil arbeitet die BLG, deren Chef Aden ist, schon intensiv an ihren Kostenstrukturen. Bei der BLG besteht aktuell ein Überhang von 50 Arbeitsplätzen. Arbeitsdirektor Hartmut Mekelburg ist aber zuversichtlich, dass dieser Überhang ohne Entlassungen aufgefangen werden kann, durch Qualifizierungsmaßnahmen der Arbeitsagentur und interne Umsetzungen.

Dennoch werde nach der Krise nicht einfach alles so weitergehen, sagt BLG-Chef Detthold Aden. „Beim Containerumschlag werden wir drei bis vier Jahre brauchen, um die Umschlagszahlen von 2008 wieder zu erreichen. Beim Automobilumschlag weiß ich nicht, ob wir jemals zu den Zahlen von 2008 zurückkehren werden.“ Allein Kosten zu sparen, wäre aber die falsche Strategie. Man wolle mit einer breit angelegten Offensive auf die Krise reagieren. „Wir verhalten uns antizyklisch und investieren jetzt, vor allem in Ost- und Südosteuropa“, so Aden – in das Autoterminal St. Petersburg, eine 50-Prozent-Beteiligung am größten Automobillogistiker der Ukraine und in weitere Waggons für den Autotransport per Schiene. „Wenn das Autogeschäft wieder anläuft, dann in Südosteuropa“, so Aden.

Mit einer Doppelstrategie aus internen Einsparungen und einer Marktoffensive will er die BLG wieder deutlich in die Gewinnzone bringen. Schwarze Zahlen werde die BLG auch 2009 schreiben, „aber für die Folgejahre peilen wir wieder eine Größenordnung von 30 bis 40 Millionen Euro an.“

Dazu sollen die Kosten 2010 um 30 Millionen Euro gesenkt werden. „Wir müssen kostengünstiger werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt Aden. Die BLG will ihre starke Abhängigkeit vom Großkunden Mercedes überwinden und beteiligt sich an Ausschreibungen für die Automobilteilelogistik – bei der Autoteile bis ans Band geliefert werden – für BMW und Volkswagen. Um Kosten zu sparen, wurden die internen Entscheidungsstrukturen zentralisiert. Kapazitäten, die dadurch frei werden, sollen für die Gewinnung neuer Aufträge und neuer Märkte genutzt werden.

Einer dieser neuen Märkte soll die Offshore-Windenergie werden. Die BLG bewirbt sich bekanntlich um den Betrieb einer noch zu bauenden Umschlagsanlage auf der Luneplate in Bremerhaven, für die Aden lieber den Begriff „Werft“ statt „Hafen“ gebraucht. Dort könnten nicht nur Windkraftanlagen verschifft, sondern auch als Module zusammengebaut werden, erläutert Aden. Das könne auch in Kooperation mit anderen geschehen. Die Abhängigkeit von der Automobilindustrie soll auch durch den Ausbau der Kontraktlogistik gemildert werden. Diese Sparte der BLG, zu der die Lagerhaltung für Ikea und Tchibo gehört, entwickelt sich laut Aden derzeit besonders positiv.





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