Brandenburg

 - 25.06.2010

Der schwierige Weg zurück auf die Schulbank

Beelitz. Schwänzen, Protest, oder Alkohol und Drogen kreuzen den Weg von so manchem Schüler - und führen ins soziale Aus. Mit gezielten Projekten sollen Schulverweiger eine zweite Chance bekommen.
Schule
An einer Regelschule hätten sie keine Chance, doch mit Hilfe gezielter Projekte können auch Schulverweigerer noch den Abschluss schaffen. (Bild: dpa)

«Mein Benehmen war scheiße», platzt es aus Jan heraus. Besser als die drastischen Worte lassen sich die Probleme des 16-Jährigen kaum schildern. Der Jugendliche ist kein wissbegieriger, aufmerksamer und pflegeleichter Schüler. Err gehört vielmehr zu den Pubertierenden, die drohen, verloren zu gehen - der Schule, aber auch sich selbst und der Gesellschaft.

Seit zwei Jahren gehört Jan zu den Teilnehmern des Schulverweigererprojekts «MUT» («Motivation. Unterricht. Training») im brandenburgischen Beelitz. Keine leichte Zeit - weder für ihn noch die Lehrer und Sozialpädagogen. Aber es gibt Licht. «Künstlerisch ist er total begabt», berichtet seine Lehrerin Ilona Krieger und blinzelt ihm zu.

Seit drei Jahren unterrichtet die 52-Jährige zusammen mit zwei Kollegen in dem früheren Klärwerk in Beelitz die Jugendlichen, die in den Regelschulen nicht zurechtgekommen sind. Als Hauptlehrerin lehrt sie Deutsch, Gesellschaftskunde, Geschichte - aber auch Sport und Kunst. «Eben alles, was man so braucht», sagt die Pädagogin von der Solar-Oberschule Beelitz. Die enge Kooperation mit der Regelschule gehört zum Konzept. Wenn es richtig gut läuft, können die Jugendlichen wieder an den normalen Schulalltag herangeführt werden und den Abschluss doch noch an einer Regelschule machen.

Kein leichter Weg. Schwänzen, Protest oder auch Alkohol- und Drogenprobleme gehören für viele wie selbstverständlich zum Alltag. Schritt für Schritt werden die Jugendlichen in Beelitz an die Norm herangeführt: Eine Schulstunde ist 35 Minuten lang, danach gibt es eine längere Pause. Außerdem ist viel Praxis angesagt. Hinzu kommt Unterricht für den Alltag: Zwei Sozialpädagoginnen bringen den Jugendlichen bei, wie man eine Wohnung sucht und seine Unterlagen ordnet.

Zwölf Mädchen und Jungen nehmen im Durchschnitt jährlich an dem Projekt teil und besuchen die 8. und 9. Klasse, berichtet Kerstin Schneider von dem Jugendhilfe-Verein Job e.V. Die Organisation arbeitet mit Kommunen und Schulen im Landkreis-Potsdam zusammen und ist für «MUT» verantwortlich. Alle Jugendlichen haben zwar neun Jahre die Schule besucht - aber ein Abschluss ist nicht in Sicht. Das Projekt will ihnen doch noch ihre Chance für die Berufswelt eröffnen.

Bei Franzi scheint es zu gelingen: Dreimal ist sie bislang an der 9. Klasse gescheitert. Nun - nach nur einem halben Jahr in Beelitz - ist der Hauptschulabschluss in greifbarer Nähe. «Und dann will ich Altenpflegerin werden», berichtet die 17-Jährige stolz. «Es macht Spaß die Leutchen zu umsorgen.» (dpa)





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