Landkreis Diepholz. Henning Sittauer kann sich an die Euroumstellung zum Jahreswechsel 2001/2002 noch gut erinnern. Der heutige Leiter der Kreissparkassen-Filiale in Alt-Stuhr arbeitete damals in der Varreler Filiale. "Wir haben immense Mengen an Starter-Kits ausgegeben", sagt er. Ab dem 17. Dezember 2001 konnten sich die Bürger mit den Kits für jeweils 20 D-Mark quasi ein Euro-Startpaket in Münzen zulegen. Umgerechnet waren das 10,23 Euro. Sittauer weiß noch, dass im Keller der alten Varreler Filiale sogar ein zusätzlicher Geldschrank aufgestellt werden musste, weil der Tresor nicht genügend Platz für die vielen Starter-Kits sowie für die neuen Münzen und Scheine bot. Das neue Geld kam jedoch schnell unters Volk. "Wir hatten im Januar regen Zulauf von Kunden, die ihr D-Mark-Geld umtauschen wollten", sagt Sittauer.
Auch bei den Volksbanken wurde damals fleißig getauscht. "Viele Kunden haben sich die neuen Scheine erst nur deshalb geholt, um sie sich anzuschauen", erinnert sich Kirsten Högemann, die bei der Volksbank Syke für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Die Umstellung sei eine "große Aktion" gewesen, auf die man aber gut vorbereitet gewesen sei. "Es lief dann auch alles reibungslos", sagt sie. Heute würde in der Stuhrer Filiale und bei der Hauptkasse in Bassum nur noch eine "verschwindend geringe" Anzahl von Kunden DM-Beträge umtauschen wollen. Das alte Geld würde die Volksbank aber nur in Ausnahmefällen annehmen. "In Nachlässen und beim Ausräumen von Haushalten gibt es zum Beispiel oft DM-Funde", weiß Högemann zu berichten.
Jede Woche kommen Menschen zum Umtauschen
Ähnliche Erfahrungen hat Reiner Borrmann, Hauptkassierer in der Brinkumer Filiale der Kreissparkasse Syke, gemacht. Bei ihm tauchen noch jede Woche Menschen zum DM-Euro-Umtausch auf. "Von unseren Kunden nehmen wir noch DM an und schreiben das Geld dem Konto gut", sagt er. Oft seien es Münzen im Gesamtwert von 20 bis 30 Euro, die die Menschen in Sammelgefäßen wie Flaschen gefunden haben. Borrmann hat aber auch schon alte DM-Scheine aus den 1950er-Jahren umgetauscht. "Es sind alle Variationen dabei." Er kennt sogar einen Fall, bei dem die Hinterbliebenen nach dem Tod eines Mannes hinter einer Schrankwand 2000 bis 3000 Mark entdeckt haben. "Der Mann hat das Geld in Prospekthüllen auf der Rückseite der Schrankwand befestigt", sagt der Kassierer. Auch DM-Bestände aus den klassischen Verstecken wie unterm Teppich und eingenäht im Sofakissen sind schon bei ihm gelandet. Manche Kunden wollten auch Sondermünzen wie die 10-DM-Gedenkmünzen bei ihm umtauschen. "Dann weise ich aber darauf hin, dass die Münze mehr wert sein könnte als der reguläre Umtauschkurs", sagt er. Oft verweise er dann auf Münzhändler.
Große Hoffnungen auf exorbitante Gewinne kann Münzhändler Reinhard Thöle aus Süstedt bei solchen Funden aber auch nicht machen. "Die 10-DM-Gedenkmünzen sind vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren in sehr hohen Auflagen geprägt worden", weiß er. Es würde oft vorkommen, dass Menschen mit alten DM-Kursmünzen zu ihm kommen. "Sie haben sich vom Wert aber nicht sonderlich entwickelt, es sind noch zu viele im Umlauf", muss er auch hier enttäuschen. Es gebe nur ganz wenige seltene Stücke wie etwa eine 5-DM-Münze aus dem Jahr 1958 und mit dem Prägebuchstaben J für Hamburg. "Davon gibt es nur 60000 Stück. Diese Münzen sind je rund 700 Euro wert", sagt der Experte, der sich auch noch gut an den anfänglichen Sammelboom in Sachen Euro-Kursmünzen erinnert. "Das hat sich jetzt aber wieder normalisiert."
Einige Läden nehmen noch Mark an
Wer seine DM-Funde nicht zur Bank oder in eine Münzhandlung tragen möchte, kann damit übrigens durchaus auch Einkäufe tätigen. "Wir würden noch DM annehmen", sagt Evelyn Meyer von Meyer's Mode in Brinkum und Syke. Wichtig sei ihr aber, dass sie die Kunden kennt - "nicht, dass das Geld noch aus einem Diebstahl oder ähnlichem stammt". Ihre Kassen hätten sogar eine Taste zum Umrechnen. Allerdings habe in ihren Läden schon lange niemand mehr einen DM-Schein gezückt, nur ganz am Anfang kurz nach der Euroumstellung sei das oft vorgekommen.
"Fünf oder sechs Jahre" ist auch der letzte DM-Kauf beim Juwelier Zeitgeist in Kirchweyhe her. Allerdings erinnert sich Inhaber Frank Rother noch gut an die dazugehörige Geschichte: "Das Geld haben die Käufer bei der verstorbenen Oma gefunden. Und sie wollten unbedingt damit eine Uhr kaufen, ohne vorher umtauschen. Das sollte eine Erinnerung sein." Grundsätzlich würde Rother auch jetzt noch DM annehmen. "Man kann es ja umtauschen."
Peter Piening vom gleichnamigen Schuhhaus in Twistringen hat ebenfalls kein Problem mit der guten alten Mark. "Klar nehmen wir die an", sagt er. Oft komme das aber nicht vor. Vor einigen Jahren hätte er sich an einer Aktion beteiligt, bei der gezielt mit dem Bezahlen mit DM geworben worden wäre. "Es ist aber nur ein Kunde gekommen", erinnert sich Piening. Er ist selbst Münzsammler und vermutet, dass sich die vielen Restbestände größtenteils bei eben diesen befinden. Ihm selbst hat die Euroumstellung einige zusätzliche 10-DM-Gedenkmünzen beschert. "Die Kunden haben damit bei mir bezahlt, danach sind die Münzen in meine Sammlung gewandert", verrät er.


Regenwahrscheinlichkeit:
