"Eine Schokolade, einen groooßen Schluck Bier, eine grrrrooße Wurst und Himbeersaft und Kuchen natürlich!" Der Pumuckl weiß genau, was er sich zum Geburtstag wünscht. Am 21. Februar 1962 trieb der freche Kerl erstmals im Radio seinen "Spuk in der Werkstatt". 50 Jahre später kann seine "Mutter", die Schriftstellerin Ellis Kaut, auf 90 Hörspiele, 66 Bücher, einen Kinofilm, eine Fernsehserie, weitere Spielfilme und ein Musical zurückblicken. Der Bayerische Rundfunk ehrt den rothaarigen Jubilar im Radioprogramm von Bayern 2 am Sonntag, 19. Februar, 12.05 Uhr, mit der Ausstrahlung einer Sondersendung, sowie vom Montag, 20. Februar, bis Freitag, 24. Februar, um jeweils 18.30 Uhr, mit mehreren Hörspielen. Im Dritten Fernsehprogramm des MDR läuft am Samstag, 11. Februar, 8 Uhr, der Spielfilm "Pumuckl und sein Zirkusabenteuer" (2002, Regie: Peter Weissflog) mit Hans Clarin, Christine Neubauer und Sunnyi Melles.
Tatsächlich, was viele heute nicht mehr wissen, wurde der Fernsehstar Pumuckl im Radio groß, und sein genauer Geburtstag ist strenggenommen unbekannt. Allerdings heißt es in der Hörspielfolge "Pumuckl und der Geburtstag", er wäre "genau vor siebzigdreizehn Jahren" geboren. Außerdem kämen Klabautermänner "immer auf die Welt, wenn sie sich fürchten". Glauben mag man es hingegen kaum, dass dieser aufständische Knirps jemals vor irgendetwas Angst hatte. Gut, mit Katzen oder Heinzelmännchen kann er sich einfach nicht anfreunden. Und Käse findet er ganz fürchterlich! Aber das war's auch schon.
Wann sie zum ersten Mal die Idee für den rothaarigen Unruhestifter hatte, weiß die mittlerweile 91-jährige Ellis Kaut hingegen ganz genau: "Du bist ein rechter Pumuckl!", hielt ihr ihr Mann lachend vor, als sie ihn im Skiurlaub mit Schnee bewarf. "Ich habe ihn nicht gefragt, was und wie ein Pumuckl denn sei", erklärt die Autorin auf ihrer Homepage. "Aber Frau Franck, die Leiterin des Kinderfunks, wollte es wissen. Und dann begann ich eben zu erzählen."
Heute sitzt an Frau Francks Stelle Kai Frohner. Seit 1999 leitet der in Berlin geborene Radiomacher die Redaktion Kinder im BR und verantwortet Sendungen wie das "Betthupferl" oder das "Sonntagshuhn". Auch der Pumuckl ist ein fester Bestandteil des Programms - er musste es allerdings erst wieder werden. "Der Kinderfunk des BR war von den 60-ern bis 80-ern sehr geschichtenlastig", erklärt Frohner. "Man suchte nach Büchern, die man fürs Radio umarbeiten konnte, und stürzte sich auf Stoffe, die literarisch hochstehend waren, das heißt, wo Autoren nicht in den Verdacht gerieten, eine antipädagogische Linie zu bedienen." So wurden Geschichten der Gebrüder Grimm umgesetzt, etwas wagemutiger auch Stoffe von Astrid Lindgren. "Es gab allerdings kein journalistisches Programm wie heute. Das tägliche Lebensumfeld der Kinder wurde damals nicht abgebildet", weiß der Redaktionsleiter. Ende der 90-er sollte sich das allerdings ändern.
