Gesundheit

 - 10.02.2012

Komasaufen verhindern: Kinder vor Pubertät aufklären

Hamm. Jugendliche haben zuletzt seltener zum Alkohol gegriffen als früher - doch das gefährliche Koma-Saufen ging weiter. Eltern können das Trinkverhalten ihrer Kinder beeinflussen. Damit müssen sie aber früh beginnen.
Jugendliche trinken weniger
Jugendliche trinken insgesamt weniger. Beim Alkohol gibt es trotzdem ein Problem: Es wird weiterhin gern bis zur Besinnungslosigkeit getrunken. (Foto: Martin Gerten)

Komasaufen kommt bei einem großen Teil der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Deutschland weiter regelmäßig vor. So stieg der Anteil derer, die sich mindestens einmal im Monat betrinken, bei den 18- bis 25-Jährigen binnen eines Jahres von 37,9 auf 41,9 Prozent im vergangenen Jahr, teilten die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und die Bundesregierung am Freitag (10. Februar) mit. Bei den 12- bis 17-Jährigen sank der Anteil in dem Zeitraum von 16,7 auf 15,2 Prozent. 2004 gaben in dieser Altersgruppe noch 22,6 Prozent an, sich in den 30 Tagen vor der Befragung in einen Rausch getrunken zu haben. Bei den 18- bis 25-Jährigen waren es bei der ersten Erhebung 2004 rund 44 Prozent.

Wollen Eltern das verhindern, müssen sie früh ansetzen. Zwischen 10 und 11 sei das entscheidende Alter, kurz bevor die Pubertät einsetze. Mit 13 oder 14 Jahren würden viele Jugendliche das erste Mal Alkohol trinken. "Das ist die Phase, in der die Würfel fallen müssen", sagte Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Wie sich Eltern in dieser Zeit verhielten, präge das Trinkverhalten junger Erwachsener.

Druck und Drohungen bringen Eltern nicht weiter: "Besser ist es, den Kindern Anreize zu setzen", rät Gaßmann. Das könnte zum Beispiel ein bestimmter Urlaub sein, den die Eltern bezahlen, wenn die Kinder nichts trinken. Torkelt der Nachwuchs aber am Wochenende betrunken in die Wohnung, sollten Eltern das sanktionieren. "Die Party oder das Treffen mit Freunden zu streichen, wirkt." Als dritte Komponente sollten sich Erwachsene ihren eigenen Umgang mit Alkohol bewusst machen. Viele Eltern unterschätzten ihre Vorbildfunktion: "Kinder sollten nicht mitkriegen, wie sich Erwachsene bis morgens um 6 betrinken." Denn das vermittele ihnen: Wenn ich erwachsen sein will, muss ich trinken. Und erwachsen zu wirken, sei für Pubertierende ein reizvolles Ziel.

Eltern sollten sich allerdings keinen Illusionen hingeben: Die meisten Jugendlichen trinken vor ihrem 18. Geburtstag das erste Mal Alkohol. Die Kinder selbst an Bier und Schnaps heranführen zu wollen, sollten Eltern in keinem Fall versuchen. "Damit setzten sie eine Spirale in Gang. Wenn sie mit ihrem Kind abends beim Essen ein Bier trinken, erzählt es das am nächsten Tag seinen Freunden, und trinkt mit denen weiter", sagt Gaßmann.

Am wichtigsten sei, wie Eltern mit dem Alkoholkonsum umgingen: "Wenn ihr Kind betrunken nach Hause kommt, können Sie erst einmal nur einen Eimer ans Bett stellen. Aber gleich am nächsten Tag sollten Sie nachfragen: 'Warum hast du das getan?' oder 'Siehst du nicht selbst, dass das eine blöde Idee war?'." Mutter und Vater sollten in dem Gespräch beide an einem Strang ziehen und klar signalisieren: "Wir akzeptieren dein Verhalten nicht, wir machen das nicht mit." (dpa/tmn)





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