Das "Outer Roads" ist Bremens Restaurant mit dem schönsten, weil atemberaubenden Ausblick auf die Innenstadt und die Weser. Auch kulinarisch wollte Ex-Beluga-Chef und Restauranteigner Niels Stolberg für eine neue gefragte Adresse in der städtischen Gastronomie sorgen und konnte die Fachwelt relativ schnell überzeugen. Der Restaurantführer Gault Millau verteilte zwölf von 20 möglichen Punkten, Empfohlen wurde das "Outer Roads" auch vom "Feinschmecker" und dem "Guide Michelin". Doch nach einem starken ersten Ansturm der Bremer ebbte die Nachfrage schon so stark ab, dass das Restaurant seit einigen Wochen sonntags und montags geschlossen blieb. Die Beluga-Krise sorgte dann für einen richtigen Einbruch. "Uns sind schlagartig die Gäste weggeblieben", sagt Niederbremer.
Mit der beginnenden Insolvenzwelle bei der Reederei vor zwei Wochen sei die Zahl der Gäste um bis zu 70 Prozent eingebrochen, zudem wurden zahlreiche gebuchte Veranstaltungen und Familienfeiern abgesagt. "Die Einnahmen reichten jetzt nicht mehr aus", sagt der Küchenchef. Das Restaurant macht seinem aus der Schifffahrt entlehnten Namen nun alle Ehren: Outer Roads heißt Außenreede, und wie die Frachter auf See muss nun auch das Restaurant samt Bar und Terrasse darauf warten, ob und wie es weitergeht.
"Neue Perspektiven finden"
Vorerst werde das Restaurant mit 41 Mitarbeitern und unveränderten Öffnungszeiten fortgeführt, sagt Niederbremer. Gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter wolle die Mannschaft in den kommenden Wochen alles tun, um eine neue Perspektive zu finden. Das sei auch mit Geschäftsführer Niels Stolberg so abgesprochen. In den kommenden April-Tagen solle wie geplant das Pazifik-Deck, die zum Restaurant gehörende Terrasse, geöffnet werden.
Denn das "Outer Roads" gehört nicht zur Insolvenzmasse der Reedereigruppe, die in den darunter liegenden fünf "Decks" des Firmengebäudes residiert und seit der Beurlaubung von Stolberg vom US-Finanzinvestor und Beluga-Mitgesellschafter Oaktree kontrolliert wird. Das Restaurant wird von dem Firmengründer selbst betrieben. Allerdings hat Oaktree einen Pfändungsbeschluss gegen dessen Privatvermögen erwirkt. Vor zwei Tagen hatte vermutlich deshalb bereits Stolbergs "Inselzauber"-Gesellschaft Insolvenz anmelden müssen, die neben den Hotels und Ferienwohnungen auf Spiekeroog auch das Restaurant versorgt hatte.
Auch bei der von Oaktree geführten Reedereigruppe wächst die Zahl der Insolvenzen weiter. Gestern wurden weitere vier Gesellschaften mit insgesamt 35 Beschäftigten beim Bremer Amtsgericht für zahlungsunfähig erklärt. Davon betroffen ist eine Bau- und Projektfirma, die Beluga-Immobilien geplant, gebaut und betrieben hat, darunter auch das Maritime Forschungszentrum in Elsfleth.
Sang- und klanglos endet auch ein ambitioniertes Touristikprojekt, das Stolberg seit zwei Jahren geplant hatte. Bis zu vier Kreuzfahrtyachten im Fünf-Sterne-Segment wollte er ab 2012 in Fahrt bringen und damit etablierten Anbieten wie Hapag-Lloyd ("Europa", "Bremen") Konkurrenz machen. Es hatte sogar schon erste Gespräche mit Werften über die Neubauprojekte gegeben. Die "Cruiseliner"-Gesellschaft mit neun Mitarbeitern steht vor dem vermutlich endgültigen Aus.
Bereits am Montag hatte das maritime Schulprojekt "Beluga College" mit insgesamt 18 Beschäftigten und 42 Schülern Insolvenz anmelden müssen. Noch aber besteht Hoffung, dass ein neuer Träger für diese Oberstufen-Schule gefunden wird.