Bremer Reederei

 - 01.06.2011

Hansa Heavy Lift tritt Beluga-Nachfolge an

Von Krischan Förster
Bremen. Die neu gegründete Schwergut-Reederei „Hansa Heavy Lift“ (HHL) startet heute offiziell ihre Geschäfte. Das teilt der US-Finanzinvestor Oaktree Capital Management mit, dem das Unternehmen zu 100 Prozent gehört.
Hansa Heavy Lift residiert seit gestern ganz offiziell in der Martinistraße 1.
Hansa Heavy Lift residiert offiziell in der Martinistraße 1, im ehemaligen Beluga-Gebäude.

Die Flotte zählt derzeit 17 Schiffe, die aus der Insolvenzmasse der Bremer Reederei Beluga stammen. Weitere sieben Neubauten sollen bis Anfang 2012 hinzukommen. Auch die rund 70 Mitarbeiter zählende HHL-Belegschaft wurde von Beluga am künftigen Hauptsitz Bremen übernommen. Weitere Niederlassungen soll es in Singapur und in Houston (USA) geben. Die Prognosen für den Schwergut-Markt stimmten optimistisch, heißt es bei Oaktree. „Wir streben mit Hansa Heavy Lift nach der Marktführerschaft im Schwergutgeschäft“, sagt Reedereichef Roger Iliffe.

Der Oaktree-Manager Iliffe hatte zuletzt auch die Geschäfte der Beluga-Reederei geführt, deren Ende bereits besiegelt ist. Mit der Eröffnung des offiziellen Insolvenzverfahrens wird heute gerechnet. Der vorläufige Insolvenzverwalter Edgar Grönda hatte in der vergangenen Woche erklärt, das 224 Mitarbeiter danach ihre Kündigungen erhalten sollen. Ein Restteam von etwa 65 ehemaligen Beluga-Beschäftigten soll das 1995 von Niels Stolberg gegründete Unternehmen anschließend abwickeln. Eine Rettung der ursprünglichen Beluga-Reederei war nach Meinung der Insolvenzverwalter nicht mehr möglich.

Oaktree war im Oktober vergangenen Jahres als Kapitalinvestor und Gesellschafter bei Beluga eingestiegen. Anfang März wurde Stolberg entmachtet. Mitte März folgte eine Insolvenzwelle, die weite Teile der Beluga-Gruppe mit damals 670 Beschäftigten traf. Oaktree hatte dies mit erheblichen Liquiditätsschwierigkeiten begründet und Stolberg sowie weitere Führungskräfte bei der Bremer Staatsanwaltschaft wegen Bilanzfälschung und Betruges angezeigt. Bei Beluga soll es demnach Scheingeschäfte in Millionenhöhe gegeben haben, um über die wahre wirtschaftliche Lage hinwegzutäuschen, lautet der Vorwurf.

Seitdem ermittelt die Bremer Staatsanwaltschaft. Stolberg, der Privatinsolvenz anmelden musste und dessen Vermögen auf Oaktree-Antrag derzeit gesperrt ist, hatte den Kapitalinvestor seinerseits beschuldigt, sein Unternehmen bewusst in die Insolvenz gedrückt zu haben. Auch Schiffsfinanzierer wie der Vorstand des Emissionshauses HCI und Bankenvertreter hatten Oaktree kritisiert und darauf verwiesen, dass aus ihrer Sicht eine Insolvenz vermeidbar gewesen wäre.

Mehr Hintergründe zum Thema lesen Sie in der Mittwochausgabe des Bremer WESER-KURIER.

 






Dossier zur Krise der Beluga-Reederei

Am 28. Februar 2011 berichtete der WESER-KURIER von Übernahmeplänen der Bremer Reederei Beluga durch den US-Hedgefond Oaktree. In unserem Online-Dossier finden Sie ausführliche Informationen rund um die Reederei, ihren Ex-Chef Niels Stolberg und die Folgen der Insolvenz in Bremen.

Chronologie der Beluga-Krise

Lange galt Beluga als erfolgreichste Reederei Bremens und ihr Gründer Niels Stolberg als Vorzeigeunternehmer der Stadt. Doch dann wird Stolberg überraschend entmachtet, wenige Wochen später ist Beluga dem Untergang geweiht. Wir erinnern an die dramatischen Ereignisse und berichten über die neuesten Entwicklungen.

 

Niels Stolberg

Das Verfahren

Die Insolvenz

Reederei und Flotte

Der Investor

Die Banken

Beluga School for Life

Das Offshore-Geschäft

Experten-Videos zur Beluga-Krise

Krischan Förster, Wirtschaftsredakteur des WESER-KURIER und Experte in Sachen Beluga, gibt in unseren Video-Interviews Einschätzungen zur Insolvenz der Bremer Reederei.

 

Video-Interview vom 24. März 2011

Video-Interview vom 18. März 2011