14.10.2011

Bonnie "Prince" Billy - Wolfroy Goes To Town

Von Stefan Weber
Und er macht immer weiter: Will Oldham alias Bonnie "Prince" Billy legt einen weiteren meisterhaften Songzyklus vor.

Erst im Juni veröffentlichte Will Oldham - alias Bonnie "Prince" Billy, seit Jahren der bekannteste seiner zahlreichen Künstlernamen - eine neue Single: die A-Seite ein famoser diesseitig-lebenlustiger Country-Rock-Schunkler namens "There Is No God", die B-Seite eine eher getragene Folk-Grübelei mit dem Titel "God Is Love". Die Erlöse gingen an eine Umweltorganisation, beide Songs finden sich nun - leider - nicht auf "Wolfroy Goes To Town". Warum das alles dennoch erwähnenswert ist? Nun, es zeigt die beständige Produktivität dieses Sisyphos unter den US-Songwritern und das weite musikalische Feld, das er auf seinem neuen Album einmal mehr unermüdlich und von vorn beackert.

Um im Bild zu bleiben: Die musikalische Ernte, die er jedes Jahr einfährt, die Alben, EPs und Singles, die er zuverlässig im Jahresrhythmus veröffentlicht, kennen kein Verfallsdatum. Und damit auch kaum Qualitätsschwankungen. Das von allen Seiten anerkannte Meisterwerk? Gibt es folglich nicht. Nur seinen Arbeitsbereich hat Oldham wohl inzwischen abgesteckt: Er bewegt sich zwischen existenzialistischem, ja fast fatalistischem Songwritertum ("Master And Everyone", 2003), sphärisch-mystischem Folk ("The Letting Go", 2006) und schwelgerisch-süffigem Country ("Beware", 2009).

Ist also "Wolfroy Goes To Town" einfach nur ein weiteres Dokument dieses rastlos Suchenden und ewigen Waldschrates? Definitiv. "I've been a long time finding out where I don't belong", singt er im Opener "No Match". Er sucht und findet nicht, gehört nicht dazu. Gegen eine zu einfache Interpretation und Einsortierung in seines Gesamtwerk wehrt sich das Album aber. Auch wenn Oldham dem Titel nach erneut auf das Bild des einsamen Wolfes - wie einst bei "Master And Everyone" und dem großartigen Song "Wolf Amongst Wolves" - Bezug nimmt und die Songs allesamt in ihrer Essenz eher auf seine brüchig-zärtliche Stimme und die Akustikgitarre zugeschnitten sind, ein (ab)geschlossenes Werk ist dieses Album nicht.

Erwähntes "No Match" zuckelt sehnsüchtig-countryesk, "New Whaling" verliert sich in einem Abschiedstränen reichen Folk-Fluss von Akustikgitarre und geisterhaften Backing Vocals, und "There Will Be Spring" ist eine ziellose, mit fast expressionistisch gesetzten Einzeltönen untermalte Betrachtung Oldhams über die Vergänglichkeit. Klingt nach Schwermut? Wenn er in "New Tibet" - zweistimmig mit Unterstützung von Angel Olsen - die Eröffnungszeilen "As boys we fucked each other / As men we lie and smile" singt, darf man gerührt sein. Oder auch lächeln. Will Oldham wird in der Zwischenzeit ungerührt und unermüdlich weiterackern. Gott - oder wem auch immer - sei Dank.

Informationen zur CD
Titel:Wolfroy Goes To Town
Band/Interpret:Bonnie "Prince" Billy
Genre:Singer/Songwriter
Label:Domino
Vertrieb:GoodToGo
EAN-Code:5034202028628
Veröffentlichung:14.10.2011
Bewertung:ausgezeichnet





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