Von JÜRGEN THEINER
Lüssum. Das "Mehrgenerationenhaus" ist eines von 500 einschlägigen Projekten bundesweit und das einzige seiner Art in Bremen. 2007 von der damaligen Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen eingeweiht, ergänzte es die stadtteilbezogene Sozial- und Integrationsarbeit des Hauses der Zukunft um eine zusätzliche Komponente, nämlich das Miteinander von Jung und Alt zu fördern. Freiwilligen-Koordinatorin Christina Klebeck: "Die Senioren hatten wir vorher nicht so auf dem Schirm." Oder bestenfalls in Ansätzen. So nutzten einige ältere Menschen aus dem Quartier die Möglichkeit, im Haus der Zukunft an der Lüssumer Heide mittags günstig zu essen.
Mit einem systematisch geförderten Dialog der Generationen hatte das noch nicht viel zu tun. Das Geld aus Berlin versetzte die Einrichtung in die Lage, mehrere konkrete Vorhaben zu realisieren, die letztlich dem einen Ziel dienten - nämlich den Erfahrungsschatz der Älteren zu heben und für Jüngere nutzbar zu machen. Beispiel: Erziehungspartnerschaften, in denen Senioren jungen Ehepaaren oder alleinerziehenden Müttern mit Rat und Tat zur Seite stehen. Organisiert ist das Mehrgenerationenhaus als offenes Angebot und zentrale Anlaufstelle für alle Menschen im Stadtteil. Als Leitgedanke lässt sich formulieren: Alt und Jung unterstützen sich gegenseitig, sei es bei der Betreuung von Kindern oder der Hilfe für Senioren - ganz ähnlich wie in der Großfamilie von einst.
Um die Anschlussförderung zu erhalten, formulierte das Haus der Zukunft im Sommer neue Projekte auf vier Feldern, nämlich Alter und Pflege, Integration und Bildung, haushaltsnahe Dienstleistungen und freiwilliges Engagement. Unter anderem plant Christian Klebeck die Einrichtung eines "Demenz-Cafés", in dem sich Angehörige von Erkrankten über einschlägige Probleme austauschen können. Senioren mit eingeschränkter Mobilität sollen mit Bewegungsangeboten für das "Mehrgenerationenhaus" interessiert werden. In der Planung sind ferner ein generationenübergreifender Tanz-Workshop und ein Gesprächskreis "Biografie-Arbeit". Christina Klebeck: "In dieser Gruppe könnten sich die Teilnehmer beispielsweise über ihre jeweiligen ersten Schultage austauschen und der Stadtteilgeschichte nachspüren."
Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) sieht in der Zusage neuer Bundesmittel für die Einrichtung in der Lüssumer Heide ein "Zeichen der Anerkennung für die Arbeit der vergangenen Jahre". Der demografische Wandel, so Stahmann, "verlangt nach Antworten in der Sozialstruktur und in den Angeboten vor Ort. Die Keimzelle des bürgerschaftlichen Engagements ist direkt im Wohnquartier, und an dieser Stelle setzen die Mehrgenerationenhäuser idealtypisch an". Bundesweit hatten sich über 600 Mehrgenerationenhäuser um Förderung beim Bundesfamilienministerium beworben, 500 erhielten jetzt den Zuschlag, darunter auch das Bremer. Ein wichtiges Kennzeichen der Häuser ist das Engagement von Freiwilligen, die Freizeit einbringen und sich in den Dienst der Gemeinschaft stellen. In Lüssum kann Christina Klebeck zurzeit auf 17 solcher guten Geister bauen, zumeist Frauen zwischen Mitte dreißig und Mitte siebzig.




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