Mehr als zehn Jahre hat es gedauert, seit ein Kooperationsvertrag zwischen den Kirchen von Nordelbien, Mecklenburg und Pommern geschlossen wurde. Und es wird noch lange dauern, bis die Nordkirche bei den Gläubigen angekommen sein wird. Die vielen Begegnungsprojekte, die in den kommenden Jahren geplant seien, müssten erst Früchte tragen, sagte der amtierende Bischof von Schleswig und Holstein, Gothart Magaard. Zunächst müssen jedoch die letzten Skeptiker überzeugt werden. Die Entstehung der Nordkirche beruhe hauptsächlich auf der Zwangslage, dass die Kirche - vor allem in Pommern - unter den geringen Mitgliederzahlen und damit unter einer angespannten Finanzlage leidet, sagt ein Beobachter. "Zwänge sind nie gut, wenn man Gemeinsames aufbauen möchte." So gibt es noch eine kleine, feste Gruppe von Pommern, die weiter von einer Fusion mit der Kirche in Brandenburg träumt. Auch sagt mancher Mecklenburger, dass die eigene Landeskirche groß genug war, um selbstständig zu bleiben. Befürworter der Fusion hoffen dagegen nun auf neuen Schwung für die kirchliche Arbeit in den Gemeinden.
Viele Ost-Kirchenvertreter fürchten, dass die unter schwierigen DDR-Verhältnissen gewachsenen Beziehungen unter den Gläubigen verlorengehen könnten. In den Ostkirchen kenne jeder jeden, man ist vertraut miteinander. Ob diese Gefühlslage Bestand haben wird, bleibt abzuwarten. Denn die Dimensionen der Nordkirche sind riesig: Sie reicht von der dänischen bis zur polnischen Grenze, das Kieler Landeskirchenamt ist für einen Pommern fast eine Tagesreise entfernt.
Magaard sagt, er könne solche Sorgen verstehen. Aber allen sei klar: "Es geht um Vertrauen. Und das Vertrauen und Verständnis füreinander ist in den vergangenen Monaten gewachsen." Das von den Ostkirchen befürchtete Übergewicht der Schleswig-Holsteiner und Hamburger werde es so nicht geben. Die Nordkirchen-Synode werde grundlegende Dinge nicht ändern können, das würde das innere Zusammenwachsen erheblich beschädigen, betonte Margaard. Gleichzeitig fürchtet mancher Nordelbier, künftig mit weniger Geld auskommen zu müssen. Berechnungen zufolge könnten ihnen bald knapp vier Prozent ihres derzeitigen Budgets fehlen, während die Kirchenkreise im Osten mit zusätzlichen Geldern rechnen können.
Überhaupt suchen noch einige Funktionäre Antwort auf die Frage, wo neben dem gemeinsamen Glauben die verbindenden Elemente unter den neuen Partnern sind. Die Kirchen auf beiden Seiten der ehemaligen innerdeutschen Grenze unterscheiden sich extrem. Von den knapp 2,3 Millionen Mitgliedern der künftigen Kirche kommen zwei Millionen aus der Schleswig-Holstein und Hamburg, nur 193000 aus Mecklenburg und 93000 aus Vorpommern.
Der pommersche Bischof Hans-Jürgen Abromeit betonte trotz der Bedenken gerade aus seinem Landstrich: "Mit der Nordkirche ist die bestmögliche Kirchengestalt erreicht worden."


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