Mit "Zum Glück in die Zukunft" gelang Marteria 2010 der Durchbruch. Doch schon bevor er diese Medienpräsenz erlangen konnte, ließ der Berliner Rap-Jongleur regelmäßig mit gelungenen und von der Szene-Presse hochgelobten Veröffentlichungen die HipHop-Welt aufhorchen. Während die breite Masse von der Existenz von Marterias Alter Ego, dem mit gepitchter Stimme rappenden Marsimoto, wahrscheinlich noch keinen blassen Schimmer hat, dürfen sich die Fans des Slow-Motion-Rhetorikers und Gras-Liebhabers jetzt über dessen Rückkehr freuen. Diesmal allerdings wandern die warm wabernden Rauchschwaden aus "Grüner Samt" über ein Major-Label in die Kiff- und Kopfnick-Stuben der Nation.
Nach "Halloziehnation" und "Zu Zweit Allein" ist die nun erscheinende Rückbesinnung auf alte, "grüne" Werte bereits das dritte Album des stimmmodifizierten Marteria, der sich Marsimoto nennt. Ob der in Anlehnung an die amerikanischen HipHop-Koryphäe Madlib, der mit seinem Alter Ego Quasimoto die stilistische Blaupause lieferte, kreierte Charakter auch beim großen Publikum mit dem Schuljungenthema punktet, bleibt dabei abzuwarten. "Grüner Samt" jedenfalls kommt um einiges kantiger daher, als Marterias erster großer Wurf. Die Grundatmosphäre aber bleibt identisch entspannt.
Bereits mit dem Marihuana-Bekenntnis im Titelstück zeigen Marsimoto und sein Produzent Dead Rabbit ihr Faible für atmosphärisch dichte Elektro-Walzen und verschrobene Samples. "Grüner Samt" ist eine Weed-Ballade im Dubstep-Kostüm und durchaus melodiös. "Was ist denn mit der Realness?" wirft Marsi auf "Wellness" fragend in die Runde und wird dabei von einem treibenden und hoch motivierenden Peter-Fox-Orchester begleitet.
Den vielleicht genialsten Streich aber liefert Dead Rabbit mit dem Instrumental für "Indianer" ab, das einmal ohne Elektro-Nebel auskommt und allein durch hypnotisch gesetzte Vokal-Samples zum Kopf-Kino einlädt. Die typische schleppende Rhythmik und unendlich weitgezogene Synthie-Teppiche bestimmen weitgehend das zurückgelehnte Rap-Album. Ideal, um als "Marsi der Zigeuner" surreale Anekdoten übers Kiffen, über den Beziehungsstatus ("Ich Tarzan, Du Jane") oder über den perfiden Überwachungsapparat ("Alice im W-Lan Land") in Reimform zu packen. Künstlerisch ist das Major-Debüt Marsimotos gelungen. Ob es schon für eine grüne deutsche Sommer-Hymne 2012 reicht, bleibt fraglich, aber nur zu wünschen.
Marsimoto auf Deutschland-Tournee:
08.03., Rostock, Zwischenbau
09.03., Berlin, Astra
10.03., München, Backstage
11.03., Hamburg, Übel & Gefährlich
12.03., Bochum, Untergrund
14.03., Frankfurt, Batschkapp
15.03., Saarbrücken, Garage
16.03., Stuttgart, Schräglage
21.03., Erlangen, E-Werk
22.03., Köln, Bahnhof Ehrenfeld
23.03., Heidelberg, Karlstorbahnhof
24.03., Dresden, Showboxx
| Informationen zur CD | |
|---|---|
| Titel: | Grüner Samt |
| Band/Interpret: | Marsimoto |
| Genre: | HipHop |
| Label: | Four Music |
| Vertrieb: | Sony |
| EAN-Code: | 0886919135428 |
| Veröffentlichung: | 13.01.2012 |
| Bewertung: | ausgezeichnet |
|---|