Teilinsolvenz der Bremer Reederei

 - 23.03.2011

Erste Beluga-Förderprojekte werden gestoppt

Von Tobias Langenbach
Bremen. Die Teilinsolvenz der Beluga-Gruppe hat Folgen für Bremen: Das Beluga College kämpft um seine Existenz. Die Zusammenarbeit der Bremer Philharmoniker mit zwei Grundschulen in Osterholz Tenever und Walle, die Beluga bisher finanzierte, wird eingestellt.
Das Förderprojekt Beluga College kämpft nach der Insolvenz der Beluga Shipping GmbH um das Überleben. Geschäftsführer Michael Beckhusen sucht fieberhaft neue Investoren.
Das Förderprojekt Beluga College kämpft nach der Insolvenz der Beluga Shipping GmbH um das Überleben. Geschäftsführer Michael Beckhusen sucht fieberhaft neue Investoren.

Seit anderthalb Jahren arbeiten die Bremer Philharmoniker mit den Grundschulen am Ellenerbrokweg und Am Pulverberg zusammen. Die Schüler probieren Geige und Cello selbst aus, geben zusammen mit den Musikern Vorstellungen und lernen in "Streicherklassen" mit Musikpädagogen, Streichinstrumente zu spielen. Bisher haben die Philharmoniker die Instrumente gekauft, bezahlt hat Beluga. Genau das ist jetzt aber nicht mehr der Fall. Die Kosten der gekauften Instrumente belaufen sich zusammen mit den Gehältern der Musikpädagogen auf mehrere Zehntausend Euro - eine Summe, die die beiden Grundschulen aus eigener Kraft nicht aufbringen können.

"Viele unserer Schüler hier haben einen Migrationshintergrund", sagt der Schulleiter der Grundschule am Ellenerbrokweg, Harald Bloch. "Ihre Eltern können so einen Musikunterricht einfach nicht bezahlen." Seine Kollegin, Schulleiterin Ulrike Deister-Haag von der Grundschule Am Pulverberg ergänzt: "Jetzt werden die Schüler wieder eingeteilt in Kinder, die sich ein Instrument leisten können, und Kinder, die es eben nicht können. Für die ist die Chance jetzt weg." Das Musikprojekt läuft in Kürze aus, beide Schulleiter verbindet aber die Hoffnung, neue Sponsoren für den Musikunterricht auftreiben zu können.

Die Schüler des von der Schließung bedrohten Beluga College - eine berufliche Oberstufe, an der Schüler neben dem Abitur auch Branchenkenntnisse erwerben - wollen mit einem offenen Brief ein Zeichen setzen und für den Erhalt ihrer Schule kämpfen. Gestern brachte eine Schüler-Delegation den Brief, adressiert an Niels Stolberg, Geschäftsführer Roger Illife und Insolvenzverwalter Edgar Grönda, zur Beluga-Zentrale auf dem Teerhof, wo er von einem Unternehmenssprecher entgegengenommen wurde. "Im Brief steht, dass wir Verständnis für die Situation des Unternehmens haben", sagt Schülersprecher Philip Kuck. "Wir wollen aber verdeutlichen, wie wichtig uns unsere Schule ist, weil wir so praxisnah arbeiten können. Und was für ein Verlust die Schließung für Bremen insgesamt wäre." Unterschrieben haben den Brief alle 42 Schüler.

Laut Bildungsressort würden den Schülern "vergleichbare Angebote im Schulsystem" gemacht, sollte das College nach der Beluga-Insolvenz nicht weiterbestehen. Zwar gebe es in Bremen keine Schulen mit nautischer Ausrichtung, dafür aber kaufmännische Schulen, sagte eine Sprecherin.






Dossier zur Krise der Beluga-Reederei

Am 28. Februar 2011 berichtete der WESER-KURIER von Übernahmeplänen der Bremer Reederei Beluga durch den US-Hedgefond Oaktree. In unserem Online-Dossier finden Sie ausführliche Informationen rund um die Reederei, ihren Ex-Chef Niels Stolberg und die Folgen der Insolvenz in Bremen.

Chronologie der Beluga-Krise

Lange galt Beluga als erfolgreichste Reederei Bremens und ihr Gründer Niels Stolberg als Vorzeigeunternehmer der Stadt. Doch dann wird Stolberg überraschend entmachtet, wenige Wochen später ist Beluga dem Untergang geweiht. Wir erinnern an die dramatischen Ereignisse und berichten über die neuesten Entwicklungen.

 

Niels Stolberg

Das Verfahren

Die Insolvenz

Reederei und Flotte

Der Investor

Die Banken

Beluga School for Life

Das Offshore-Geschäft

Experten-Videos zur Beluga-Krise

Krischan Förster, Wirtschaftsredakteur des WESER-KURIER und Experte in Sachen Beluga, gibt in unseren Video-Interviews Einschätzungen zur Insolvenz der Bremer Reederei.

 

Video-Interview vom 24. März 2011

Video-Interview vom 18. März 2011