Oyten. "Qualitätsmanagement ist ein großes Wort, das immer wichtiger wird", hat Oytens Bürgermeister Manfred Cordes erkannt. Die Notwendigkeit, sich permanent zu hinterfragen, gilt nicht nur für die freie Wirtschaft. Auch Kindergärten sind durch das Kindertagesstättengesetz verpflichtet, ein Verfahren zur Qualitätsentwicklung anzuwenden.
Derzeit verfügen in der Gemeinde Oyten lediglich die kirchlichen Kindertagesstätten und die Kita Bassen über ein Qualitätsmanagement. Während im evangelischen und katholischen Kindergarten von den jeweiligen Trägern vorgegebene Verfahren eingesetzt werden, arbeitet die Kita Bassen nach der Methode "QfürK". Diese Buchstabenkombination bedeute zweierlei: "Qualität für Kinder" und "Qualitätsentwicklung für Kindertagesstätten", erläutert dessen Schöpfer Reinhold Bühne vom Evangelischen Institut für Fortbildung am Diakonissenmutterhaus Rotenburg (REIF). Sein System lebe vom Austausch der Kindergärten untereinander. Insgesamt beteiligen sich 65 Kindertagesstätten in Niedersachsen und Bremen. Im Gegensatz zur Qualitätsmanagementnorm DIN EN ISO 9001 gehe es dabei nicht bloß darum, Betriebsabläufe zu optimieren. Vordergründig soll "QfürK" dafür sorgen, dass die Beziehung zwischen Kindern und Erzieherinnen gut sei. "Qualität ist, wenn die Erwartungen erfüllt werden", lautet Reinhold Bühnes
Credo.
Um vergleichbar arbeiten zu können, wäre es sinnvoll gewesen, "QfürK" auch an den drei übrigen Oytener Kitas (Am Berg, Pestalozzistraße und Sagehorn) zu installieren. Dumm nur: Reinhold Bühne hat der Gemeinde Oyten bereits mitgeteilt, "dass er keine weiteren Kindertagesstätten mehr betreuen wird", schreibt Fachbereichsleiter Daniel Moos in seiner Beratungsvorlage. Denn REIF-Leiter Bühne geht demnächst in den Ruhestand - ein Nachfolger ist nicht in Sicht.
Gemeinsam wird's günstiger
Um ihrer Verpflichtung nachzukommen, haben sich die Kita-Leiterinnen nach einem anderen Verfahren umgesehen. Unterstützt wurden sie dabei von Gudrun Schütte, der Fachberaterin für Kindertagesstätten. Ihre Wahl fiel auf Pädquis, das an der Freien Universität Berlin entwickelt worden und im Nachbarlandkreis Osterholz bereits flächendeckend in kommunalen Einrichtungen implementiert ist. Pädquis konzentriert sich hauptsächlich auf die pädagogische Arbeit. Neben Oyten prüfen auch Achim, Ottersberg und Thedinghausen, ob sie das Verfahren in ihren Einrichtungen einsetzen können und wollen. "Es bietet sich an, hier gemeinsam zu arbeiten", empfiehlt Daniel Moos den Oytener Politikern. Wenn sich alle 15 Kindergärten aus den Kommunen für Pädquis entschieden, entfielen auf jede Kita 1790 Euro für die Schulung. Sollten sich nur acht Einrichtungen beteiligen, steigt ihr Anteil auf 3350 Euro. Zuzüglich je einer Wochenstunde Vorbereitungszeit für die Kita-Leiterinnen und die
Qualitätsmanagement-Beauftragten sowie der Fortbildungskosten koste Oyten die Pädquis-Einführung 30560 Euro, verteilt auf 2012 und die beiden kommenden Hauhaltsjahre.
Über die Investition entbrannte im Ausschuss für Jugend, Kultur, Soziales, Senioren und Sport eine heftige Diskussion, nachdem Gudrun Schütte Pädquis kurz vorgestellt hatte. Hubert Dapper (Grüne) interessierte sich hauptsächlich für die Kompatibiliät von Pädquis mit den Verfahren der anderen Kitas. "Wenn Sie sich mit den Kindergartenleiterinnen treffen - reden Sie da noch über die gleiche Sache?", wollte Dapper wissen. Sie sehe diesbezüglich durchaus Schwierigkeiten, entgegnete Gudrun Schütte: "Für mich stellt sich besonders die Frage, wie wir Bassen ins Boot bekommen." Dagegen sorgte sich Sandra Röse (CDU) besonders um die Kosten. "Was wird durch Pädquis besser? 30000 Euro sind eine Stange Geld!" Die Antwort der Fachberaterin war ebenso eindeutig wie nichtssagend: "Alles!"
Björn Meyer, beratendes Ausschussmitglied, sieht den Betrag jedoch gut angelegt, "wenn die pädagogische Arbeit dadurch besser wird - egal, ob das Verfahren ISO heißt, Dr. Oetker oder Pädquis". Sascha Erbacher, Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Oytener Sportvereine (AGOS), erinnerte an das Kindertagesstättengesetz, das Qualitätsmanagment für alle Einrichtungen obligatorisch mache. Aber möglicherweis gebe es günstigere Anbieter. "Andere Verfahren sind ähnlich teuer", erklärte Gudrun Schütte. Nachdem Karl-Heinz Ahrendt (CDU) den Wunsch geäußert hatte, sich "gerne mal vor Ort informieren" zu wollen, wurde Björn Meyer sauer. "Wir bauen uns 'ne neue Ortsmitte und reden hier über 30000 Euro für unsere Kinder!", echauffierte er sich.
Auch für Bürgermeister Manfred Cordes war die Sache klar: "Aus meiner Sicht muss das System kommen." Dem mochten bei der Abstimmung aber nur die Grünen Reena Saschowa und Hubert Dapper folgen. Bei vier Gegenstimmen und drei Enthaltungen lehnte der Ausschuss den Antrag ab, das Geld in den Oytener Haushalt einzustellen. "Dann müssen wir gucken, dass wir mehr Input bekommen", konstatierte die Ausschussvorsitzende Reena Saschowa. Fortsetzung folgt ...



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