Die Anwälte behaupteten, dass durch den Angriff auf die Tanklaster 91 Frauen zu Witwen und 163 Kinder zu Waisen wurden. Fünf weitere Tote wurden von ihnen den Taliban zugerechnet. Das Verteidigungsministerium hat nach Angaben der Anwälte den Erhalt eines Briefes bestätigt, in dem die Bundesregierung zu Gesprächen über Forderungen der Hinterbliebenen aufgefordert wurde.
Popal hat 78 Vollmachten von verletzten Opfern und Hinterbliebenen in der Tasche. Der Bremer sieht sich durch die dramatische Entwicklung in Berlin bestätigt. Schon nach dem durch die Bundeswehr veranlassten Bombardement hatte er gegenüber unserer Zeitung behauptet, dass die Bundeswehr eine Übersicht über die zivilen Opfer verhindern wollte. Sollte es zu keiner außergerichtlichen Einigung kommen, wollen die vier auf Schadenersatz wegen fehlerhaften und grob fahrlässigen Verhaltens der Bundeswehr klagen.
Popal hat die Recherche in Afghanistan mit hohem persönlichen Einsatz betrieben. Während seiner letzten Afghanistan-Reise bekam er Morddrohungen von einem gewissen Mullah Hassan, der sich als Taliban ausgab. Die Bundeswehr holte ihn aus seinem Hotel, brachte ihn ins deutsche Feldlager. „Nette Jungs“, erinnert sich Popal, „wie sie uns geholfen haben“. Er erlebt es als Belastung, gegen die Bundeswehr wegen ihres Verhaltens am 4.September juristisch vorzugehen, gleichzeitig aber auch die Arbeit der deutschen Soldaten am Hindukusch zu loben. Ihr Engagement für Afghanistan hebe sich klar vom Vorgehen der US-Truppen ab.
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Mullah Hassan von den Taliban? Popal glaubt nicht dran. Woher sollten sie seine Handynummer haben? Die hatten andere. Und denen unterstellt er auch mögliche Motive für den Drohanruf. Etwa dem Gouverneur der Provinz Kundus, Mohammed Omar. „Vielleicht wollte er mir Angst machen, damit ich nicht weiter recherchiere über seine Vertuschungen der zivilen Opfer.“ Gouverneur Omar hatte im September mitgeteilt, 30 zivilen Opfern des Nato-Angriffs je 2000 Dollar gezahlt zu haben. Popal bestreitet beide Zahlen. Der Deutsch-Afghane geht noch weiter in seiner Kritik. „Der Gouverneur ist ein Kriegsverbrecher, der jeden töten lässt, der gegen ihn ist. Und das alles unter dem Motto des ,Kampfs gegen die Taliban’. Damit wird dann alles gerechtfertigt, obwohl es sich eventuell allenfalls um Blutrache handelt.“
Das Bombardement auf die Tanklastzüge bringt Gefahr in Popals Leben, aber auch neue Kontakte zu Landsleuten, die Hilfe von ihm erwarten. Der Abgeordnete Safi aus dem Kabuler Parlament forderte Popal auf, sich auch um andere schreckliche Vorfälle zu kümmern. Safis Vorwurf: In der Provinz Kapisar hätten die französischen Isaf-Soldaten 19 Afghanen mit Kopfschuss hingerichtet. Weil sie, zitiert Popal den Abgeordneten, wie Taliban ausgesehen hätten.

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