Das sind 700 oder 3,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Verglichen mit dem Stand von 2008 hat die Branche sogar 3800 Arbeitsplätze verloren, teilte die IG Metall am Mittwoch in Hamburg mit. Grundlage für die Daten ist eine Umfrage bei den Betriebsräten von allen 42 deutschen Seeschiffswerften.
Der Branchenverband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) nennt andere Zahlen, weil er Leiharbeiter und Werkverträge anders rechnet. Er kommt per Ende 2009 auf knapp 22 000 Beschäftigte bei deutschen Werften.
«Der deutsche Schiffbau ist in seiner Substanz gefährdet», sagte Bezirksleiterin Jutta Blankau. Der Bau von Containerschiffen sei in Deutschland endgültig vorbei, neue Aufträge gebe es nur noch im Spezialschiffbau. In den vergangenen zwölf Monaten seien lediglich 22 Aufträge bei den Schiffbaubetrieben in Deutschland eingegangen.
Die besten Werften haben noch Aufträge für zwei bis drei Jahre, danach sieht es finster aus. Schon jetzt sind rund 3000 Werftbeschäftigte in Kurzarbeit. Leiharbeit, befristete Beschäftigung und Werkverträge nehmen zu; gleichzeitig klagt die Branche über Facharbeitermangel.
«Es fehlt nicht nur an Aufträgen, sondern auch an einem geeigneten Konzept der Bundesregierung, die Krise zu bewältigen», sagte Blankau. Notwendig seien staatliche Hilfen in der Krise, wie sie auch in Frankreich und Italien gewährt würden, etwa durch Kredithilfen, Zinszuschüsse und Bürgschaften. Ohne Unterstützung des Bundes könnten die Betriebe die Chancen in den Bereichen Offshore und Umweltschutz nicht wahrnehmen.
Das Problem in der globalen Schiffbaubranche sind Wettbewerbsverzerrungen durch die Werften in Korea, China und mittlerweile auch Vietnam und Indien, wo der Schiffbau als Schlüsselbranche massive staatliche Unterstützung genießt. Die Bundesregierung sehe im Schiffbau zwar ebenso eine hochtechnologische Spitzentechnik, verweigere aber echte Hilfen.
Harte Kritik äußerte der IG-Metall-Werftexperte Heino Bade am maritimen Koordinator der Bundesregierung, dem FDP-Politiker Hans-Joachim Otto. Der belehre stets über wettbewerbsrechtliche und ordnungspolitische Grundsatzfragen. «Ich habe etwas besseres zu tun, als über neoliberalen Unsinn zu diskutieren», sagte Bade. (dpa)