Computer

 - 27.01.2010

Internet-Nutzung steigt weiter rasant

Von Reinhard Wirtz
Köln. Hart arbeitet die Internetwirtschaft nach wie vor daran, ihre geschäftlichen und Privatkunden von den Vorzügen des World Wide Webs zu überzeugen. Weit ist sie dabei schon gekommen: Es gibt kaum noch einen PC oder einen Laptop, der nicht schon über eine Online-Anbindung verfügt. Gleiches gilt für Mobilfunkgeräte. Und selbst das Fernsehen öffnet neuerdings das Tor zum Internet. Die Internetwirtschaft entwickelt sich rasant, und die Branche blickt optimistisch in die Zukunft, wie eine aktuelle Studie zeigt.
Intel-Chef Paul S. Otellini präsentierte kürzlich eine neue Mischung aus Smartphone und Tablet-PC - natürlich mit Internetzugang.
Intel-Chef Paul S. Otellini präsentierte kürzlich eine neue Mischung aus Smartphone und Tablet-PC - natürlich mit Internetzugang.

Die Zahl der Internetnutzer ist in Deutschland in den vergangenen Jahren stark gestiegen: Im Jahr 1997 waren erst 6,5 Prozent der Bevölkerung im Alter über 14 Jahren online, im Jahr 2000 waren es 28,6 Prozent, 2004 schon 55,3 und im ersten Quartal 2009 bereits 67,1 Prozent aller Bundesbürger. Diese Zahlen präsentierten

gestern der Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco) und die Wirtschaftsberatung Arthur D. Little. Die Grundlage bildete eine gemeinsame Erhebung unter 700 Unternehmen und Experten mit dem Titel 'Die deutsche Internetwirtschaft 2009-2012. Überblick, Trends und Treiber'.

Immer mehr Zeit im Netz

Laut Arthur D. Little und eco besteht die Internetwirtschaft in Deutschland aus rund 6000 überwiegend mittelständischen Unternehmen, die im Jahr 2008 einen Umsatz von 45,7 Milliarden Euro erwirtschaftet haben. Den Löwenanteil konnten sich mit 27 Milliarden Euro E-Commerce-Unternehmen sichern, den Umsatz mit Online-Werbung beziffern die Autoren für den untersuchten Zeitraum auf 3,78 Milliarden Euro. Weitere 17 Milliarden Euro Umsatz entfielen demnach auf Firmen, die für die notwendige Netzinfrastruktur und deren Betrieb sorgten. Führend in dieser Sparte waren dabei die Anbieter von Festnetz-Internet (77 Prozent Anteil), während sich die Anbieter mobiler Online-Dienste zwölf Prozent dieser Umsätze sichern konnten.

Nach der Untersuchung verschiebt sich das Nutzerverhalten ständig weiter zugunsten des Internets. Bis 2012 wird sich die Zeit der Internetnutzung jährlich um 4,6 Prozent erhöhen, prognostizieren die Gutachter. Damit werde der Online-Anteil am Medienkonsum von jetzt 13 auf 19 Prozent steigen, diese Entwicklung werde wesentlich zulasten von Radio und Fernsehen stattfinden.

'Die deutsche Internetwirtschaft zeigt sich von der aktuellen Wirtschaftskrise relativ unbeeindruckt, das Geschäftsklima ist sehr positiv', heißt es in der Studie. Die Markterwartungen für die kommenden Jahre seien auf der Basis der aktuellen Geschäftsergebnisse 'insgesamt positiv'. Mit Ausnahme der Teilmärkte, die auf Festnetz- und Mobilfunkanschlüsse gerichtet sind, rechnen die befragten Unternehmen und Experten mit durchgehend positiven Entwicklungen.

Was macht die Marktteilnehmer überwiegend so optimistisch? Als wesentlicher Treiber und als Schlüsseltechnologie für die kommenden Jahre wird das Internetprotokoll IPv6 angesehen: Es soll Internetadressen (IP-Adressen) in unbegrenzter Zahl zur Verfügung stellen und damit prinzipiell alles und jedes online adressierbar machen.

Wichtig sei der IPv6-Adressraum beispielsweise für die Telemedizin, für das 'Internet der Dinge', für die intelligente Steuerung von Gebäuden und für das interaktive Internet-Fernsehen, betont der Branchenverband eco. Auch der Ausbau der (mobilen) Breitbandversorgung sei ohne diese Technologie nicht denkbar.

An der Suche nach neuen Angeboten und Dienstleistungen wollen die Internetunternehmen künftig zunehmend ihre Kunden beteiligen. Diesem in der Branche unter dem Schlagwort 'open innovation' geführten Vorgehen sprachen 47 Prozent der von eco und Arthur D. Little Befragten eine hohe bis sehr hohe Bedeutung zu. Die Unternehmen setzen dabei auf Nutzertrends, die sie teilweise selbst mit forcieren. So sollen bessere Geräte, mehr Bandbreite und günstigere Datentarife das mobile Internet tauglich für den Massenmarkt machen und es 'zum universellen Assistenten und Alltagshelfer' weiterentwickeln.

Neue Geschäftsprozesse

Schon heute sichtbare Ansätze könnten besonders den geschäftlichen Umgang mit dem Internet künftig auf eine völlig neue Grundlage stellen und der Internetbranche milliardenschwere Umsätze bescheren: Die Auslagerung von Software und die Abbildung von Hardwarekomponenten in virtuellen Umgebungen bringen völlig neue Geschäftsprozesse hervor.

Anwendungen, die bislang auf einzelnen Computern installiert waren, können künftig in einer neuen Online-Architektur nach Bedarf bestellt, genutzt und natürlich auch bezahlt werden. In der Speicherung von Daten im Internet, in der Zusammenarbeit von Projektteams über das Internet und im ständigen Anwachsen von Online-Dienstleistungen sehen die Autoren der Studie weitere Trends, die die wirtschaftliche Bedeutung der Online-Dienste weiter steigern können.

Eine ähnliche Funktion kommt demnach auch dem Umgang mit Videos zu: Nicht nur Privatnutzer werden in Zukunft zunehmend Videos im Internet bereitstellen und austauschen. Auch Firmen seien gehalten, den Dialog mit ihren Kunden mehr und mehr per Video zu pflegen, etwa durch Video-Produktbeschreibungen.

Für die Kommunikation der Kunden untereinander und im Austausch zwischen Firmen und Kunden würden soziale Netzwerke wie Twitter zunehmend wichtiger. Allerdings: Viele Nutzer allein helfen nichts, sie müssen auch Geld bringen, räumen die Autoren der Studie ein. Nach wie vor wird bei internetbasierten Geschäftsmodellen händeringend nach zahlender Kundschaft gesucht, meist über Werbung.






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