Ein tägliches, aktuelles Magazin wollte man haben, mit Beiträgen, in denen auch Kinder Fragen stellen und selbst beantworten konnten. "Der Pumuckl spielte damals keine Rolle, aber ich hatte ihn im Hinterkopf", erinnert sich Kai Frohner. "Meine Nachfrage im Archiv war allerdings ernüchternd: Alle Pumuckl-Folgen waren verschwunden - es hieß, sie wären einer Löschaktion zum Opfer gefallen. Damit hatte sich das Thema relativ schnell erledigt." Ein Jahr später dann die Sensation: Während der Recherche zu einer anderen Geschichte stieß man zufällig auf einen versteckten Schrank mit 70 Original-Pumuckl-Aufnahmen. Aufgrund ihres Alters waren sie während einer Umstrukturierung des BR-Archivs schlichtweg in Vergessenheit geraten. "Als wir sie auspackten, rieselte uns schon der braune Staub entgegen", lacht Frohner. "Wir mussten sie also möglichst schnell sichern und digitalisieren lassen, sonst hätten wir sie nicht mehr lange verwenden können." Seither werden diese 70 Folgen in schöner Regelmäßigkeit während der Sommerferien gesendet.
"Pumuckl neckt, Pumuckl versteckt, niemand entdeckt", plärrt der lustige Kobold seinen Fans entgegen - in einer Tonlage, die für Hans Clarin zum Markenzeichen werden sollte. 2005 verstarb der Schauspieler im Alter von 75 Jahren - und mit ihm jeder Gedanke an eine Pumuckl-Neuproduktion: "Das wäre schon fast Blasphemie", meint Kai Frohner. "Hans Clarin war Pumuckl. Sicher hat er sich und seiner Stimme damit nicht gutgetan. Aber ich habe beim Pumuckl immer nur ihn im Kopf." Anders sieht es bei der Rolle des Meister Eder aus: Der Volksschauspieler Franz Fröhlich war der Schreinermeister der ersten Stunde, musste seinen Job aber schon bald aus Krankheitsgründen aufgeben. Ihm folgte Alfred Pongratz, und als der Pumuckl 1982 schließlich endlich im Fernsehen sichtbar wurde, zog sich Gustl Bayrhammer den blauen Kittel über.
Und der Kobold selbst? Der trieb anfangs nur akustischen Schabernack, wenngleich damals schon seine roten Haare und andere Details bekannt waren. Mit einem Talentwettbewerb wollte man ihm anlässlich der ersten Buchveröffentlichung ein Gesicht geben - und Ellis Kaut entschied sich für den Entwurf der Studentin Barbara von Johnson. Der ungarische Animator Béla Ternovszky gestaltete den Klabauter schließlich für die Pumuckl-Verfilmung, für die Farbgebung war Produzent Manfred Korytowsky verantwortlich: gelb und grün - wie die Flagge Brasiliens, wo der Filmemacher aufwuchs.
Aber ist der Pumuckl heute überhaupt noch zeitgemäß? "Auf jeden Fall", ist sich Kai Frohner sicher. "Der Pumuckl fasziniert generationenübergreifend. Es gibt diesen Gegensatz zwischen dem erwachsenen Handwerker, der brummig und eigenbrötlerisch in seiner Werkstatt hantiert, und diesem Anarchisten, der alles auf den Kopf und gleichzeitig alles in Frage stellt." Das Zielpublikum seien zwar weiterhin die Grundschüler, doch unzählige Erwachsene entpuppen sich als wahre Pumuckl-Fans. "Das ist ein Rückbesinnen auf eine Welt, in der noch alles langsamer zuging", reflektiert der Radiomann. "Wenn man sich vorstellt, mit welchem Tempo der Meister Eder arbeitet, um ein Schränkchen herzustellen - dafür braucht er oft eine ganze Folge lang. Viele Erwachsene finden das unglaublich faszinierend, weil sie diesen Zustand selbt gerne wieder herstellen möchten."
Vielleicht sind das dann auch all jene, die im Münchner Luitpoldpark um die Pumuckl-Statue herumschleichen und sich an ihre Kindheit erinnern. Möglicherweise findet sich dort am 21. Februar sogar das ein oder andere Geschenk: "Eine Schokolade, ein groooßer Schluck Bier, eine grrrrooße Wurst, und Himbeersaft und Kuchen" - darüber würde sich der Kobold am meisten freuen!