Bremer Reederei Beluga Shipping

 - 21.03.2011

Druck auf Stolberg wird stärker

Von Krischan Förster
Bremen. Die Betrugsvorwürfe gegen den ehemaligen Beluga-Chef Niels Stolberg verdichten sich offenbar: Stolberg soll ab 2009 größere Summen aus Schiffbau-Krediten abgezweigt und über Auslandskonten ins Unternehmen zurücküberwiesen haben.
Ermittlungen gegen Beluga-Reeder
Gegen Niels Stolberg und weitere leitende Angestellte der Beluga-Reederei wird wegen schweren Betrugs ermittelt. (Archivbild vom 15.12.2007)

Eine doppelte Buchführung soll diese künstlichen Einnahmen, die angeblich rund acht Prozent des Jahresumsatzes ausmachen, verschleiert haben. Zusätzlich sollen Frachtaufträge gebucht worden sein, die es nicht oder nur als Option gab.

Der US-Investor Oaktree, der bei Beluga eingestiegen war und zurzeit die Geschäfte führt, hatte nach NDR 1 Informationen der Reederei einen 100-Millionen-Euro-Kredit zur Verfügung gestellt. Ein Teil des Geldes soll allerdings nicht wie vereinbart an die chinesischen Werften geflossen sein, bei denen neue Schiffe bestellt worden waren. Stattdessen sollen die Millionen ins Ausland transferiert worden sein - auf Konten in der Schweiz, in Panama und auf den britischen Virgin Islands. Von dort wurde das Geld zurück ins Unternehmen geschleust, um Finanzlöcher zu stopfen.

Auftragsbücher, Rechnungen und Dokumente sollen entsprechend gefälscht worden sein. Nach NDR Informationen ermittelt die Bremer Staatsanwaltschaft in diese Richtung.

Oaktree hatte am 2. März Anzeige erstattet, seither ermittelt die Bremer Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Bilanzfälschung – das wäre eine Straftat. Bewiesen ist bislang nichts. Zwölf Führungskräfte wurden suspendiert, als Oaktree nach eigenen Angaben die vermeintlichen Manipulationen aufdeckte. Der US-Investor fühlte sich geprellt, weil der Einstieg beiBeluga im Oktober 2010 nach Recherchen dieser Zeitung an konkrete Umsatz- und Renditeziele geknüpft war, die nicht erreicht, sondern nur vorgetäuscht worden sein sollen. Oaktree übernahm kurz das Management, inzwischen sind zwei Beluga-Kernsparten insolvent. Fast vergessen von der Öffentlichkeit bemüht sich die Reederei trotz der Turbulenzen weiter um die Freilassung der von Piraten entführten „Beluga Nomination“. (Mit Material von dpa)

Lesen Sie mehr in der Dienstagsausgabe des WESER-KURIER.






Dossier zur Krise der Beluga-Reederei

Am 28. Februar 2011 berichtete der WESER-KURIER von Übernahmeplänen der Bremer Reederei Beluga durch den US-Hedgefond Oaktree. In unserem Online-Dossier finden Sie ausführliche Informationen rund um die Reederei, ihren Ex-Chef Niels Stolberg und die Folgen der Insolvenz in Bremen.

Chronologie der Beluga-Krise

Lange galt Beluga als erfolgreichste Reederei Bremens und ihr Gründer Niels Stolberg als Vorzeigeunternehmer der Stadt. Doch dann wird Stolberg überraschend entmachtet, wenige Wochen später ist Beluga dem Untergang geweiht. Wir erinnern an die dramatischen Ereignisse und berichten über die neuesten Entwicklungen.

 

Niels Stolberg

Das Verfahren

Die Insolvenz

Reederei und Flotte

Der Investor

Die Banken

Beluga School for Life

Das Offshore-Geschäft

Experten-Videos zur Beluga-Krise

Krischan Förster, Wirtschaftsredakteur des WESER-KURIER und Experte in Sachen Beluga, gibt in unseren Video-Interviews Einschätzungen zur Insolvenz der Bremer Reederei.

 

Video-Interview vom 24. März 2011

Video-Interview vom 18. März 2011