Insolvenz der Bremer Beluga-Reederei

 - 10.04.2011

Kritik an Investor Oaktree nimmt zu

Bremen. Nach der Insolvenz der Bremer Beluga-Reederei hat der Vorstandschef des Emissionshauses HCI den US-Finanzinvestor Oaktree kritisiert. "In Bremen hat man innerhalb von drei Wochen einen Weltmarktführer zertrümmert", sagte HCI-Chef Ralf Friedrichs dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".
Beluga-Reederei
Das Bürogebäue der Beluga-Reederei in Bremen. (Archivbild)

Er sei der festen Überzeugung, dass Beluga nicht in die Insolvenz hätte getrieben werden müssen. Es habe in den vergangenen Jahren schon größere Schifffahrtskrisen gegeben. Der US-Finanzinvestor Oaktree hatte Beluga-Ex-Chef Niels Stolberg angezeigt. Stolberg und weitere ehemalige Führungskräfte der Reederei stehen im Verdacht, mit falschen Umsatzzahlen Kapitalgeber getäuscht zu haben. Oaktree gehören 49,5 Prozent der Anteile an Beluga.

Der Verdacht hat sich einem Bericht des Bremer "Weser-Kuriers" zufolge inzwischen erhärtet. "Der Sachverhalt einer Täuschung in Zusammenhang mit Kreditmitteln, die Oaktree Beluga für die Finanzierung von Schiffen oder den Erwerb von Anteilen gewährt hat, hat sich nach unseren bisherigen Ermittlungen bestätigt", sagte Oberstaatsanwalt Uwe Lyko dem Blatt. Er rechne bis Ende Juni mit einem Ermittlungsergebnis. Geklärt werden müsse, ob Oaktree ein Vermögensschaden entstanden sei.

Falls sich dies bewahrheite, müssten Stolberg und die anderen beschuldigten Ex-Führungskräfte mit einer Anklage wegen schweren Betrugs rechnen. Dann drohten bis zu zehn Jahre Haft. Sollte sich kein Schaden nachweisen lassen, liege die Strafe niedriger - bei bis zu drei Jahren Haft.

Vor rund einer Woche hatte Beluga sein Kerngeschäft neugestartet und das Frachtgeschäft aufgenommen. "Das geht nicht, wie wenn man einen Lichtschalter umlegt. Wir müssen die Routen ja planen und sind da mittendrin", sagte Beluga-Sprecher Klaus-Karl Becker der dpa. Die ersten Schiffe seien wieder beladen. Spätestens bis Ende der nächsten Woche solle das Geschäft wieder laufen. Zunächst sollen 17 Schiffe fahren. Im April solle die "Tokyo" hinzukommen, die derzeit auf einer Werft in China sei.

"Wir bemühen uns gerade darum, weitere Schiffe zu bekommen, so dass wir auf den Stand kommen, den wir vorher hatten." In Hochzeiten fuhren mehr als 70 Schiffe für die Reederei. Der Wirbel um Oaktree und die Insolvenz schade der Auftragsakquise nicht, betonte Becker. "Es gibt nicht so viel Auswahl im Schwertransport-Segment."

Laut "Spiegel" gehören Oaktree noch 16 Schiffe. Der Investor plane internen Dokumenten zufolge, sie in einer neuen Reederei namens "Heavy Lift" fahren zu lassen. (dpa)






Dossier zur Krise der Beluga-Reederei

Am 28. Februar 2011 berichtete der WESER-KURIER von Übernahmeplänen der Bremer Reederei Beluga durch den US-Hedgefond Oaktree. In unserem Online-Dossier finden Sie ausführliche Informationen rund um die Reederei, ihren Ex-Chef Niels Stolberg und die Folgen der Insolvenz in Bremen.

Chronologie der Beluga-Krise

Lange galt Beluga als erfolgreichste Reederei Bremens und ihr Gründer Niels Stolberg als Vorzeigeunternehmer der Stadt. Doch dann wird Stolberg überraschend entmachtet, wenige Wochen später ist Beluga dem Untergang geweiht. Wir erinnern an die dramatischen Ereignisse und berichten über die neuesten Entwicklungen.

 

Niels Stolberg

Das Verfahren

Die Insolvenz

Reederei und Flotte

Der Investor

Die Banken

Beluga School for Life

Das Offshore-Geschäft

Experten-Videos zur Beluga-Krise

Krischan Förster, Wirtschaftsredakteur des WESER-KURIER und Experte in Sachen Beluga, gibt in unseren Video-Interviews Einschätzungen zur Insolvenz der Bremer Reederei.

 

Video-Interview vom 24. März 2011

Video-Interview vom 18. März 2011