02.12.2011

Andrea Bocelli - Concerto - One Night In Central Park

Von Hans Czerny
Amerikaner nennen so was "Once in a Lifetime"-Event: Am 15. September sang Andrea Bocelli vor 60.000 im New Yorker Central Park.

Auf Schuberts "Ave verum", das er bei der Trauermesse für seinen Freund Luciano Pavarotti im Dom von Modena sang, verzichtete Andrea Bocelli auch bei seinem New Yorker Freiluftkonzert im Central Park nicht. Es wird sogar kolportiert, er habe das wegen der Bitte um gutes Wetter getan. Dass es dann doch regnete an diesem New Yorker Abend im September, der nun als "Concerto - One Night In Central Park" auf CD und DVD erscheint, störte den Crossover-Sänger Bocelli nicht. Genauso wenig wie die Tatsache, dass trotz Verbots viele Regenschirme aufgingen. Ein wenig spielt der Niederschlag Bocelli sogar in die Karten: Es ist auch dadurch ein denkwürdiger Abend, an dem Bocelli einmal mehr wahre Gefühle vor großem Publikum preisgibt. Er läuft bei großen Anlässen stets zur Bestform auf, wie er bereits zu Beginn seiner Karriere bei volkstümlichen "Nights Of The Proms" in den Niederlanden und Belgien bewies. Hierzulande wurde er mit der Henry-Maske-Hymne "Time To Say Goodbye" berühmt.

Auch beim New Yorker Abend fehlt die Hymne von 1996 nicht. Damals war Sarah Brightman die Partnerin, heute singt Ana Maria Martinez an seiner Seite. Und die Neue lässt an Herz und Gefühl überhaupt nichts zu wünschen übrig. Wäre da nicht die Zugabe mit Puccinis "Turandot"-Hit "Nessun Dorma" - es wäre ein wunderbarer Schlusspunkt des Abends im Central Park gewesen.

Andrea Bocelli ist einer der wenigen klassischen Tenöre, die an einem Abend den Schritt vom Opernrepertoire zur leichten Muse schaffen. "Er hat einfach so viel Soul", sagte der Sänger Zucchero über den blinden Sänger aus Pisa bereits am Beginn seiner Karriere 1992. Mag er auch manchmal ein wenig Unsicherheiten zeigen, sich allzusehr auf die glücklich erreichten Schlusstöne zu kaprizieren: Bocelli ist noch immer ein Sänger, der sich wie kein Zweiter auf die große Geste und das Understatement versteht.

Den Lautsprecherbatterien, den nassen Kabelnetzen im Central Park mag es geschuldet sein, dass die Technik mitunter ein wenig wacklig rüberkommt. Und dem Beifall der Zuschauer meint man mitunter anzumerken, dass sie nicht eben die Kundigsten sind. Überragend sind die Duette aus "André Chenier" (mit Ana Maria Martinez) und "La Bohème" (mit Pretty Yende). Auch das Trinklied aus "La Traviata" (Yende, Terfel, Martinez) ist selbstredend ein Fest. Im leichteren zweiten Teil wird gecroont ("New York, New York", mit Tony Bennett) und geschmalzt, was das Zeug hält. Der San Remo-Schlager "Volare" und "Funiculi Funicula" sind Grüße nach Little Italy. Die New Yorker Philharmoniker durften mit perfekter Performance die Einheimischen für die diesmal (wegen 11. September) ausgefallenen Umsonst-Konzerte im Central Park versöhnen. Apropos Versöhnung: Wer die Aufnahme - samt zugehöriger DVD - unter den Christbaum legt, ist jederzeit auf der sicheren Seite.

Informationen zur CD
Titel:Concerto - One Night In Central Park
Band/Interpret:Andrea Bocelli
Genre:Klassik/Pop
Label:Polydor
Vertrieb:Universal
EAN-Code:0602527787725
Veröffentlichung:11.11.2011
Bewertung:überzeugend