Beluga-Pleite

 - 30.11.2011

Käufer für Ex-Firmenzentrale gesucht

Von Annemarie Struss-V. Poellnitz
Bremen. Das letzte Schiff der Beluga-Flotte des insolventen Bremer Reeders Niels Stolberg ist in der letzten Woche kurz vor der drohenden Zwangsversteigerung verkauft worden. Aber was wird eigentlich aus seiner ehemaligen Firmenzentrale auf dem Teerhof? Das Gebäude soll verkauft werden, aber die Suche nach einem Käufer gestaltet sich schwierig.
Die ehemalige Beluga-Zentrale auf dem Teerhof.
Die ehemalige Beluga-Zentrale auf dem Teerhof.

Bremen. Der größte Teil des Gebäudes steht leer, lediglich im Restaurant "Outer Roads" sieht man gelegentlich noch Menschen an den Fensterfronten. Kürzlich war sogar die Beluga-Flagge vom Dach verschwunden. Das Seil war gerissen, inzwischen flattert die stilisierte weiße Walflosse auf blauem Grund wieder - eine letzte Reminiszenz an die einst stolze Reederei.

Das Gebäude untersteht der Insolvenzverwaltung Schulze & Braun. Da das "Outer Roads" als eigenständige Gesellschaft geführt wurde, liegen Vermietung und Betrieb des Restaurants, das nach wie vor geöffnet ist, in anderen Händen. Zuständig ist die Insolvenzverwalterin Stefanie Lüthje. Hauptgläubiger der Immobilie sind die Sparkasse Bremen und die Bremer Landesbank, die die Immobilie je zur Hälfte finanziert haben. Sie haben ein Interesse daran, dass das Gebäude verkauft wird, damit sie wenigstens einen Teil ihrer Kredite wiedersehen.

Ein Sahne-Objekt in einer Spitzenlage, sollte man meinen. "So Sahne ist das nicht", sagt Christian Berg, Sprecher des Insolvenzverwalters Schulze & Braun. "Die Leute stehen nicht gerade Schlange." Kürzlich sah es so aus, als stünde ein Verkauf unmittelbar bevor. Aber dann hat der Interessent die Vorvertragsverhandlungen abgebrochen.

Immobilie mit Tücken

Die Immobilie habe ihre Tücken, sagt Berg. Die ehemalige Beluga-Zentrale ist kein übliches Bürogebäude. Sie war genau auf den Geschmack und die Wünsche von Niels Stolberg zugeschnitten. Da ist zum Beispiel die hohe Eingangshalle: viel Licht, sehr imposant, aber auch viel ungenutzter Raum, der kein Geld bringt und mit geheizt werden muss. Interessenten müssten entweder ihr Raumkonzept an die Vorstellungen des ehemaligen Eigentümers anpassen oder viel Geld in einen Umbau stecken. Das macht einen Verkauf schwierig.

Immer wieder ist darüber spekuliert worden, warum die Bremer Landesbank als eine der beiden Hauptgläubiger nicht in das Gebäude einzieht. Die Bank will bekanntlich am Domshof neu bauen und braucht ein Ausweichquartier, bis der Neubau fertig ist.

BLB-Sprecherin Ina Malinowski nennt gleich drei Gründe, warum das Beluga-Gebäude für die Bank keine Option ist: "Wir brauchen erst ab Mitte 2012 Interimsflächen. Das Beluga-Gebäude ist zu klein für unsere über 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Außerdem passen die technischen Anforderungen nicht." Deshalb zieht der größte Teil der BLB Mitte nächsten Jahres in die ehemalige Tchibo-Zentrale über Peek & Cloppenburg. Dort war früher einmal die ADCA-Bank, dann die Bremer Börse. Alle Anschlüsse, die eine Bank so braucht, sind noch vorhanden.

Mangelnde Sicherheit schreckt potentielle Mieter ab

Die beiden Gläubiger Bremer Landesbank und Sparkasse Bremen sähen es gern, wenn die ehemalige Beluga-Zentrale möglichst schnell verkauft würde. Um die Mietausfälle gehe es dabei weniger, sagt BLB-Sprecherin Malinowski, die ließen sich später wieder hereinholen. "Aber es tut der Immobilie nicht gut, wenn sie länger leersteht." Zwar gebe es eine minimale Bewirtschaftung für Heizung, Sicherheit und Brandschutz. Aber eine ordentliche Nutzung wäre gerade im Winter besser.

Auch Stefanie Lüthje wäre im Interesse des "Outer Roads" froh über eine schnelle Lösung. Es gebe zwar mehrere Interessenten, die das Restaurant übernehmen würden. Aber wer bereit ist, die Einrichtung zu kaufen und in die Gastronomie dort zu investieren, erwartet einen langfristigen Mietvertrag. Zurzeit sorgt ein Restaurantleiter im Auftrag der Insolvenzverwalterin dafür, dass der Betrieb weiterläuft. Dazu gehört auch, dass Restaurant und Pianobar technisch unabhängig von den bald komplett leeren anderen Stockwerken werden.

"Wir haben keinen Zeitdruck", sagt dagegen Christian Berg von der Insolvenzverwaltung Schulze & Braun. Man müsse verschiedene Optionen durchspielen: einen Gesamtverkauf, einen Teilverkauf, vielleicht würde auch eine Vermietung mehr Sinn machen, so Berg. "Unser Auftrag ist es, das Optimale für die Gläubiger herauszuholen." Nach Informationen dieser Zeitung gab es bislang eine Handvoll Interessenten. Die Angebote hätten aber unter den Preisvorstellungen des Insolvenzverwalters gelegen. In den nächsten Tagen soll weiter verhandelt werden..






Dossier zur Krise der Beluga-Reederei

Am 28. Februar 2011 berichtete der WESER-KURIER von Übernahmeplänen der Bremer Reederei Beluga durch den US-Hedgefond Oaktree. In unserem Online-Dossier finden Sie ausführliche Informationen rund um die Reederei, ihren Ex-Chef Niels Stolberg und die Folgen der Insolvenz in Bremen.

Chronologie der Beluga-Krise

Lange galt Beluga als erfolgreichste Reederei Bremens und ihr Gründer Niels Stolberg als Vorzeigeunternehmer der Stadt. Doch dann wird Stolberg überraschend entmachtet, wenige Wochen später ist Beluga dem Untergang geweiht. Wir erinnern an die dramatischen Ereignisse und berichten über die neuesten Entwicklungen.

 

Niels Stolberg

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Beluga School for Life

Das Offshore-Geschäft

Experten-Videos zur Beluga-Krise

Krischan Förster, Wirtschaftsredakteur des WESER-KURIER und Experte in Sachen Beluga, gibt in unseren Video-Interviews Einschätzungen zur Insolvenz der Bremer Reederei.

 

Video-Interview vom 24. März 2011

Video-Interview vom 18. März 2011