UN-Sportberater lässt Kontakte spielen

 - 24.03.2011

Willi Lemke will Beluga-Förderprojekten helfen

Von Tobias Langenbach
Bremen. Tafel, Pult und Klassenbänke gibt es nicht im Beluga College, die Schule wirkt eher wie ein Großraumbüro: heller Holzfußboden, blütenweiße Wände, auf den Schreibtischen stehen Flachbildschirme und Bildtelefone. Die Schüler sind freundlich, lächeln, führen in ihren blauen Polohemden die Gäste herum und beantworten höflich alle Fragen. Sie wissen: Es geht um die Zukunft ihrer Schule.
Besuch im Beluga College: Ex-Bildungssenator und UN-Sonderbotschafter Sport Willi Lemke lässt sich von einem Schüler herumführen und besichtigt die Räume.
Besuch im Beluga College: Ex-Bildungssenator und UN-Sonderbotschafter Sport Willi Lemke lässt sich von einem Schüler herumführen und besichtigt die Räume.

Es gibt wichtigen Besuch: Ex-Bildungssenator und Sport-Sonderberater der Vereinten Nationen Willi Lemke ist gekommen, vielleicht kann er helfen und das College retten. Die Schüler haben ihre Informationsveranstaltung selbst organisiert. Per E-Mail und Flyer haben sie Politiker, Vertreter der Bremer Wirtschaft und andere Interessierte eingeladen, um zu zeigen, was das Beluga College eigentlich ist und warum es auch nach einem möglichen Beluga-Reederei-Aus unbedingt weiterbestehen sollte.

Die Schüler pauken nämlich nicht nur Mathe und Deutsch - auf dem Stundenplan stehen auch eigenständige Projektarbeit, Jura und sogar Chinesisch. "Das hier ist gelebte Berufsausbildung", sagt Schulleiter Wilhelm Gudauski. "Die Schüler sind für den Arbeitsmarkt bestens vorbereitet, wenn sie hier ihren Abschluss machen."

90 Prozent der finanziellen Mittel, die das College erhält, stammen allerdings von der jetzt insolventen Beluga Shipping GmbH. Das College sucht daher dringend neue Sponsoren, die die Ausbildung der momentan 42 Schüler weiter sichern. "Rund 300.000 Euro brauchen wir bis zum Ende des Schuljahres im Juni", sagt Schulleiter Gudauski. "Gerade für den großen maritimen Bereich mit Werften und Spediteuren müsste die Schule doch von großem Interesse sein."

Vom Konzept der Schule überzeugt

Einer, der helfen will, ist Willi Lemke. "Kompliment, das sieht große Klasse aus hier", lobt er, als er die Räume sieht. Sowieso ist er "vom pädagogischen Konzept der Schule ohne Wenn und Aber überzeugt". Was er hier sehe, sei moderne Pädagogik - immerhin sei er selbst acht Jahre lang Bildungssenator gewesen. Lemke will nun versuchen, über seine Kontakte der Schule zu helfen, neue Geldgeber aufzutreiben. "Als Bildungssenator hätte ich mich um das College gekümmert", so Lemke weiter. Es wäre gut, wenn auch ein Signal vom Senat kommen würde.

Sein Kontakt-Netzwerk möchte Willi Lemke auch dazu benutzen, um ein anderes Beluga-Förderprojekt zu unterstützen: Die "Beluga School for Life" wurde 2005 von Niels Stolberg gegründet, um Kindern, die bei dem Tsunami 2004 ihre Eltern verloren, eine Ausbildung zu geben. Die Kinder haben eigene Klassenräumen und einen Kindergarten. Wie es nach der Beluga-Pleite weitergeht, ist ungewiss. Stolberg sagte Unterstützung für zehn Jahre zu - das wären bis 2015 vier weitere Jahre. Der Kapitalbedarf des Projekts liegt pro Jahr bei 500000 Euro - die jetzt fehlen. Lemke: "Auch das ist ein Projekt vom Allerbesten."





Dossier zur Krise der Beluga-Reederei

Am 28. Februar 2011 berichtete der WESER-KURIER von Übernahmeplänen der Bremer Reederei Beluga durch den US-Hedgefond Oaktree. In unserem Online-Dossier finden Sie ausführliche Informationen rund um die Reederei, ihren Ex-Chef Niels Stolberg und die Folgen der Insolvenz in Bremen.

Chronologie der Beluga-Krise

Lange galt Beluga als erfolgreichste Reederei Bremens und ihr Gründer Niels Stolberg als Vorzeigeunternehmer der Stadt. Doch dann wird Stolberg überraschend entmachtet, wenige Wochen später ist Beluga dem Untergang geweiht. Wir erinnern an die dramatischen Ereignisse und berichten über die neuesten Entwicklungen.

 

Niels Stolberg

Das Verfahren

Die Insolvenz

Reederei und Flotte

Der Investor

Die Banken

Beluga School for Life

Das Offshore-Geschäft

Experten-Videos zur Beluga-Krise

Krischan Förster, Wirtschaftsredakteur des WESER-KURIER und Experte in Sachen Beluga, gibt in unseren Video-Interviews Einschätzungen zur Insolvenz der Bremer Reederei.

 

Video-Interview vom 24. März 2011

Video-Interview vom 18. März 2011