Garmisch-Partenkirchen kennt Thomas Plugowsky bereits seit Jahrzehnten. Als Kind war er dort dreimal in der Spezialklinik für Rheumaerkrankungen in Behandlung. Die Eindrücke von damals beschäftigen ihn bis heute: "Dort waren viele Kinder, die mit Rollstühlen über das Gelände fuhren - das war deprimierend, zu sehen. Einige waren etwas schlimmer von der Krankheit betroffen, andere weniger. Zu einigen Patienten von damals habe ich immer noch Kontakt."
Der 47-Jährige ist trotz seiner Erkrankung sehr sportlich orientiert. "Bewegung und Sport wird Patienten, die an Rheumaerkrankungen leiden, dringend empfohlen", sagt Plugowsky. Er fährt Kajak auf der Lesum und der Weser und ist viel mit dem Fahrrad unterwegs. Die Idee für die Fahrradtour nach Garmisch-Partenkirchen kam ihm spontan. "Seit Dezember 2010 nehme ich ein neues Medikament, dadurch sind meine Rheumaschübe stark zurückgegangen. Ich musste kein Kortison mehr nehmen und konnte seitdem viel intensiver meinem Sport nachgehen", erzählt er.
Garmisch statt Kreta
Als dann sein geplanter Sommerurlaub auf Kreta ausfiel, kam ihm der Einfall, einmal einen ganz anderen Urlaub zu machen. "Eigentlich wollte ich in diesem Sommer am Strand sitzen und ausspannen. Nun hatte ich plötzlich Zeit und dazu noch Geld gespart." Große Vorbereitungen traf er nicht. Seinen Entschluss, mit dem Fahrrad nach Garmisch-Partenkirchen zu fahren, setzte er beinahe von einem Tag auf den nächsten um. Er entschloss sich, das gesparte Geld für den Kreta-Urlaub in Höhe von 500 Euro der Rheumastiftung zu spenden
"Ich hatte noch nicht einmal eine vernünftige Fahrradkarte mit einer genauen Route dabei. Ich habe meine Satteltaschen auf das Fahrrad gepackt und bin einfach losgefahren. Wo ich die erste Nacht schlafen würde, wusste ich auch nicht." Eine Vorgehensweise, die ihm sonst ziemlich fremd ist, wie er selbst sagt. "Ich bin Beamter im öffentlichen Dienst und im normalen Alltag gewöhnlich gut vorbereitet. Für diese Aktion wollte ich alles einmal ganz bewusst anders machen."
Zunächst fuhr Thomas Plugowsky den Weser-Radweg durch das Weserbergland. "Hoch motiviert habe ich am ersten Tag 162 Kilometer zurückgelegt." Weiter ging es an der Fulda entlang Richtung Sinnthal, dann am Main entlang in das wilde Tauberthal. Von dort fuhr er durch die schwäbische Ostalb zur Donau Richtung Allgäu, mit Kurs auf Garmisch-Partenkirchen. "Bei Temperaturen um 30 Grad", erzählt er. Vor der Reise hatte er mit Birgit Liefenbrück, der Geschäftsführerin der Rheumastiftung in Garmisch telefoniert und sein Kommen angekündigt - ohne die genaue Ankunftszeit zu nennen. "Ich wusste ja nicht, was unterwegs alles passieren würde." Dreizehn Kilometer vor Schongau rief er dann noch einmal bei der Stiftung an, "da habe ich dann gesagt, dass ich gleich am Ziel bin".
Zu Beginn der Tour, gesteht der Nordbremer im Nachhinein, habe er selbst gezweifelt, ob er es überhaupt mit dem Fahrrad bis ins Ziel schaffen würde. Er zieht ein durchweg positives Resümee: "Ich habe viel auf dieser langen Strecke erfahren und gelernt, ich habe viele nette unterschiedliche Menschen getroffen und viele schöne Landschaften gesehen. Ein Bayer hat mir an einem besonders heißen Tag eine Tüte Eistee spendiert."
Für sich persönlich habe er Grenzen entdeckt. "Sich selber Ziele stecken und über die eigenen Grenzen gehen, um eine neue Herausforderung anzunehmen, ist das beste Rezept gegen meine Krankheit", sagt er. Dabei gelte es, Dinge zu schaffen, die gesunde Menschen auch schaffen könnten. "Selbst viel auszuprobieren hat mir dabei sehr geholfen. Die Bewegungen und der Sport, den ich in den Rheumagruppen absolviert habe, war für mich dagegen eher demotivierend."
www.rheumastiftung.de



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