23.12.2011

Ronny Weiland - Russische Seele

Von Wilfried Geldner
Man muss es ihm lassen: Der große "Russe" Ivan Rebroff hat ihn zu seinem Nachfolger bestellt. Nun ist Ronny Weiland die "russische Seele".
Als "Stimme der Extraklasse" versucht Ronny Weiland in die Fußstapfen des 2008 verstorbenen Ivan Rebroff zu treten.
Als "Stimme der Extraklasse" versucht Ronny Weiland in die Fußstapfen des 2008 verstorbenen Ivan Rebroff zu treten.

Russische Klänge, glaubt Bassbariton Ronny Weiland, sind wieder angesagt. Der gelernte Steinmetz, 1975 in Jena geboren, weiß sogar, was die Hörer daran fasziniert: "Zum einen lässt sich die russische Sprache mit ihren Vokalen ganz anders zum Klingen bringen als die deutsche. Außerdem umgibt sie eine unbeschreibliche Mystik." Nun bringt Weiland, der mit 29 seine Sängerkarriere begann, bei Sony das Kosaken-Album "Russische Seele" heraus. Aus ganz eigener Erfahrung spricht er gar, wenn er hinzufügt: "Wenn ich meine Lieder in der Kirche singe, dann kann ich regelrecht beobachten, wie die Leute Gänsehaut kriegen."

Ohne jetzt weiter die von Weiland angemerkten Unterschiede zwischen Ost und West zu vertiefen, lässt sich leider feststellen: Rührung auf Russisch, was immer man davon halten mag, stellt sich bei seinem Album "Russische Seele" nur selten ein. Da hat er gegenüber seinem Mentor Ivan Rebroff, den er kurz vor dessen Tod auf einer Tournee vertrat, noch gewaltigen Nachholbedarf.

Das gilt auch für seine Texte, auf Russisch singt er - trotz seiner Ankündigungen - leider eher selten. Aber hört man sich auf seiner Kosaken-CD bis zum Ende durch, darf man dann doch noch ein paar Tränchen verquetschen: Ein Schuft, wer beim Volkslied "Abendglocken" - nicht von ungefähr russisch - nicht ins Träumen kommt. Da überspringt der Mann mit Bass- und Kopfstimme dann doch mehrere Oktaven und tut es so seinem 2008 verstorbenen Meister gleich.

Mit anderen Liedern aber jagt er dem Hörer eher einen schönen Schrecken ein. Da knarrt der Kehlkopf mit viel Verstärkung, wird mit viel Tremolo und Überakzentuierung alles auf Mitklatsch-Schlager getrimmt. Die Balaleika marschiert im Zweiviertel-Takt. Von den deutschen Versen ganz zu schweigen. Die Kosaken reiten, hurtig geht es über die Steppe dahin - und die Mädels weinen. Und ja: "Dr. Schiwago" klingt schwer nach Karel Gott,das sentimentale Wolgalied mit seinem wunderbaren Lehar-Flehen ("Hast du dort oben vergessen auf mich") bleibt hier merkwürdig seelenlos. Auch deswegen sind für Ronny Weiland Ivan Rebroffs Kosakenstiefel noch viel zu groß. Aber das kann ja alles irgendwann noch werden.

Informationen zur CD
Titel:Russische Seele
Band/Interpret:Ronny Weiland
Genre:Schlager
Label:Ariola
Vertrieb:Sony
EAN-Code:0886979420526
Veröffentlichung:25.11.2011
Bewertung:akzeptabel