Wackliger Neustart bei Bremer Beluga-Reederei

 - 08.04.2011

Schiffe ohne Aufträge

Von Krischan Förster
Bremen. Zu Wochenbeginn hat Beluga noch vom Neustart einer verkleinerten Reederei gesprochen. Schiffe sollten wieder fahren, Ladung sollte wieder transportiert werden. Nachdem Charterkunden ihre Verträge gekündigt und mehr als 50 Schiffe von Beluga abgezogen hatten, sind von einst 72 derzeit nur noch 18 Frachter übrig geblieben. Ein Beluga-Sprecher sagte am Montag, das Unternehmen habe „genug Ladung für mehr als 18 Schiffe“.
Mit Schwerguttransporten wie Teilen eines Reaktors verdiente die Reederei Beluga lange Jahre gutes Geld.
Mit Schwerguttransporten wie Teilen eines Reaktors verdiente die Reederei Beluga lange Jahre gutes Geld.

Nach Informationen dieser Zeitung sind die meisten von ihnen allerdings weiter ohne Beschäftigung. Die „Beluga London“ steht in Richards Bay (Südafrika) sogar weiter unter Arrest – Ende offen. Betroffen sind vor allem die großen und teuren Neubauten der P-Klasse – 14 wurden von Oaktree maßgeblich finanziert und werden jetzt auch kontrolliert. Dazu kommen ein Beluga-eigenes Schiff sowie zwei Frachter eines Schiffsfonds, der der Bremer Reederei bislang treu geblieben ist.

Seit drei oder sogar vier Wochen hat sich kaum noch eines dieser Schiffe bewegt. Die „Beluga Bremen“ liegt bereits seit 15. März vor Phu My (Vietnam). Ein Abfahrtsdatum ist noch nicht bekannt. Das gilt auch für die „Beluga Shanghai“ in Kaohsiung (Taiwan), für die „Beluga Mumbai“ vor Singapur oder die „Beluga Sydney“, die nach einer Ladungsstornierung auf Reede vor Itaqui (Brasilien) wartet. Die „Beluga Sao Paulo“ hatte mitten in den Bürgerkriegswirren noch eine Ladung in Tripolis (Libyen) gelöscht, seit mehr als einer Woche treibt sie östlich von Malta. Vor Bilbao wartet die „Beluga Cape Town“ auf Beschäftigung. Andere Schiffe haben frühestens ab Mitte April erste Aufträge in Aussicht.

Wirtschaftlich müssen die vergangenen Wochen für die ohnehin angeschlagene Schwergutreederei daher ein Desaster gewesen sein. Keine Einnahmen, dafür aber weiter auflaufende Kosten. Ein Frachter der Beluga-P-Klasse schlägt mit mehreren Tausend Euro zu Buche – an einem einzigen Tag. Über mehrere Wochen würde sich das Minus für mehrere Frachter auf einen Millionenbetrag summieren.

Auf Nachfrage verwies ein Beluga-Sprecher darauf, dass „zu betriebswirtschaftlichen Aspekten des Unternehmens keine Auskunft gegeben werden kann“.






Dossier zur Krise der Beluga-Reederei

Am 28. Februar 2011 berichtete der WESER-KURIER von Übernahmeplänen der Bremer Reederei Beluga durch den US-Hedgefond Oaktree. In unserem Online-Dossier finden Sie ausführliche Informationen rund um die Reederei, ihren Ex-Chef Niels Stolberg und die Folgen der Insolvenz in Bremen.

Chronologie der Beluga-Krise

Lange galt Beluga als erfolgreichste Reederei Bremens und ihr Gründer Niels Stolberg als Vorzeigeunternehmer der Stadt. Doch dann wird Stolberg überraschend entmachtet, wenige Wochen später ist Beluga dem Untergang geweiht. Wir erinnern an die dramatischen Ereignisse und berichten über die neuesten Entwicklungen.

 

Niels Stolberg

Das Verfahren

Die Insolvenz

Reederei und Flotte

Der Investor

Die Banken

Beluga School for Life

Das Offshore-Geschäft

Experten-Videos zur Beluga-Krise

Krischan Förster, Wirtschaftsredakteur des WESER-KURIER und Experte in Sachen Beluga, gibt in unseren Video-Interviews Einschätzungen zur Insolvenz der Bremer Reederei.

 

Video-Interview vom 24. März 2011

Video-Interview vom 18. März 2011