Christina Pluhars neues Album "Los Pájaros Perdidos - The South American Project" ist eine Reise durch Zeit und Raum. Da wird die Musik des alten Europa, insbesondere des Barock, ausgerechnet in den Rhythmen und Melodien Südamerikas wiederentdeckt und vom hochklassigen Ensemble L'Arpeggiata mal mitreißend, mal mit zwingender Präzision vorgetragen. Ein unglaubliches Gitarren-, Harfen- und Percussionfest ist das, das alten Volkstänzen und -liedern höchste Ehren erweist - egal ob es sich nun um Boleros, Flamencos oder Fandangos handelt.
Es müsste schon mit unrechten Dingen zugehen, wenn nicht auch dieses Album wieder einen Klassik-Echo bekäme - genauso wie die drei Vorgänger, etwa "Teatro d'Amore", die außergewöhnliche barocke Jam-Session mit dem Material von Claudio Monteverdi.
Diesmal rauschen nur so die Harfen, melodieren die Stimmen der Solisten mal melancholisch-traurig, mal lateinamerikanisch frech. Schade nur, dass man die spanischen Volkslied-Texte nur erahnen kann. Aber immerhin weckt die Musik so die Lust auf einen Spanischkurs.
Man kann aber auch ohne komplettes Textverständnis die originellen Trompetenstöße und die schnellen Zungen der Sängerinnen genießen - der Komödiencharakter der Handlung ist deutlich zu erkennen. Manchmal meint man gar die alten Herren vom Buena Vista Social Club durchzuhören und ihren motorischen kubanischen Son.
Das gilt sowohl für das traurige argentinische Schlaflied "Duerme negrito", mit der Engelsstimme des Countertenors Philippe Jaroussky vorgetragen, als auch für den Gassenhauer "Besame mucho", den die Sopranistin Raquel Andueza so wunderbar ruhig und gelassen singt.
Man weiß nicht recht, was man höher schätzen soll, die traurige Hommage auf die argentinische Dichterin Alfonsina Storni ("Alfonsina y el mar"), die zeitlebens unter Depressionen litt und doch die schönsten Gedichte verfasste, oder den "Fandango" von Antonio Soler, den Christina Pluhar als Fest der behenden Harfen neu arrangierte.
Wieder haben Pluhar und ihr Superensemble Grenzen gestürmt und sich nicht mit der trockenen historischen Aufarbeitung musikalisch-historischer Stile begnügt. Man muss die verschlungenen Wege dieser Musik der drei Richtungen (Sklaven, Indianer, Europäer) gar nicht so genau kennen, wie vielleicht von Pluhar gewünscht. Man nehme das Ganze einfach als Fest der Harfen, der Congas und der Stimmen und genieße es.
| Informationen zur CD | |
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| Titel: | Los Pájaros Perdidos - The South American Project |
| Band/Interpret: | Christina Pluhar |
| Genre: | Klassik |
| Label: | Virgin Classics / EMI Classics / Capitol |
| Vertrieb: | EMI |
| EAN-Code: | 5099967851621 |
| Veröffentlichung: | 20.01.2012 |
| Bewertung: | Meisterwerk |
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