Niels Stolberg zum Beluga-Debakel

 - 17.03.2011

"Oaktree schickt Beluga in die Insolvenz"

Von Krischan Förster
Bremen. Nach dem zweiten Insolvenzantrag bei der Bremer Reederei Beluga hat der ehemalige Firmenchef Niels Stolberg dem US-Finanzinvestor Oaktree vorgeworfen, die Situation erst herbeigeführt zu haben. „Für mich sieht es so aus, als ob Oaktree Beluga bewusst in die Insolvenz gedrückt hat“, sagte er dem WESER-KURIER.
Stolberg
Niels Stolberg, Gründer der Bremer Beluga Reederei.

Es dauerte keine 24 Stunden, bis im Fall Beluga, wie von allen Experten erwartet, die zweite Insolvenz folgte: Nach der Befrachtungssparte hat das Oaktree-Management gestern Mittag beim Amtsgericht Bremen auch die „Beluga Shipping“ für zahlungsunfähig erklärt. Sie ist die Dachgesellschaft für das gesamte operative Geschäft und beschäftigt allein 228 der rund 598 Bremer Beluga-Mitarbeiter. In der Befrachtung sind es 100 Stellen.

Vermutlich werden jetzt weitere Gesellschaften folgen, denn für die meisten hatte die „Shipping“ Patronatserklärungen (Zahlungsverpflichtungen) übernommen, die nun nicht mehr beglichen werden können. In den Tagen zuvor hatten die Investoren nach den gescheiterten Krisen-Verhandlungen mit Oaktree alle Verträge gekündigt und ihre Schiffe abgezogen – die Reederei verlor damit die wirtschaftliche Basis.

Nach dem zweiten Insolvenzantrag hat der ehemalige Firmenchef Niels Stolberg gestern sein Schweigen gebrochen und erstmals seit seiner „Beurlaubung“ am 1. März den US-Finanzinvestor Oaktree offen angegriffen: „Für mich sieht es so aus, als ob Oaktree Beluga bewusst in die Insolvenz gedrückt hat“, sagte er im Gespräch mit dieser Zeitung. „Ich bin mir sicher, dass mit den Banken und Schiffsgesellschaften im vernünftigen Dialog eine Lösung möglich gewesen wäre, um die Zukunft der Gesellschaft zu sichern“, sagte Stolberg.

Gegen den 50-Jährigen wird von der Bremer Staatsanwaltschaft wegen Betruges in besonders schwerem Fall ermittelt, nachdem er von Oaktree wegen möglicher Bilanzfälschung „bei Umsätzen und Liquidität“ angezeigt worden war. Vor gut einer Woche hatte die Staatsanwaltschaft ein offizielles Ermittlungsverfahren eingeleitet. Zudem hatte der US-Finanzinvestor einen Vermögens-Sicherungsantrag vor Gericht erwirkt und droht mit der Zwangspfändung von Stolbergs Privatbesitz.

Der Beluga-Gründer will nach eigenen Angaben nicht kampflos aufgeben. „Ich bin entschlossen, alles in meiner Macht stehende zu tun, um den Insolvenzverwalter dabei zu unterstützen, Beluga fortzuführen“, sagte er weiter. „Für mich standen und stehen das Unternehmen Beluga und meine Mitarbeiter immer im Vordergrund. Und ich werde dafür kämpfen, dass es für sie eine Zukunft geben kann.“

Der am Vortag vom Amtsgericht bestellte Insolvenzverwalter Edgar Grönda, der zu einer ersten Betriebsversammlung eingeladen hatte, hat mit seinem Team nun einen wesentlich größeren und komplexeren Fall zu betreuen: Denn nach der Übernahme des Falls „Chartering“ bekam er zusätzlich auch das vorläufige Insolvenzverfahren für die „Beluga Shipping“ übertragen. Grönda sicherte gestern den Beluga-Beschäftigten zu, sich um eine Fortführung der Reederei zu bemühen.






Dossier zur Krise der Beluga-Reederei

Am 28. Februar 2011 berichtete der WESER-KURIER von Übernahmeplänen der Bremer Reederei Beluga durch den US-Hedgefond Oaktree. In unserem Online-Dossier finden Sie ausführliche Informationen rund um die Reederei, ihren Ex-Chef Niels Stolberg und die Folgen der Insolvenz in Bremen.

Chronologie der Beluga-Krise

Lange galt Beluga als erfolgreichste Reederei Bremens und ihr Gründer Niels Stolberg als Vorzeigeunternehmer der Stadt. Doch dann wird Stolberg überraschend entmachtet, wenige Wochen später ist Beluga dem Untergang geweiht. Wir erinnern an die dramatischen Ereignisse und berichten über die neuesten Entwicklungen.

 

Niels Stolberg

Das Verfahren

Die Insolvenz

Reederei und Flotte

Der Investor

Die Banken

Beluga School for Life

Das Offshore-Geschäft

Experten-Videos zur Beluga-Krise

Krischan Förster, Wirtschaftsredakteur des WESER-KURIER und Experte in Sachen Beluga, gibt in unseren Video-Interviews Einschätzungen zur Insolvenz der Bremer Reederei.

 

Video-Interview vom 24. März 2011

Video-Interview vom 18. März 2011