Energiewende

 - 06.01.2012

Commerzbank warnt vor Kreditklemme

Bremen. Nach Stromversorgern und Netzbetreibern warnt nun auch erstmals eine große deutsche Bank vor dem Scheitern der Energiewende. Die Commerzbank sieht die Geldinstitute mit der Finanzierung überfordert und warnt vor einer Kreditklemme.
Jan-Philipp Gillmann, Chef der Abteilung für Erneuerbaren Energien bei der Commerzbank.
Jan-Philipp Gillmann, Chef der Abteilung für Erneuerbaren Energien bei der Commerzbank.

„Die Banken werden den Investitionsbedarf allein nicht abdecken können“, sagte Jan-Philipp Gillmann, Chef der Abteilung für Erneuerbaren Energien bei der Commerzbank, dem WESER-KURIER (Samstagausgabe). Als Begründung nannte er die höheren Auflagen an die Eigenkapitalquote und lange Finanzierungslaufzeiten. Das dämme bei den Banken die Neigung, sich in kapitalintensiven und risikobelasteten Projekten wie Offshore-Windparks zu engagieren.

Dazu komme die Unsicherheit, welche weiteren Regularien und Eruptionen am Finanzmarkt noch folgen könnten. „Kreditzusagen werden angesichts der Schwäche- und Restrukturierungsphase im Bankensektor künftig eher abnehmen als zunehmen“, sagt Gillmann. „Damit öffnet sich die Schere zwischen Installationsbedarf und Kapitalangebot erheblich.“ Die Commerzbank ist nach eigenen Angaben mit einem Portfolio von rund fünf Milliarden Euro größter Finanzierer von Erneuerbaren Energien in Deutschland.

Das Investitionsvolumen allein für Offshore-Windparks in europäischen Gewässern wird in den kommenden Jahren auf 75 Milliarden Euro geschätzt, 30 Milliarden sollen vor Deutschlands Küsten verbaut werden. Das klassische Finanzierungsmodell, bei der die Banken knapp zwei Drittel der Investitionssumme für einen rund 1,5 Milliarden Euro teuren Windpark als Fremdkapital stellen, werde es anders als an Land bei Offshore nicht mehr geben.

„So hohe Mittel werden von den Banken nicht in Offshore-Projekte fließen“, sagte Gillmann. Realistisch sei ein finanzielles Engagement einer Bank von eher 75 bis 80 Millionen Euro pro Projekt. Auch die Energieversorger und mehr noch die Stadtwerke, die vorläufig hinter den meisten Windparks stehen, hätten nur eine begrenzte Kapitalkraft. „Ohne neue Akteure oder Finanzierungsinstrumente wird sich die Energiewende nicht bezahlen lassen“, sagt Gillmann. Investmentfonds oder auch Versicherungen kämen dafür in Frage, so  bald sie das technische Risiko auf See für kalkulierbar hielten.

Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) fordert schnellstmöglich einen „Masterplan“ und die Schaffung eines eigenen Energieministeriums, um die Zuständigkeiten zu bündeln. „Die Energiewende ist im vorgegebenen Zeitplan noch zu schaffen“, sagt sie gegenüber dem Blatt. „Aber dafür müssen schnell einige Hebel umgelegt werden.“ Es bestehe die Gefahr, dass bei einer anhaltenden Krise weitere Verzögerungen drohten. „Insofern ist die Bundesregierung eindeutig in der Pflicht, der Branche mehr Rückendeckung zu geben“, sagte Kemfert. (wk)





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