03.02.2012

Mark Lanegan Band - Blues Funeral

Von Klaas Tigchelaar
Kann's auch solo: Rock-Teamplayer Mark Lanegan und seine Stimme halten seinen elektronifizierten Blues-Rock zusammen.

Abschreiben sollte man Mark Lanegan und seine Reibeisenstimme noch lange nicht - auch wenn sein letztes Soloalbum bereits acht Jahre zurückliegt. Nach den Veröffentlichungen mit den Gutter Twins, den Arbeiten mit Isobel Campbell und seinen Freunden von Queens Of The Stone Age macht er hier wieder solo alles richtig. Wer sich noch an das kratzig-rauchige Stimmtimbre vergangener QOTSA-Veröffentlichungen mit Lanegan als Gastsänger erinnert, mag vielleicht ernsthafte gesundheitliche Probleme des ehemaligen Screaming-Trees-Frontmannes Gedanken vermutet haben. Aber genau dafür ist "Blues Funeral" ein ziemlich stimmiger Gegenbeweis, Lanegan zeigt sich hier stimmlich so flexibel wie lange nicht mehr.

Der kauzige Musiker ist Crooner, Grummler, Sänger und Poet in einem - passend zur vielschichtigen Musik. Auch wenn "The Gravedigger's Song" als Eröffnung mit verzerrtem Bass und düster grollenden Gitarren erstmal ein bedrohlich-aggressives Fass aufmacht, sind die Spielwiesen für dieses siebte Soloalbum groß. "Gray Goes Black" knüpft mit souveräner Eleganz an die letzte Albumveröffentlichung "Bubblegum" von 2004 an - gestandener Elektro-Blues, der keine Minute langweilt oder falsche Klischees aufkocht. "Ode To Sad Disco" treibt die vermeintliche Provokation noch einen Schritt weiter und setzt auf elektronische Discobeats, deren Tanzfläche von entfernt-dröhnenden Gitarren und angedeuteten Synthesizerflächen eingerahmt wird.

Teamplayer Lanegan setzt natürlich auch solo auf gute Zusammenarbeit. Die obligatorische Gästeliste ist mit Josh Homme (QOTSA) sowie Gutter-Twins-Mitstreiter Greg Dulli (Twilight Singers) erwartbar, mit Jack Irons (Red Hot Chili Peppers, Pearl Jam) und Alain Johannes (Eagles Of Death Metal) aber eher ungewohnt besetzt. Letztlich gehören aber wohl doch alle zum Freundeskreis, der in Los Angeles dieses Album einspielte. Schnittmenge bleibt bei all diesem Variantenreichtum aber Lanegans Stimme. Sie sorgt dafür, dass "Blues Funeral" frisch, sympathisch und stets auf eine unberechenbare Weise anschmeichelnd wirkt. Ein großer Wurf.

Mark Lanegan Band auf Deutschland-Tournee:

14.03., Köln, Gloria

15.03., Hamburg, Gruenspan

18.03., Berlin, Columbia Club

Informationen zur CD
Titel:Blues Funeral
Band/Interpret:Mark Lanegan Band
Genre:Blues/Rock/Elektro
Label:4AD / Beggars Group
Vertrieb:Indigo
EAN-Code:0652637320220
Veröffentlichung:03.02.2012
Bewertung:ausgezeichnet