Er ist ein rastloser Überflieger: 17 Millionen verkaufte Singles, fünf Millionen verkaufte Alben, über 23 Millionen Fans bei Facebook, Platz elf auf der Liste der meistgeklickten Musiker auf YouTube - das sind die harten Fakten über David Guetta, die aber wohl nur seine Fans kennen dürften. Wer mit dem Namen des französischen Musikproduzenten so gar nichts anfangen kann, wird dennoch schon mal seine Singles "When Love Takes Over (feat. Kelly Rowland)" oder "Sexy Bitch (feat. Akon)" gehört haben. Mit seiner Musik fliegt der 43-Jährige um die Welt, legt Platten auf und schreibt in einem fort neue Hits für die Tanzfläche: "Ich habe sogar auf dem Flug heute komponiert", erklärt Guetta beiläufig bei der Kölner Releaseparty zu seinem neuen Werk "Nothing But The Beat". "Und das, obwohl ich ja gerade ein Album fertig gestellt habe. Es besteht also überhaupt kein Druck, irgendetwas Neues zu schreiben. Ich mache es einfach, weil ich es liebe."
Wie sehr sich der vermeintliche Superstar und der wahre Mensch David Guetta unterscheiden, wird erst so richtig deutlich, wenn man mit ihm an einem Tisch sitzt. Ein unscheinbarer, sympathischer junger Mann, mit leicht strubbeligen Haaren in verwaschenen Jeans, T-Shirt und recht gewöhnlichen Turnschuhen. Die typischen Identifikationsmerkmale eines Stars sind ihm anscheinend unwichtig. "Ich gehe kaum aus", gibt Guetta zu. "Ich will nicht in angesagte Clubs, um mir dort einen Drink zu genehmigen und mit irgendwelchen Model-Begleiterinnen anzugeben. So bin ich nicht."
Stattdessen will Guetta einfach nur auflegen und Musik machen. Deswegen wurde sein fünftes Album "Nothing But The Beat" auch direkt ein Doppel-Album, mit einer eher radiotauglichen und einer härteren Elektro-Scheibe. Trotz der Unbekümmertheit, die Guetta in Köln zwischen Meet-and-Greet und zahlreichen Interviews an den Tag legt - die Superstars liegen ihm zu Füßen: Ludacris, will.i.am, Usher, Snoop Dogg, Jennifer Hudson, Timbaland oder Flo Rida sind nur einige der Gäste, die Guettas Platte nicht nur zu einem hochkarätigen Treffpunkt, sondern auch zu einem Garanten dafür machen, dass der Franzose auch zukünftig ein sicheres Plätzchen auf den Tanzflächen zwischen Ibiza und New York haben wird.
Guettas Ziel war es seit jeher, weiter an der Brücke zwischen Eletronic Dance Music und urbaner Kultur zu arbeiten, an deren Grundsteinlegung er mit frühen Hits wie "I Gotta Feeling" (für die Black Eyed Peas) maßgeblich beteiligt war. "Ich lenkte die Dance-Music in eine neue Richtung, als ich anfing, mit Urban Artists zu arbeiten. Das lief sehr erfolgreich", erklärt Guetta - und wirkt dabei nicht überheblich, sondern eher erstaunt über die Tatsache, dass sein Vorhaben so reibungslos funktionierte.
Neben seiner Arbeit als Musikproduzent, bei der er die Verquickung neuer Stile forciert, ist er aber auch noch - und vor allem - DJ. Das Komponieren fühle sich nach wie vor nur wie ein Hobby an. In den letzten beiden Jahren, seit dem Release des Albums "One Love", absolvierte er über 400 Shows hinter den Plattentellern und startete dieses Jahr in die achte Saison seiner wöchentlichen "F*** Me I'm Famous"-Party in der legendären Diskothek Pacha auf Ibiza. Jeden Donnerstag ist Guetta dort, zwischendrin sitzt er im Flugzeug, legt hier auf, macht dort Promotion, ist anderweitig Teil eines großen Events. Findet er da überhaupt noch Zeit für eine Pause oder so etwas wie Freizeit? "Ich glaube, so was habe ich gar nicht", stellt Guetta ohne Reue fest. Nachdem das aktuelle Album, an dem er gut zwei Jahre arbeitete, im Kasten war, versuchte er es doch mit der Freizeit. Zehn Tage hielt er nach eigener Aussage ohne Musik durch, dann wurde die Sehnsucht doch zu groß.
Dieser ständige Drang ist dann auch Beweis genug, warum ein Mensch wie Guetta erfolgreich ist. Auch andere DJs traten längst aus dem Schatten der Turntable-Pulte heraus und wurden zu Zuschauermagneten für angesagte Clubs auf der ganzen Welt. Aber Superstars wie David Guetta gibt es nur wenige. Denn um dahin zu kommen, muss ein DJ anscheinend noch härter arbeiten, weniger schlafen und mehr Auftritte absolvieren als ein Musiker vom alten Schlag. Ein mühsamer Job. Doch für Guetta, den rastlosen Super-DJ, lässt sich der Lohn für die große Anstrengung ganz einfach ausdrücken: "Ich bin sehr glücklich darüber, von und für Musik leben zu können."

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