Über Nacht hat der Bremer Transformatoren-Hersteller mdexx Magnetronic Devices GmbH in Bremen 198 Beschäftigten betriebsbedingt gekündigt. Zwar hatten noch am Dienstag Arbeitgeber und Arbeitnehmervertreter einem Vergleichsvorschlag des Arbeitsgerichts zugestimmt, wonach keine Kündigungen bis zum 22. Dezember ausgesprochen werden sollten. Dennoch ließ das mdexx-Management Stunden später die Kündigungsschreiben durch Boten zustellen.
'So etwas hat es in Bremen noch nie gegeben', empörte sich mdexx-Betriebsratsvorsitzender Herbert Strosetzky. Mit einer einstweiligen Verfügung konnte er gestern vor dem Arbeitsgericht noch durchsetzen, dass Kündigungen bei mdexx nun nicht mehr vor dem 21. Januar 2010 ausgesprochen werden dürfen. Bis dahin soll durch zwei weitere Einigungsstellen geprüft werden, ob eine Verringerung der Arbeitszeit oder die Einführung von Kurzarbeit die geplanten betriebsbedingten Kündigungen bei mdexx erübrigen könnten, entschied das Arbeitsgericht.
Zum ersten Mal klingelte bei Herbert Strosetzky gestern Nacht um halb vier Uhr das Telefon. Er habe ein Klappern im Haus gehört, hatte ihm ein Kollege in der Frühe am Apparat berichtet. Er sei aufgestanden und habe festgestellt, dass das Geräusch vom Briefkasten gekommen sei. Daraufhin habe er nachgesehen und festgestellt, dass sich ein Kündigungsschreiben seiner Firma im Briefkasten befand.
'Viele Kollegen der Frühschicht hatten das aber nicht mitbekommen, weil sie um fünf oder sechs Uhr vor dem Aufbruch zur Arbeit nicht in ihre Briefkästen geschaut hatten', berichtete der Betriebsrat. Diese Mitarbeiter seien nach der Ankunft im Betrieb gleich wieder nach Hause gefahren, um die Post durchzusehen.
mdexx-Mitarbeiter berichteten am Mittwoch von einer Stimmung 'zwischen Heulen und Zorn' im Unternehmen. Misstrauen breite sich aus gegenüber dem Management, das wiederholt angekündigt hatte, zwar einen Teil der Produktion nach Tschechien auslagern, aber mit der verbleibenden Fertigung in Bremen einen Neuanfang wagen zu wollen. Die IG Metall rief gestern die mdexx-Mitarbeiter zu einem Warnstreik auf.
Heute soll während einer Betriebsversammlung über das weitere Vorgehen gesprochen werden. Gewerkschaft und Arbeitnehmervertretung gehen davon aus, dass die Mehrheitseigner von mdexx, die Schweizer CGS Management (80 Prozent der Anteile), die hiesige Geschäftsführung gedrängt hat, ihre zuvor gegebene Zustimmung zum Vergleich vor dem Arbeitsgericht durch das Zustellen der Kündigungen zu widerrufen.
'Damit hat sich CGS als Heuschrecke entpuppt, die mdexx systematisch gegen die Wand fahren will', kommentierte Betriebsrat Strosetzky gestern das Verhalten der Arbeitgeberseite. Inzwischen bereitet die IG Metall Kündigungsschutzklagen für die betroffenen Arbeitnehmer vor. Die Verantwortlichen bei CGS Management in der Schweiz waren gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Am Abend teilte die Geschäftsführung in Bremen mit, eine Abstimmung mit den Gesellschaftern habe zum Widerruf der Einigung mit dem Betriebsrat geführt. mdexx werde gegen die jetzige Entscheidung des Gerichts Beschwerde einlegen.
mdexx war 2004 von Siemens ausgegliedert und Ende vergangenen Jahres an ein Konsortium um die CGS verkauft worden. Nach wie vor ist Siemens der Hauptkunde der Bremer. Neben einem Werk in Tschechien verfügt das Unternehmen auch über eine Niederlassung in der Volksrepublik China. Am Bremer Stammsitz sollen laut Auskunft von mdexx-Geschäftsführer Jan Reinecke künftig nur noch 260 Beschäftigte arbeiten.



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