Man muss es ihm lassen: David Garrett meint es ernst, und er handelt immer wieder danach. Er meint es ernst mit dem von ihm propagierten Crossover zwischen Rock/Pop und Klassik, und er weiß, wo seine Wurzeln liegen. Bereits mit 17 spielte das einstige Wunderkind Mozart, Bach und Beethoven ein. Und noch heute sagt Garrett, der sich gerne als Rebell mit der Geige gibt, dass er in seinem Herzen "ein seriöser klassischer Musiker" sei. Hätte es dafür noch eines Beweises bedurft, so wird er mit seiner Interpretation von Beethovens Violinkonzert geliefert. Die Aufnahme mit dem Royal Philharmonic Orchestra und Ion Marin überzeugt nicht nur den Fan, der sowieso an Garrett glaubt.
Brav sieht der Wahl-New Yorker auf dem Cover seiner CD mit dem etwas merkwürdigen Titel "Legacy" ("Erbschaft" oder "Erbe") aus. Auch die Schwiegermutter hätte am Krawattenknoten ihre Freude. Soll das nun der ehrliche, der brave Klassik-David sein? Und wer ist dann der andere, der mit den Stiefeln und den zerbeulten Jeans und dem fertigen Gesichtsausdruck mit den tief liegenden Augen und dem Totenkopfring?
Wer so fragt, geht fehl. Marketing muss nun mal sein - es darf nur nicht alles sein. Genau das hat David Garrett seit seiner Jugend hinter sich, als die Eltern, vor allem der Geigen-Vater, ihm vorschrieben, wo es lang geht und was er zu sagen und zu spielen habe. Die Zeiten sind längst vorbei, der Publikumsmagnet, der unverdrossen die Jugend für die Klassik gewinnen will, bestimmt nun sehr gezielt, was und wie er es macht. Die rebellische Pose soll auf ihn massenhaft aufmerksam machen. Preise wie die Goldene Kamera und Echos und tragen ein Übriges dazu bei. Der Echo 2010, den er bekam, hieß "Klassik ohne Grenzen" - was ziemlich genau den Kern dessen trifft, was er will und was er macht. Über Genre-Grenzen zu gehen, ist Garretts Leidenschaft. Dass so was Schwerstarbeit bedeutet und viel Selbstkontrolle erfordert, kann gar keine Frage sein.
Nun geht Garrett aber zurück zu seinen Wurzeln, mit dem Beethovenkonzert, dem Ausweis schlechthin fürs Geigenmetier, mit dem er sich nicht ganz unfreiwillig mit den Großen von Oistrach bis Anne-Sophie Mutter misst. Garretts Einstieg ist denn auch zart-suchend, eine Zurückhaltung, die angemessen wirkt. So bleibt Platz für die Steigerung, für die große Linie bis zum Finale des auf der Geige leichthin getanzten dritten Satzes. Man hört beim nunmehr 31-Jährigen einen entschlackten Beethoven, wobei allerdings das Orchester (oder der Mann am Regler) die Crescendi mitunter übertreibt.
Vielleicht hätte man sich als Dreingabe und Teil zwei etwas anderes gewünscht als ausgerechnet Garretts Lieblingskomponisten Kreisler. Aber was soll's: Die Brücke dahin ist mit den Kreisler-Kadenzen im Beethovenkonzert bereits gebaut. Und nicht zuletzt beweist Garrett auch hier wieder einmal, dass das Leichte, wie etwa die "Caprice Viennoise" oder das wehmütige "Liebesleid" einfach den besten Mann verdient.
David Garrett auf Deutschland-Tournee:
12.04.2012, Hamburg, O2 World
13.04.2012, Dortmund, Westfalenhalle
14.04.2012, München, Olympiahalle
16.04.2012, Nürnberg, Arena
17.04.2012, Leipzig, Arena
18.04.2012, Hannover, TUI-Arena
20.04.2012, Halle/Westfalen, Gerry-Weber-Stadion
21.04.2012, Düsseldorf, ISS Dome
01.05.2012, Frankfurt, Alte Oper
02.05.2012, Berlin, Philharmonie
03.05.2012, Hamburg, Laeiszhalle
05.05.2012, Düsseldorf, Tonhalle
07.05.2012, Stuttgart, Beethovensaal
08.05.2012, Leipzig, Gewandhaus
09.05.2012, München, Philharmonie
15.05.2012, Köln, Philharmonie
13.11.2012, Oberhausen, König-Pilsener-Arena
16.11.2012, Köln, Lanxess-Arena
17.11.2012, Berlin, O2 Arena
19.11.2012, Frankfurt, Festhalle
24.11.2012, Mannheim, SAP-Arena
25.11.2012, Stuttgart, Schleyerhalle
27.11.2012, Erfurt, Messehalle
28.11.2012, Bremen, ÖVB-Arena
| Informationen zur CD | |
|---|---|
| Titel: | Legacy |
| Band/Interpret: | David Garrett |
| Genre: | Klassik |
| Label: | Decca / UID |
| Vertrieb: | Universal |
| EAN-Code: | 0028947644255 |
| Veröffentlichung: | 04.11.2011 |
| Bewertung: | ausgezeichnet |
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