Gewerkschaftsbund Bremen richtet Beratungsstelle ein

 - 14.11.2009

Immer mehr Ein-Euro-Jobs in Bremen

Von Miriam Keilbach
Bremen. Immer mehr Menschen gehen in Bremen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungen nach. Diese positive Entwicklung sei aber hauptsächlich auf den Anstieg von Ein-Euro-Jobs, Leih- und Teilzeitarbeit, also sogenannter prekärer Arbeit, zurückzuführen. Um die Rechte dieser Beschäftigten zu stärken, eröffnet der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Bremen ein Informationsbüro.
Eingangstür zum Arbeitsamt
Eingangstür zum Arbeitsamt.

Bremen ist eine Hochburg in Sachen Leiharbeit. Das geht aus einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung hervor. 10442 Bremer sind demnach Leiharbeiter, das entspricht 3,7 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse. Hinzu kommen mehr als 70000 Mini-Jobs, 4300 Ein-Euro-Jobs und 55500 Teilzeitarbeitnehmer, was der Hansestadt eine Quote von 4,7 Prozent beschert, wenn es um Arbeitnehmer geht, die zusätzlich zum Verdienst staatliche Hilfe beantragen müssen.

Zu prekären Beschäftigungen zählen all jene Arbeitsverträge, die nicht auf Vollzeit ausgelegt sind. Auch auf kurze Zeit befristete Stellen und Praktika gehören dazu. 'In diesem Bereich werden häufig Arbeitnehmerrechte missbraucht, indem man Beschäftigten beispielsweise sagt, sie hätten als Mini-Jobber keinen Anspruch auf Urlaub', sagt die Bremer DGB-Vorsitzende Helga Ziegert. Dabei sind aufgrund schlechter Verdienste im eigentlichen Job zunehmend Menschen auf Mini-Jobs angewiesen. Außerdem werden immer häufiger Vollzeitstellen abgebaut und durch Mini-Job-Stellen ersetzt, da der Arbeitgeber so Kosten spart: Mini-Jobber sind nicht sozialversicherungspflichtig. Arbeitgeber sparen hierbei nicht nur auf Kosten der Arbeitnehmer, sondern auf Kosten der Allgemeinheit. Weil eine soziale Absicherung fehlt, muss der Staat einspringen, um das Abrutschen in Armut zu verhindern.

Informationsbüro eingerichtet

Der DGB reagiert nun auf den Zuwachs von atypischen Beschäftigungsverhältnissen und die schlechten Zustände: Im Januar wird ein Informationsbüro für prekär Beschäftigte in Bremen eingerichtet. Thorsten Zierdt von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss und Gaststätten: 'Wir haben solche Einrichtungen unter anderem in Oldenburg und Delmenhorst. Die Erfahrung zeigt, wie notwendig ein solches Büro ist.' Hier soll Beteiligten ihre rechtliche Lage vermittelt werden. 'Ein Beschäftigter kam zu mir, weil sein Betrieb sagte, er müsse sich selbst eine Vertretung suchen, wenn er krank werden würde. Auch die Frage nach Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall stellt sich dauernd - und das nicht nur bei kleinen Firmen', sagt Zierdt. 'Die Gesetze ändern sich oft und schnell, deshalb ist eine Beratungsstelle wichtig. Wir können Tipps und Hilfe geben und vielleicht einen Weg aufzeigen.'

Hajo Kuckero von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kennt die Problematik aus seinem Arbeitsbereich. 'Pädagogische Mitarbeiter werden privat angestellt, erhalten unterschiedliche Vergütungen und stehen in einem unmöglichen Abhängigkeitsverhältnis zu den Schulleitungen.' Kuckero wird oft mit Kündigungsdrohungen konfrontiert, die ausgesprochen werden, wenn Mitarbeiter Kritik äußern oder sich gegen unbezahlte Überstunden wehren.

Auch die Gefahr für psychische Erkrankungen durch die Verunsicherung, im nächsten Monat keine Arbeit mehr zu haben, sieht Kuckero. 'Die Arbeitsverhältnisse sind oft entwürdigend. Es wird von Arbeitgebern bewusst mit Angst gespielt, nur um einen zusätzlichen Gewinn zu erzielen.'

Rainer Kuhn von ver.di Bremen-Nordniedersachen spricht von einem weiteren Problem: 'Es erfordert viel Mut, berechtige Forderungen auszusprechen.' Ziegert antwortet hierauf: 'Oft gibt es individuell keinen Weg. Aus unserer Erfahrung wissen wir aber, dass es meistens nicht nur einen Angestellten betrifft: Wir können dann Versammlungen organisieren und dort Lösungen suchen, Interessen durchzusetzen.'

In einer Erstberatung sollen Hilfesuchende erfahren, welche Möglichkeiten sie haben und gegebenenfalls weitervermittelt werden. Eine Rechtsvertretung kann aber nur für Gewerkschaftsmitglieder erfolgen.






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