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Der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel hält die gestern vorgelegte Prognose des Sachverständigenrates, auch bekannt als die "fünf Weisen" für "völlig verfehlt". Der Sachverständigenrat sollte aufgelöst werden, fordert Hickel im Gespräch mit Günther Hörbst.
Der Sachverständigenrat geht für 2010 von einer Wachstumsprognose von 1,6 Prozent aus. Warum halten Sie das für verfehlt?
Rudolf Hickel: Im Durchschnitt des Jahres 2009 wird mit einem Absturz der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung von real Minus fünf Prozent gerechnet. Für das kommende Jahr 2010 wird bereits wieder eine positive Wachstumsrate von 1,6 Prozent erwartet. Ich möchte anlässlich dieser recht optimistischen Prognose daran erinnern, dass sich der Sachverständigenrat in seinem Jahresgutachten vom November 2008 mit seiner Prognose für dieses Jahr völlig blamiert hat.
Die "Wirtschaftsweisen" hatten für 2009 nur mit einer "leichten Delle" gerechnet.
Rudolf Hickel: Vorhergesagt wurde eine Stagnation, für die zweite Jahreshälfte in diesem Jahr wurde schon wieder mit einem leichten positiven Zuwachs der Quartalswerte gerechnet. Tatsächlich haben wir es mit einem Absturz zwischen Minus fünf und Minus sechs Prozent zu tun - eine massive Fehlprognose. Schon Mark Twain wusste: "Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen"
Wie kommt es zu solchen Fehlurteilen?
Rudolf Hickel: Das ist kein Zufall, dafür gibt es einen theoretischen Grund. In den Prognosemodellen des "Rats der fünf Weisen" werden die Krisenanfälligkeit von Finanzmärkten und die Folgen für die Produktionswirtschaft systematisch unterschätzt. Finanzmärkte werden als sich selbststabilisierend fehlinterpretiert. Dadurch werden völlig falsche Signale gesetzt.
Also weg mit dem Sachverständigenrat?
Rudolf Hickel: Dieses Forum gesetzlich verordneter Politikberatung, völlig jenseits des wissenschaftlichen Diskurses, gehört abgeschafft. Die Bundesregierung sollte nach dem Muster des durch den Präsidenten der USA eingesetzten "Council of Economic Advisers" einen ökonomischen Beirat ernennen. Der muss sich dann der wissenschaftlichen Diskussion stellen. Damit wird die Vorstellung eines hoheitlich verordneten, hervorgehobenen Rats aufgehoben und der wissenschaftliche Diskurs gestärkt.


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